Instagram Stories: Ein Fall für die Kartellbehörde?

Instagram Stories

Natürlich wird keine Kartellbehörde wegen der neu eingeführten Instagram Stories Ermittlungen anstellen, obschon es angebracht wäre: Facebook greift damit den Konkurrenten Snapchat frontal an – mit einer dreisten Kopie bestimmter Features. Die Folgen zeichnen sich jetzt schon ab.

Die Instagram Stories könnten zu einem großen Erfolg für Instagram bzw. Facebook werden. Schon die ersten Beispiele in meinem Stream zeigten mir, dass da eine (für Instagram) ganz neue Art des Storytelling aufgelegt wurde, die viel spontaner und direkter wirkt als die herkömmlichen Fotos bzw. Videos. Mehr noch: Gleich mehrere Protagonisten, die ansonsten Selfies strikt vermeiden, zeigen sich direkt vor der Kamera und erzählen, was sie gerade erleben. Ich lerne Menschen kennen, von denen ich zuvor nur schöne Fotos gesehen habe!

Die Sache hat nur einen Haken: Das alles gibt es schon lange auf Snapchat. Mit der Übernahme dieser Features auf Instagram hat Facebook das bislang vermutlich dreisteste Social-Media-Plagiat vorgelegt. Auch wenn noch ein paar Feinheiten fehlen, in Sachen Optik und Bedienung liegen die Instagram Stories sehr nahe am Vorbild von Snapchat.

Das Problem dabei ist, dass sich viele Akteure nun überlegen werden, auf welcher Plattform sie weiterhin Content online stellen sollen. Während das in der Vergangenheit mit herkömmlichen Bild- und Textelementen kein Problem war, weil diese leicht auf mehrere Plattformen parallel hochgeladen und publiziert werden konnten, verhält sich das bei den Instagram Stories ganz anders: Diese Inhalte entstehen unmittelbar in der Anwendung und können gar nicht gleichzeitig etwa auch noch auf Snapchat erscheinen. Der Anwender kann den Moment, den er teilen möchte, entweder nur für Instagram oder für Snapchat festhalten!

Die Folgen zeichnen sich jetzt bereits ab: So stellt der Abenteurer, Freerunner unJames Kingston Instagram Storiesd YouTube-Star James Kingston seinem Publikum die (rhetorische) Frage, ob er mit dem Stories-Feature auf Instagram oder auf Snapchat weitermachen soll. Seine Antwort: Es wird vermutlich Instagram sein, weil er hier mehr Publikum hat.

Vor diesem Dilemma stehen jetzt viele Stars und Sternchen der neuen Medien. Bei Facebook weiß man das natürlich ganz genau und zielt darauf ab, möglichst viele von ihnen ins eigene Lager ziehen zu können. Dabei kann Facebook darauf setzen, dass diese bekannten Gesichter ohnehin schon eine Facebook-Seite und meistens auch ein Profil auf Instagram führen. Vermutlich wird es auch nicht lange dauern, bis sich die Instagram Stories ganz oder teilweise auch auf Facebook-Seiten integrieren lassen.

Facebook spielt damit seinen Vorteil als Quasi-Monopolist aus. Wer das nicht glaubt, muss nur mal die Erosionserscheinungen auf der Video-Plattform Vine näher betrachten. Schon seit einiger Zeit lässt sich dort beobachten, dass etliche erfolgreiche Stars wie etwa Logan Paul so gut wie keine neuen Videos mehr einstellen, dafür aber umso aktiver auf Instagram sind. Die Erklärung dafür ist einfach: Instagram bietet seit einiger Zeit neben der Foto-Funktion auch die Möglichkeit, kurze Videos zu präsentieren. Praktischerweise kann beides, also Foto und Video, leicht auch auf einen Account bzw. eine Seite bei Facebook übernommen werden.

Snapchat als Plattform muss deshalb aufpassen, dass nicht nach und nach die reichweiten Stars abwandern bzw. sich immer mehr auf Facebook fokussieren. Das einzige wirksame Gegenmittel dürfte sein, ebenso schamlos bei Facebook und Instagram zu kopieren! Solange nämlich die Kartellbehörden nicht eingreifen, sollte man mit denselben Waffen und derselben Entschlossenheit zurückschlagen. Ansonsten droht uns allen auf längere Sicht ein Social-Media-Monopol in Gestalt von Facebook.