PCs mit SSD: Lohnt sich der schnelle Speicher?

Floppy-Disk oder SSD

Noch immer werden auffallend viele PCs mit traditionellen Festplattenspeichern (HDD) verkauft, die SSD hat sich hier noch nicht so richtig durchgesetzt. Würde es sich für Unternehmen lohnen, auf die modernere und schnellere Speichertechnik umzurüsten?

In der Welt der Smartphones und Tablets sind sie nicht mehr wegzudenken: Sehr kompakte Datenspeicher ohne bewegliche Teile. Die SSD (Solid State Disk oder auch Solid State Drive) lässt sich platzsparend verbauen, benötigt wenig Strom und ermöglicht sehr schnelle Zugriffe auf die darauf gespeicherten Daten. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, dass nur mit der SSD die Revolution der mobilen Endgeräte überhaupt stattgefunden hat. Auch der USB-Stick wäre ohne sie nicht möglich geworden: Wir würden wohl noch immer Floppy-Disks mit uns herumtragen.

Darüber hinaus ist die SSD längst auch in den allermeisten Notebooks (Laptops) verbaut. Bei günstigen Einsteigergeräten häufig nur mit 64 GB bzw. 128 GB Speichervolumen, während es nach oben kaum noch Grenzen zu geben scheint: So bietet Apple aktuell seine 16 Zoll-MacBook Pro-Reihe mit bis zu 8 TB SSD-Speicher an!

Doch warum konnte die SSD sich ausgerechnet bei den PCs immer noch nicht auf ganzer Linie durchsetzen?

Hier spielen zu allererst die Preise eine Rolle. Die HDD ist eben immer noch das preislich günstigere Speichermedium, das trotz seiner mechanischen Komponenten als vergleichsweise robust und langlebig einzustufen ist. Weil zudem im Gehäuse eines PC der Platzbedarf keine sehr große Rolle spielt, spricht nichts gegen den Einsatz der HDD. Damit lassen sich solche Rechner preislich günstig anbieten, ohne beim Speichervolumen Kompromisse machen zu müssen (wie das bei Notebooks regelmäßig der Fall ist).

Darüber hinaus spielt mittlerweile ein anderer Punkt eine mindestens ebenso entscheidende Rolle: Die Anwendungen, mit denen am PC gearbeitet wird. Während in der Frühzeit der Desktop-Rechner die meisten Programme und Daten lokal auf ihnen gespeichert waren, werden heute sehr viele Informationen von Unternehmens-Servern oder aus dem Web (bzw. der Cloud) abgerufen. Lokal gespeichert wird nur noch wenig.

In einem solchen Kontext macht die Geschwindigkeit des lokal verbauten Speichers nur noch wenig aus. Entscheidender sind die Reaktionszeiten von Servern bzw. das Tempo, das über Datenleitungen oder auch das mobile Web realisiert werden kann. Für viele Anwender würde sich nur wenig ändern, wenn sie anstelle ihrer HDD im PC eine SSD bekämen. Der Rechner würde zwar schneller hoch- und wieder herunterfahren und Programme würden schneller geladen, die eigentliche Arbeit ließe sich aber kaum beschleunigen.

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter auf der Ebene der IT produktiver machten möchten, dürfen also keinen strikten Hardware-Vergleich zwischen SSD und HDD anstellen. Vielmehr kommt es individuell auf die Einsatzszenarien an.

Wo tatsächlich viel mit lokal gespeicherten Daten gearbeitet wird, etwa mit großen Excel-Tabellen oder auch lokal betriebenen Datenbanken, kann der Einsatz einer SSD tatsächlich helfen. Die große Mehrheit der betrieblichen Anwender wird jedoch mit Daten von Servern arbeiten, seien es E-Mails, die Warenwirtschaft, CRM-Anwendungen bis hin zu Social Media (aus der Cloud).

Überwiegt die Arbeit mit Servern, macht es Sinn, dort die Zugriffsgeschwindigkeiten zu optimieren. Eine Option dazu ist es, eigene Server vom Festplattenbetrieb auf SSD umzustellen. Die Stärke der SSD im Server-Betrieb liegt gerade bei den Zugriffszeiten, insbesondere wenn viele Anwender gleichzeitig auf Datenbanken oder Exchange-Server zugreifen müssen.

Wo viel mit Daten aus dem Web gearbeitet wird, oder wo Unternehmen die eigene Daten-Infrastruktur bereits weitgehend in die Cloud transferiert haben, loht sich die Optimierung von Datenleitungen, weil auf die Performance von Drittservern in der Regel kein Einfluss genommen werden kann.

Eine Herausforderung spezieller Art sind die Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie. Auf die Infrastruktur, die sich mit der Arbeit aus dem Home-Office ergibt, haben Unternehmen meist nur wenig Einfluss. Immerhin können sie Notebooks ausgeben, damit die zuhause zum Einsatz kommenden Rechner schnell, sicher und videokonferenz-tauglich sind.

SSDs sind also kein Allheilmittel zur Beschleunigung der Produktivität. In bestimmten Fällen macht der gezielte Einsatz der schnellen Speicher aber durchaus Sinn. Kleinere Unternehmen sollten sich dazu vom IT-Systemhaus ihres Vertrauens beraten lassen.