Erst Corona dann der Brexit: Englische Internate in Turbulenzen

Englische Internate

Sie gelten weltweit als hervorragende Bildungseinrichtungen und der Stolz ihrer Nation: englische Internate. Doch hat schon die Corona-Krise vielen Schulen schwer zugesetzt, droht mit dem Brexit neues Ungemach. Kann man noch Kinder dorthin schicken?

Englische Internate sind etwas Besonderes. Sie sind nicht einfach nur Schulen mit Übernachtung und Verpflegung, sondern bieten neben Unterricht auf hohem Niveau auch umfangreiche Programme im sportlichen und musischen Bereich, dazu wird auf die Förderung der Persönlichkeit der Schüler großen Wert gelegt. Diese Einrichtungen leisten etwas, das selbst gute Schulen herkömmlicher Art so nicht bieten können. Viele von ihnen blicken auf eine sehr lange Tradition zurück, wie etwa das berühmte Eton College, das im 15. Jahrhundert gegründet wurde.

Dazu kommt aus deutscher Perspektive der Reiz der anderen Kultur und die Möglichkeit, einen Schulabschluss in der wichtigsten Sprache dieser Welt zu machen. Darüber hinaus bieten englische Internate oft auch Vorbereitungskurse, um nach dem Abitur an einer britischen oder amerikanischen Elite-Universität studieren zu können. Es gibt also viele gute Gründe, Töchter und Söhne auf ein englisches Internat zu schicken.

Allerdings hat die Corona-Krise speziell den Bildungssektor hart getroffen. Quarantäne-Maßnahmen und Unterricht per Videokonferenz sind nicht gerade das, was man von Institutionen, die auf ihre hohe Betreuungsqualität und individuelle Fördermöglichkeiten Wert legen, erwarten würde. Das betrifft nicht nur die Internate, sondern auch viele der teuren Privatuniversitäten. Immerhin zeichnet sich ab, dass die Einschränkungen aufgrund von COVID-19 nicht von Dauer sein werden. Sehr gut möglich ist, dass sich die Lage bereits 2021 wieder normalisiert.

Jedoch könnte auch schon ein glimpflicher Verlauf der Corona-Krise die eine oder andere Bildungseinrichtung in eine existenzbedrohende Lage bringen. Bei der Auswahl eines englischen Internats sollte deshalb auch in Erfahrung gebracht werden, wie es um die Solvenz und Zukunftsfähigkeit der bevorzugten Einrichtung steht. Zu befürchten ist, dass nach der Krise zahlreiche Schüler aus dem Ausland nicht mehr nach England zurückkehren werden, so dass einzelnen Internaten dauerhaft ein Teil ihrer Einnahmen wegbrechen könnte.

Doch damit nicht genug: Hinzu kommt noch eine andere Beeinträchtigung, die auf jeden Fall von dauerhafter Wirkung sein wird: Das Ausscheiden von Groß-Britannien aus der Europäischen Union.

Konnten Bürger aus EU-Staaten bisher problemlos nach Groß-Britannien reisen und sich dort beliebig lange aufhalten, so werden sehr wahrscheinlich ab dem 1. Januar 2021 andere Regeln gelten. Immerhin sind die englischen Internate darauf sehr gut vorbereitet, haben sie doch heute schon Erfahrungen mit Schülern aus aller Welt (etwa China und Russland), so dass sie mit britischer Gelassenheit jeden neuen Schüler durch den Paragrafen- und Anmelde-Dschungel für Aufenthaltserlaubnisse werden führen können.

Sicher ist: Wer sich künftig länger als 6 Monate im Vereinigten Königreich wird aufhalten wollen, braucht ein Visum. Der Prozess dazu soll online stattfinden. Hilfestellungen dazu wird man vom jeweiligen Internat sicher gerne erhalten. Weil das Verfahren zum Austritt Groß-Britanniens aus der Europäischen Union immer noch eine Hängepartie ist, bei der sogar ein harter Brexit nicht ausgeschlossen werden kann, können sich im Einzelnen immer noch Abweichungen vom derzeitigen Stand der Dinge ergeben.

Für Schülerinnen und Schüler aus Deutschland sollte der Brexit aber kein Grund sein, das Vorhaben an einem englischen Internet den Schulabschluss zu machen, aufzugeben. Der Bildungssektor ist für Groß-Britannien viel zu wichtig, als dass es sich die Regierung von Boris Johnson (der im Übrigen auch mal ein Internatsschüler war) erlauben könnte, hier unnötig viele bürokratische Hindernisse aufzubauen.