NetApp auf dem Weg zum Plattform-Anbieter

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Das Cloud-Computing ist weltweit auf dem Vormarsch, die Vorbehalte gegenüber Daten aus dem Netz nehmen ab. Dieser an sich positive Trend ist jedoch ein Problem für IT-Anbieter von Speicher- bzw. Server-Lösungen: Ihr Markt wächst kaum noch, der Verdrängungswettbewerb nimmt zu. Das amerikanische Unternehmen NetApp, das in diesem Bereich groß geworden ist, sucht nun mit einer neuen Strategie den Befreiungsschlag.

NetApp als Unternehmen ist in Deutschland nur Eingeweihten ein Begriff. Wer sich hierzulande nicht beruflich mit Speicherlösungen für große Datenmengen befasst, dürfte den Namen noch nie gehört haben. Dabei steht NetApp für eine typische amerikanische Erfolgs-Story aus dem Silicon Valley: 1993 lieferten die drei Gründer ihr erstes Produkt aus und in der Folge entwickelte sich daraus ein Unternehmen mit mehr als 6 Mrd. US-$ Umsatz.

Doch in den letzten Jahren kam der Motor von NetApp etwas ins Stottern, die Umsätze stagnieren seither auf hohem Niveau und im Frühjahr 2016 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen 12 % seiner Belegschaft entlassen muss. Wie konnte es so weit kommen?

Der Trend zum Cloud Computing

Hier macht sich ganz offensichtlich der Trend zum Cloud-Computing bemerkbar: Große Unternehmen nutzen zunehmend die Angebote von Cloud-Providern wie Amazon oder Microsoft und speichern nicht mehr alle Daten im eigenen Rechenzentrum. Dazu kommt noch der Trend zur Software as a Service (SaaS): Immer häufiger wird Software nicht mehr als installierbare Version angeboten, sondern direkt aus der Cloud heraus. Die Marketing- und Vertriebs-Software von Salesforce ist ein Beispiel dafür.

Von dieser Entwicklung ist natürlich nicht nur NetApp betroffen. Andere Anbieter wie EMC, HP, IBM oder HDS stehen mit den entsprechenden Geschäftsfeldern vor der gleichen Problematik: Obwohl der weltweite Bedarf an Speicherlösungen ungebremst weiter wächst – und durch das Internet der Dinge (IoT) in völlig neue Dimensionen katapultiert werden dürfte – kann das klassische Geschäft mit Speichersystemen davon kaum noch profitieren.

David Hitz NetApp

Was also wird NetApp tun? Auf einem Influencer Day in Kirchheim (bei München) am 15.06.2016 stellte NetApp seine neue Strategie vor. Dafür war eigens das Top-Management aus den USA angereist, darunter David Hitz, einer der drei Gründer von NetApp und Executive Vice President sowie Dave Wright, der Gründer von SolidFire, dessen Unternehmen jüngst von NetApp übernommen worden war.

NetApp als Plattform-Unternehmen

Das Motto für die Zukunft von NetApp lautet: „We protect and manage the world’s data.“ Dahinter steht ein Konzept, mittels dessen das Unternehmen künftig zwar weiterhin Hardware (Speichersysteme) verkaufen möchte, daneben aber auch Beratungsleistungen und Software für ein umfassendes Daten-Management und die Daten-Migration anbieten wird. NetApp will zum Plattform-Unternehmen werden, das nicht nur einzelne Teile liefern, sondern eine Gesamtperspektive vermitteln kann.

Damit will damit davon profitieren, dass der Markt für Speicherlösungen immer komplexer und vielfältiger wird. Denn wenn es hier immer mehr Optionen gibt, wächst der Bedarf an Beratung, um den unternehmensindividuell bestmöglichen Mix aus klassischen, unternehmenseigenen Speicherlösungen und den Cloud-Angeboten (Private, Public, Hybrid) realisieren zu können. Gleichzeitig müssen die unterschiedlichen Systeme untereinander kompatibel gemacht werden, um starre Silo-Lösungen zu vermeiden.

Parallel dazu geht man bei NetApp mit der Akquisition von SolidFire eine Wette auf die Zukunft ein: SolidFire ist bekanntlich ein Anbieter von Speicherlösungen auf der Basis von Flash (wie man sie in jedem Smartphone und Tablet findet). Diese Technologie erlaubt extrem schnelle Datenzugriffe, ist im großen Maßstab aber noch sehr teuer. Erwartet wird im Grunde, dass die Preise für Flash-Speicher in den nächsten Jahren deutlich fallen werden, so dass damit Angebote für unternehmenseigene Speicher-Lösungen sowie die Private Cloud wieder deutlich attraktiver als die Cloud-Angebote von Amazon & Co. werden.

Bei NetApp bleibt man damit dem ursprünglichen Kerngeschäft treu, richtet gleichzeitig aber den Blick auf das sich rasch verändernde Umfeld. Eine große Gefahr bleibt allerdings: Exponentiell steigende Datenmengen und die Anforderungen an Data-Mining bzw. Big Data könnten die Cloud immer wichtiger machen. Schon bald könnten Unternehmen gar nicht mehr vor Wahl stehen, ob sie Cloud-Dienste nutzen wollen, sondern gezwungen sein, diese in Anspruch zu nehmen.

Die Cloud als Chance und Risiko

Das Management von NetApp sollte deshalb sehr genau beobachten, was etwa Anbieter wie Amazon oder jüngst auch Google bei ihren Cloud-Angeboten liefern können: Der Trend geht hier über das reine Speichern von Daten hinaus in Richtung Datenanalyse (von sehr großen Datenmengen) in Echtzeit. Auch der Bereich Software as a Service dürfte weiter wachsen und damit jedem Unternehmen, das solche Dienste nutzt, die Frage abnehmen, wo und wie die dabei anfallenden Daten gespeichert werden.

Und noch ein Risiko: Cloud-Anbieter wie Amazon, Google und Microsoft haben durchweg ein sehr hohes Interesse daran, mit diesem Geschäftsfeld Geld zu verdienen. Für Amazon und Google verringert es die Abhängigkeit vom sehr einseitigen Kerngeschäft, bei Microsoft ist es geradezu eine Frage des Überlebens, neue und lukrative Geschäftsfelder zu entwickeln.

Bei NetApp dürfte deshalb der Kauf von SolidFire nicht die letzte Übernahme gewesen sein, sondern eher eine Art Auftakt, um künftig schneller in neue Bereiche hinein wachsen zu können. Die neue Strategie ist ohne Zweifel gut. Jetzt muss sie nur noch konsequent umgesetzt werden.