Qualitätssiegel für Blogs: Zertifizierung als Wettbewerbsvorteil?

Qualitätssiegel Zertifizierung Blogs

Ratings und Qualitätssiegel sind aus dem modernen Wirtschaftsleben nicht mehr wegzudenken. Sie vermitteln Orientierung auf unübersichtlichen Märkten, etwa bei Online-Shops. Doch macht eine Zertifizierung auch für Blogger Sinn? Grundsätzlich kann auch ein Blog zertifiziert werden und so ein Qualitätssiegel erhalten.

Der bekannte Ausdruck „Made in Germany“ stellt eines der ältesten Qualitätssiegel neuerer Zeit dar, das ursprünglich eine ganz andere Wirkung entfalten sollte: Im Großbritannien des ausgehenden 19. Jahrhunderts sollten so Produkte aus dem Ausland auf Anhieb als solche erkenntlich werden, auf dass die Kunden heimischen Waren den Vorzug geben konnten.

Weil den Briten aber Produkte aus Deutschland als qualitativ hochwertig bekannt waren, konnten sie diese anhand der Kennzeichnung leichter als vorher identifizieren – und kauften mehr davon. Das Label „Made in Germany“ verschaffte vielen Produkten so einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Das Prinzip dahinter gilt bis heute für Gütesiegel, Zertifizierungen und Ratings aller Art.

Zertifizierung auch für Blogs?

Doch kann dieser Ansatz auch auf Publikationen im Web übertragen werden? Sollten sich Blogger zertifizieren lassen? Die dabei entscheidende Frage ist: Geht das überhaupt?

Was auf den ersten Blick ungewohnt klingt, ist in der Praxis gar nicht so weit her geholt: Einen Ansatzpunkt bilden etwa die Qualitätsnormen nach DIN EN ISO 9001. Diese sind für Unternehmen aller Branchen anwendbar und zielen auf das Qualitätsmanagement der betrieblichen Abläufe. Dabei werden Anforderungen von Kunden sowie die Einhaltung von Qualitätsstandards bei Produkten bzw. Dienstleistungen berücksichtigt.

Denkbar ist also, dass ein Blogger sich dahingehend zertifizieren lässt, dass er bestimmte Standards und Regeln einhält, etwa den Verzicht auf Schleichwerbung. Für kommerziell orientierte Blogs, bei denen Kaufempfehlungen einen wesentlichen Teil der Inhalte ausmachen, könnte ein Qualitätssiegel also durchaus Sinn machen.

Das gilt nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass erfolgreiche YouTuber es an dieser Stelle nicht so genau nehmen: Bianca Heinicke, Sami Slimani oder auch Dagi Bee sind bekannt dafür, dass sie „Werbung in Dauerschleife“ produzieren, wie es die Journalistin Nora Burgard-Arp bei Meedia schön auf den Punkt gebracht hat: Denn welche der Produktempfehlungen in den Videos reine Produktplatzierungen sind und was die jungen Medienstars tatsächlich selbst entdeckt und für gut befunden haben, ist in aller Regel nicht zu unterscheiden.

Qualitätssiegel kritisch betrachtet

Auf der anderen Seite müssen natürlich auch Ratings und Qualitätssiegel kritisch hinterfragt werden. Ein Problem etwa stellt ihre große Menge und Vielschichtigkeit dar: Kaum ein Hersteller will darauf heute noch verzichten, nicht zuletzt im sensiblen Bereich der Lebensmittel.

Zertifizierung für Blogger

Die Folge ist eine verwirrende Vielfalt an Prädikaten und Kennzeichnungen, bei denen die Verbraucher keine Chance mehr auf Durchblick haben. Was im Prinzip gut gemeint ist, führt sich selbst ad absurdum, weil schwarze Schafe mit Pseudo-Zertifikaten munter mitmischen können.

Demgegenüber haben die Qualitätsnormen nach DIN EN ISO 9001 den Vorteil, dass sie international etabliert und vereinheitlicht sind. Bei ihnen ist ein Mindeststandard also gewährleistet, das Leistungsversprechen ehrlich verdient. Wer als Blogger seinen Leistungsstandard sichtbar machen bzw. öffentlich dokumentieren möchte, kann sich daran orientieren. Ein möglicher Anbieter ist bmtrada.de, ein internationaler Anbieter von Zertifizierungen aller Art mit Sitz in Stuttgart.

Bleibt noch die Frage nach den Kosten, denn eine Zertifizierung gibt es natürlich nicht umsonst. Kosten entstehen für die Erst-Zertifizierung, die laufende Überwachung und Re-Zertifizierungen. Mehrere Tausend Euro kommen so schnell zusammen.

Die Konsumgüterindustrie ist das Problem

Damit zeigt sich ein Dilemma: Sehr viele Blogger in Deutschland werden solche Beträge nicht aufbringen können, so interessant eine Zertifizierung auch sein mag. Die sehr gut verdienenden YouTuber hingegen interessieren sich nicht für Qualitätssiegel, obschon sie die Kosten dafür locker aus ihrer Portokasse bezahlen könnten.

Vielleicht sollten deshalb Anbieter von Qualitätssiegeln und Zertifizierungen weniger Blogger und andere Medienschaffende ins Visier nehmen, als vielmehr die Konsumgüterindustrie: Dort sitzt das eigentliche Problem, weil viele Unternehmen von kostenlosen Produktproben bis hin zu bezahlten Produktplatzierungen so ziemlich alles praktizieren und unterstützen, was am Ende nicht wie Werbung aussieht.