Büroräume online suchen? Zur Digitalisierung auf dem Immobilienmarkt

Immobilienmarkt

Wer im Web nach Büroräumen zum Mieten sucht, hat eine wahre Odyssee vor sich: Viele kleine Makler-Websites und wenig Überblick. Die Hamburger Angermann Gruppe könnte das mit ihrer Portalseite „bürosuche.de“ ändern, denn deren Ansatz ist vielversprechend.

Kleinanzeigen für Wohn-Immobilien füllten früher mit schöner Regelmäßigkeit ganze Zeitungsseiten. Sie sind, sehr zum Leidwesen der Verleger und Redakteure, inzwischen vollständig ins Web abgewandert und dort in aller Regel auf großen Portalseiten zu finden. Daneben wird heute auch der Markt der kurzfristigen Übernachtungen größtenteils über digitale Plattformen abgewickelt. Bei den klassischen Hotelbuchungen beispielsweise über Booking.com, während der Markt für alternative Unterkünfte von Airbnb weitgehend neu geschaffen wurde.

Doch beim gewerblichen Immobilienmarkt sieht das bis heute anders aus: Dieser Markt findet nach wie vor weitgehend offline statt, bzw. Interessanten für Büroräume oder andere gewerbliche Mietobjekte müssen sich diese auf einer Vielzahl von relativ kleinen Websites mühsam zusammensuchen, weil hier jeder Makler gern sein eigenes Süppchen kocht.

Daneben gibt es teilweise auch regionale Initiativen von Kommunen oder Wirtschaftsverbänden, die etwas großräumiger gedacht sind und gewerbliche Mietobjekte (oder auch Bauland in Gewerbegebieten) auflisten. Schließlich lohnt sich meist noch der Blick auf die schon erwähnten, großen Portalseiten, weil diese nicht nur den Wohnungsannoncen offen stehen, sondern auch im gewerblichen Bereich genutzt werden können. Der große Wurf aber fehlt, einen Überblick und vernünftige Vergleichsmöglichkeiten gibt es digital noch nicht.

Liegt es an den sehr unterschiedlichen Anforderungen der Kunden bzw. dem nicht selten sehr vielfältigen und heterogenen Angebot der Makler? Makler können nur anbieten, was ihr Markt gerade hergibt und das ist in der Regel weitaus weniger „standardisiert“ als der Wohnungsmarkt. Oder wollen die Makler für Gewerbeobjekte im Netz nicht so gerne zeigen, was sie gerade zu bieten haben, weil sie ihrer jeweiligen Konkurrenz vor Ort nicht zu viel Einblick ins eigene Geschäft ermöglichen wollen?

Seit 2015 immerhin bemüht sich die Hamburger Angermann Gruppe mit ihrer Portalseite bürosuche.de einige der hier genannten Nachteile auszugleichen. Für die Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover und Stuttgart wird eine Plattform geboten, auf der hochwertige Büroräume übersichtlich dargestellt werden. Das Unternehmen wirbt damit, die „optimale Kombination aus Online-Immobiliensuche und lokaler Beratung“ anzubieten. Im Ansatz ist diese Website schon ziemlich nahe dran an der Idee der digitalen Plattform:

  • Die Adresse „buerosuche.de“ ist ein sehr generischer Begriff;
  • Die Website listet Angebote aus mehreren großen deutschen Städten auf;
  • Es gibt einen deutlichen Fokus auf ein bestimmtes Marktsegment, nämlich hochwertige Büroräume;
  • Das Prinzip der Website ist erweiterbar (skalierbar) auf weitere Städte;
  • Vermutlich könnten auch weitere Makler mit ihren Objekten aufgenommen werden.

Doch vermutlich wird bei der Angermann Gruppe noch sehr stark in analogen Kategorien und Strukturen gedacht. Dass der Zugang zum Kunden auch im B2B-Bereich sich immer stärker auf der digitalen Ebene abspielt bzw. anbahnt und dementsprechend analoge „Touchpoints“ an Bedeutung verlieren, muss man sehen (und gestalten) wollen. Das Konzept der digitalen Plattform, in Analogie zu Unternehmen wie Amazon, Apple, Facebook und Google, muss bewusst als strategische Chance und Option wahrgenommen werden.

Demgegenüber wird die klassische Website in den kommenden 10 Jahren vermutlich immer mehr an Bedeutung verlieren. Sie folgt einem dezentralen Konzept aus der Frühzeit des Internet, in dem es vorrangig um Vernetzung ging. Der Nachteil dezentraler Strukturen ist jedoch, dass einzelne Angebote mangels Bekanntheit nur schwer gefunden werden und kleine Anbieter permanent Gefahr laufen, von einem Plattformanbieter mit großem Bekanntheitsgrad an die Wand gedrückt werden.

Amazon hat als Händler im Web einst sehr klein angefangen (was viele heute schon vergessen haben). Doch dessen Gründer, Jeff Bezos, hat von Beginn an das Potenzial der Skalierbarkeit seines Geschäftsmodells erkannt und konsequent genutzt. In diesem Sinne sollte auch die Angermann Gruppe ausloten, welche Potenziale ihr Portal „bürosuche.de“ bietet. Noch ist dazu Zeit, denn der gewerbliche Mietmarkt für Immobilien im Web ist viel zu stark fragmentiert. Hier muss und wird sich in den nächsten Jahren etwas ändern.

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