Eine Website selbst erstellen: Alles ganz easy?

Website selbst erstellen

In der Werbung sieht das immer so einfach aus: Da ist eine schöne Website im Handumdrehen selbst erstellt, wenn man dazu nur den richtigen Anbieter gewählt hat. Das Konzept der Website aus dem Online-Baukasten existiert schon lange. Doch kann man Unternehmen heute empfehlen, sich darauf einzulassen?

Im Januar habe ich mir mal den Spaß gemacht, den Bad Saulgauer Einzelhandel daraufhin zu überprüfen, wer im Web zu finden ist und wie die Websites im Einzelnen so aussehen. Das Ergebnis war ernüchternd, um nicht zu sagen niederschmetternd. Bestenfalls jeder zweite Betrieb kann mit einer Website aufwarten, einige Adressen werden mit einer Suche bei Google überhaupt nicht gefunden (nicht einmal von den sonst so eifrigen Branchen-Verzeichnissen).

Von den vorhandenen Websites sind nur wenige wirklich gut gemacht, etliche enthalten grobe Fehler (fehlendes Impressum, die Verwendung der Bezeichnung „Geschäftsführer“ obwohl keine Kapitalgesellschaft vorliegt…). Dieses Ergebnis dürfte die Situation im Handel vieler deutscher Kleinstädte sehr gut wiedergeben: Die Betriebe sind im Web überwiegend schlecht vertreten, die Websites sind im Großen und Ganzen kein gutes Aushängeschild für den jeweiligen Betrieb. Von zusätzlichen Services wie Online-Shops, Bildergalerien oder Chat-Funktionen für kurze Service-Anfragen ganz zu schweigen. Auch in Sachen Social Media sieht es eher mau aus, doch das ist eine andere Geschichte.

Eine Website selbst erstellen – das wäre in dieser Situation für viele eigentlich genau das Richtige. Man spart sich mehr oder weniger hohe Honorare für Agenturen und bekommt doch eine ansehnliche Präsenz im Web, die sich zudem mit einfachen Mitteln immer wieder aktualisieren lässt. Ist es deshalb eine gute Idee, wenn Anbieter wie Jimdo oder Wix derzeit offensiv für ihre Dienste werben?

Wer sich aus der Perspektive eines kleineren Unternehmens diesen Diensten nähert, wird zunächst einmal mit großen Versprechungen geködert: Eine Website selbst erstellen ist demnach eine ganz einfache Angelegenheit, die sich im Handumdrehen erledigen lässt. So wirbt Jimdo derzeit auf YouTube und im Fernsehen mit der Website des Hunde-Fotografen Christian Vieler (es gibt ihn und seine Website wirklich!), während Wix das Musiker-Duo Rhett & Link bemüht und den 30-Sekunden-Spot sogar während des amerikanischen Super Bowl gezeigt hat.

Wix Spot Rhett and Link

Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass es neben diesen beiden Anbietern noch weitere Adressen gibt. So kann man bei Hosting-Providern wie 1&1 oder Strato eine Website selbst erstellen, ebenso bei Domain Factory. Der Anbieter Zeta Producer eignet sich für diejenigen, die ihre Website nicht nur selbst erstellen, sondern diese auch auf ihrem eigenen Webserver laufen lassen wollen (eine vermutlich eher kleine Zielgruppe). Nicht unerwähnt bleiben darf die Blog-Software WordPress, die natürlich auch zum Aufbau einer Website genutzt werden kann.

Wie aber findet man für sich den richtigen Anbieter? Wer eine Website selbst erstellen möchte, muss sich vorab ein paar Gedanken dazu machen, möglichst auch einen Konkurrenz-Vergleich durchführen und natürlich für gutes Bild-Material sorgen. Ohne gute Fotos nützt die beste Designvorlage nichts und Fotos sind definitiv eine Schwachstelle vieler kleiner und oft auch noch mittelgroßer Unternehmen. Der Umgang mit Smartphones oder gar DSLR-Kameras ist meist nicht geläufig, auch noch 10 Jahre nach der Einführung des Apple iPhone!

Dazu kommt natürlich noch der Aspekt des Corporate Design und damit auch eine Gretchenfrage an alle Anbieter einer schnell selbst zu erstellenden Website: Wie sieht es mit Schriftarten und dem Farbschema aus? Diese beiden wichtigen Komponenten müssen sich zwingend an ein schon vorhandenes Corporate Design anpassen lassen. Bei Jimdo und Wix ist das möglich, bei WordPress wird es da schon schwieriger: Zwar lassen sich hier die meisten Templates („Themes“) sehr individuell anpassen, das erfordert aber in der Regel schon Grundkenntnisse im Umgang mit Programmiercode.

Schließlich bedarf es noch einer weiteren, in der Regel äußerst knappen Ressource: Etwas Zeit. Denn wer seine Website selbst erstellen möchte, kommt nicht umhin, den Umgang mit einer Art Editor beim Anbieter seiner Wahl zu erlernen. Was in den hübsch gemachten Werbevideos so einfach und intuitiv aussieht, ist in der Praxis speziell für weniger Geübte dann doch nicht ganz so leicht. Etwas Einarbeitung ist schon erforderlich, will man ein gutes und möglichst individuelles Ergebnis erzielen: Ohne Fleiß kein Preis!

Wer bis zu diesem Punkt noch nicht aufgehört hat zu lesen bzw. noch nicht bei einer Agentur angerufen hat, darf sich die Frage stellen, welcher Anbieter denn nun der Richtige ist. Den einzig Wahren gibt es nicht, dazu sind die Angebote dann doch zu unterschiedlich. Es lohnt sich zu vergleichen und dabei auch zu berücksichtigen, dass im Lauf der Zeit die Ansprüche an die eigene Website steigen können.

Die umfangreichsten Möglichkeiten bieten derzeit sicherlich der deutsche Anbieter Jimdo sowie das israelische Unternehmen Wix. Wer mit einfacheren Lösungen liebäugelt, sollte daran denken, dass die Ansprüche an eine Website im Lauf der Zeit wahrscheinlich steigen werden. Deshalb lieber gleich auf einen Anbieter setzen, der von Beginn an sehr umfangreiche Funktionen anbieten kann, auch wenn diese anfangs noch nicht benötigt werden.

Ein weiterer Punkt ist der Preis. Bei den kostenlosen Basisversionen, wie sie viele Anbieter im Programm haben, ist der Funktionsumfang doch recht reduziert. Bei WordPress etwa wird im Basismodell sogar Werbung eingeblendet, für eine Unternehmens-Website ein absolutes No-Go. Bei Wix gibt es zwar keine Werbung, dafür muss man sich um die Domain selbst kümmern. Zudem wird hier eingeblendet, dass die Website mit Wix erstellt wurde. Fazit: Eine ordentliche Website für ein Unternehmen ist mit den kostenlosen Basisversionen nicht zu bekommen, etwas Geld sollte man dafür schon aufbringen.

Unternehmen, die im Web klein anfangen, alles selbst machen und im Lauf der Zeit wachsen wollen, sollten ein Auge auf Wix werfen. Eine Website erstellen ist hier nicht nur relativ einfach, sondern bietet auf lange Sicht den derzeit wohl größten Umfang an Erweiterungsmöglichkeiten aller Anbieter. In Deutschland ist das Unternehmen noch nicht so bekannt, die aktuelle Werbekampagne soll das ändern.

So kann man bei Wix zur eigenen Website u. a. auch ein eigenes Blog einbinden. Dieses lässt sich mit der Kommentarfunktion von Facebook verbinden (alternativ auch die Kommentare von Disqus) und Blogbeiträge können automatisiert auch auf Facebook veröffentlicht werden. Damit ist man schon sehr gut bedient, wenn auch bei Wix hier nicht ganz der Funktionsumfang einer Software wie WordPress erreicht wird. Im konkreten Fall gilt es abzuwägen: Steht die Website und deren Möglichkeiten im Vordergrund, ist Wix mit Sicherheit die flexiblere und umfangreichere Alternative. Geht es primär um das Betreiben eines Blogs, sollte die Wahl eher auf WordPress fallen.

Natürlich kann man mit Wix auch einen Online-Shop realisieren. Pauschale Aussagen darüber, ob das die beste Lösung am Markt ist, wären unseriös: Im Prinzip muss jeder potenzielle Betreiber vorab für sich eine Art Lastenheft erstellen und damit dann Punkt für Punkt verschiedene Anbieter vergleichen. Jimdo kommt da ebenso wieder ins Spiel wie WordPress, wo über das erstaunlich mächtige Plugin „WooCommerce“, ein Online-Shop realisiert werden kann.

So mancher Interessent mag am Ende etwas ratlos vor der Vielfalt an Möglichkeiten stehen. Tatsächlich stehen insbesondere Jimdo, Wix und WordPress gerade in einem erstaunlich intensiven Wettbewerb, bei dem keine Plattform der anderen in Bezug auf Features nachstehen möchte. Zudem gibt es im Web kaum aussagekräftige Artikel mit wirklich guten Vergleichen. Das ist auch kein Wunder: Für einen genauen Vergleich sind die großen Plattformen längst viel zu umfangreich.

Am Ende bleibt die Feststellung, dass man heute eine gut aussehende Website durchaus selbst realisieren kann. Diese muss nicht mehr wie Standard-Ware aussehen, sondern kann sehr gezielt dem persönlichen Corporate Design angepasst werden. Was man allerdings dafür mitbringen sollte: Ein gewisses Gespür für Optik, gutes Bildmaterial und etwas Zeit – auch bei der Auswahl der passenden Software.

Eine Leseempfehlung zum Schluss: Jakob Nielsens berühmt gewordener Artikel aus dem Jahr 1997: „How Users Read on the Web„. Immer noch lesenswert und aktuell, insbesondere für alle, die gerade eine Website neu aufsetzen wollen.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Uwe,

    ich habe den Text nochmals leicht überarbeitet. Alle wichtigen Anbieter sind genannt. Dazu enthält der Text eine persönliche Empfehlung. Ist das verwerflich?

  2. Wer mir immer durch sehr viel Werbung – vorallem bei Podcastern und Youtubern –
    auffällt ist squarespace. Schien mir irgendwie der größte Anbieter in dem Bereich zu sein.

  3. Hallo Marius,

    Squarespace habe ich in meinem Text absichtlich nicht drin: Der Anbieter aus den USA ist zwar tatsächlich eine wichtige Größe, aber eben nur auf dem amerikanischen Markt. So ist die Software nur in englischer Sprache verfügbar und bei Online-Shops gibt es die entscheidende Einschränkung, dass diese als Liefergebiet nur die USA abdecken dürfen. Für deutsche Unternehmen also eher uninteressant.