Peak Oil und Social Software

Peak Oil ist ein Thema, das in der Blogosphäre erstaunlich wenig Echo findet. Dabei ließe sich darüber ausgiebig diskutieren und viel mehr noch die Frage stellen, ob und wie mit Social Software die Situation beeinflusst werden kann.

Im Kern geht es hier um zwei genau gegenläufige Entwicklungen: Das Industriezeitalter hat auf der Basis von Öl als Rohstoff eine hochgradige (globale) Arbeitsteilung und ein enorm großes Handelsvolumen mit sich gebracht. Demgegenüber blieb der Austausch von Informationen lange Zeit zurück, weil er weithin an körperliche Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Bücher…) gebunden war.

Mit Peak Oil und dem parallel dazu aufkommenden Internet kehren sich die Verhältnisse um: Informationen in digitaler Form sind jetzt weltweit nahezu kostenlos verfügbar, während die zu Ende gehenden Ölvorkommen den Transport von Gütern jeglicher Art immer teurer machen werden.

In meinen Augen ist das schon eine sehr interessante Perspektive, die natürlich zu der Frage führt, ob denn die These von Peak Oil wirklich ernst zu nehmen ist. Marc Nitzsche (Rohstoff-Trader) glaubt nicht daran. Bernd Ohm (Energiewende Blog) dagegen schon. Bände spricht die aktuelle Diskussion des Ölpreises bei Thomas Göhler (MMnews): Der Autor trägt penibel alle Fakten zusammen und kann sich am Ende selbst keinen richtigen Reim darauf machen…

Ich persönlich halte Peak Oil für eine Tatsache, nachdem dies inzwischen auch die IEA (Internationale Energieagentur) tut. Einen sehr guten Artikel dazu hat George Monbiot auf seinem Blog.

Wie wird die Zukunft aussehen?

Solange es für Kerosin als Treibstoff der Flugzeuge und Diesel bei den Schiffen (und Lastwagen) keinen adäquaten Ersatz gibt, wird der weltweite Transport von Gütern nach und nach stark schrumpfen und teilweise ganz zum Erliegen kommen. Die Folgen für die weltweite Arbeitsteilung werden dramatisch sein, sofern man sich nicht rechtzeitig darauf einstellt. Exportorientierte Nationen wie Deutschland werden sich massiv umstellen müssen.

Das wird aber nicht nur für die Exportwirtschaft gelten, sondern auch für uns Konsumenten: Denn aus dem Handel werden die Billigwaren aus Drittländern nach und nach verschwinden, weil T-Shirts aus China oder Wein aus Chile allmählich teurer sein werden als vor Ort hergestellte Produkte. Dabei dürfte allerdings das Preisniveau steigen und die Angebotsvielfalt abnehmen.

Das alles muss aber keine Katastrophe sein, denn an die Stelle des Handels können nun über das Internet Dienstleistungen ausgetauscht werden. So werden dann vielleicht weltweit Maschinen unter deutscher Anleitung hergestellt und nicht mehr von hier verschifft.

Zum Schluss hier noch ein Verweis auf das Ölschock-Portal, wo unter der Überschrift „Das Zeitalter der Katastrophen“ zwei sehr interessante (und kulturpessimistische) Artikel besprochen und verlinkt werden. Man kann die Zukunft mit Pessimismus betrachten. Ebenso kann man aber auch versuchen, den Tatsachen ins Auge zu sehen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Und schließlich kann man sie auch ignorieren und sich nur mit Twitter oder dem iPhone beschäftigen…