Gebremster Höhenflug: Zur Lage der Fintechs am Beispiel Wefox

fintechs wefox

Seit ein paar Jahren versuchen eine Reihe von Startup-Unternehmen („Fintechs“) den Markt für Versicherungen mit moderner Technologie und neuen Ideen aufzurollen. Dazu gehören u. a. Clark, Coya, Feelix, Getsurance, Knip und Wefox. Doch so richtig raus aus der Nische ist noch keiner dieser Player. Kann es Wefox besser machen?

Schon länger verfolge ich interessehalber den technologischen Umbruch durch das Internet auf dem Markt für Banken und Versicherungen. Lange Zeit gab es hier kaum Bewegung, erst in den letzten Jahren stieg die Zahl der Startups („Fintechs“ oder auch „Insurtechs“) deutlich. Dass diese Branche hierzulande insgesamt etwas langsamer tickt als andere musste, nebenbei bemerkt, auch ein sehr großes Unternehmen wie Apple erfahren: Neuesten Meldungen zufolge soll deren Bezahldienst „Apple Pay“ noch im Jahr 2018 in Deutschland auf den Markt kommen, erstaunliche vier Jahre nach dessen Vorstellung und Einführung in den USA.

Dabei bedeutet „auf den Markt kommen“ noch nicht den Durchbruch und exakt das kennzeichnet viele der deutschen Fintechs. Wer von ihnen 100.000 Kunden und mehr vermelden kann, zählt schon zu den sehr erfolgreichen Vertretern. Das aber sind nur sehr wenige und auch deren Erfolg nimmt sich, gemessen am gesamten Markt für Finanzdienstleistungen in Deutschland, immer noch eher bescheiden aus. Es fehlt noch der ganz große Durchbruch, sowohl bei den Startups, die eher den Bereich Versicherungen im Visier haben als auch bei den Anbietern, die mehr ins klassische Bankfach zielen.

Die von mir im Frühjahr 2016 beschriebene Aufregung unter den klassischen Versicherungsmaklern stellte sich als Sturm im Wasserglas heraus: Ganz so schnell wie befürchtet schwimmen den althergebrachten Maklern und Versicherungsvertretern die Felle nicht davon. Das bringt uns zu Wefox, wo man in Bezug auf Makler auf Kooperation anstatt Konfrontation setzt. Zwar verwalten auch hier die Kunden in der App ihre Versicherungsverträge, doch das Maklermandat muss deshalb nicht wechseln. Versicherungsmakler können mit Wefox zusammenarbeiten und so ihren Kunden neben der klassischen Beratung eine moderne, digitale Vertragsverwaltung über eine App auf dem Smartphone anbieten. Mehr als 600 Makler arbeiten auf diese Art und Weise schon mit Wefox zusammen.

Nach Angaben des Unternehmens wurden 2017 dabei Provisionen in Höhe von 13 Mio. Euro abgewickelt (Wefox bekommt davon 30 %), 2018 sollen es bereits 50 Mio. Euro sein. Parallel dazu kann Wefox auch selbst als Vermittler auftreten: Wer etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, findet dazu auf der Website Informationsmaterial und die Einladung, ein Angebot dazu einzuholen. An dieser Stelle könnte Wefox vielleicht noch stärker herausstellen, wann es für einen Kunden Sinn macht, sich direkt von einem „Wefox-Experten“ beraten zu lassen und in welchen Fällen der Gang zum klassischen Makler mehr Sinn macht: Solange unter einem Dach beide Varianten angeboten werden, sollte den Kunden der Unterschied auch erklärt werden.

Interessant ist auch, dass Wefox in Ergänzung zur Kooperation mit Maklern seit diesem Jahr auch selbst als Versicherer am Markt auftritt. Dazu wurde das Unternehmen „One“ gegründet, das derzeit Hausrat- und Haftpflichtversicherungen anbietet.

Hat Wefox mit diesen Komponenten bereits den Schlüssel zum Erfolg in der Hand? Ein entscheidender Baustein fehlt bei dieser Betrachtung noch. Anders als andere Startups hat Wefox sehr viel Kapital an der Hand um einerseits Durststrecken zu überstehen und anderseits Investitionen in den Produktbereich und das Marketing zu tätigen. Meldungen von Anfang August zufolge soll eine neue Finanzierungsrunde auf dem Weg sein, die dem Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag an frischem Geld einbringen könnte.

Das Geld wird Wefox gut brauchen können. Denn ein Kernproblem am Markt für Versicherungsprodukte besteht darin, dass die deutschen Verbraucher sich nur wenig für Versicherungen interessieren. Der Marketing-Aufwand ist daher speziell für Startups, die sich erst noch einen Namen machen müssen, enorm hoch. Wefox dürfte deshalb im Wettbewerb aller Fintechs gute Chancen haben, zu den Gewinnern zu gehören. Nur eine Unsicherheitskomponente bleibt: Derzeit werden digitale Sprach-Assistenten immer beliebter. Erstaunlich viele Menschen stellen sich die kleinen Lautsprecher in ihre Wohnung und beginnen Internet-Recherchen mit einem Dialog – anstelle der klassischen Recherche am Bildschirm des Desktop-Computers oder über eine App auf dem Smartphone.

Bei Wefox sollte man deshalb vielleicht weniger darauf schauen, was Wettbewerber wie Knip oder auch Number26 an Tricks auf Lager haben, sondern auch einbeziehen, was digitale Assistenten wie Alexa (Amazon) oder Siri (Apple) so draufhaben. Denn eines Tages könnten die Versicherungskunden sich daran gewöhnen, ihrem smarten Lautsprecher zuhause die Frage zu stellen, welches derzeit die günstigste Haftpflichtversicherung am Markt ist. Von der Antwort dürfte viel davon abhängen, wer in Zukunft Versicherungen vermittelt.