Unser zunehmend digitales Leben

Facebook Oculus

Immer mehr Bereiche unseres Lebens werden von der Digitalisierung erfasst, gerade so als sei das eine zwingende Notwendigkeit mit ausschließlich positiven Folgen. Doch obschon die langfristigen Folgen dieser Entwicklung noch gar nicht absehbar sind, steht uns mit dem Internet der Dinge schon die nächste große Digitalisierungs-Welle ins Haus. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, ein paar „analoge Refugien“ zu pflegen und zu bewahren.

Erinnern Sie sich noch an Second Life? Die dreidimensionale Wunderwelt sollte einmal eine Art „digitales Zuhause“ werden, an dem jeder Bewohner konkret mitwirken konnte. Doch was vor mehr als 10 Jahren geradezu avantgardistisch anmutete, wird heute nur noch milde belächelt. Nur noch rund 1 Mio. aktive Nutzer verzeichnet Second Life aktuell pro Monat (zum Vergleich: Facebook meldet 1,44 Mrd. aktive Nutzer für den März 2015).

Der Entwicklungspfad der Digitalisierung nahm also eine etwas andere Richtung als sich die Erfinder von Second Life dachten: Das Digitale ist heute weniger eine Parallelwelt, in die man von Zeit zu Zeit eintauchen kann, sondern im Kern vielmehr eine Art „zweite Haut“, die uns ständig umgibt und uns überall hin begleiten möchte.

Der unaufhaltsame Entwicklungspfad der Digitalisierung

Diese Feststellung ist nicht trivial, denn lange Zeit war das anders. Digitalisierung als Begriff meinte im 20. Jahrhundert eigentlich nur den Transfer von vormals analog medialen Vorgängen in die digitale Sphäre. Texte wurden demnach nicht mehr von Hand oder per Schreibmaschine zu Papier gebracht, sondern mittels eines Computers und einer Textverarbeitung zu digitalen Dokumenten.

Das frühe Internet schuf dazu ein weltweites Netzwerk, über das digitale Dokumente ausgetauscht werden konnten. Webseiten sind nichts anderes als Ansammlungen solcher digitaler Dokumente, die neben Text auch Fotos, Audio-Dateien und Bewegtbilder beinhalten können. Second Life war diesem Sinne nur die logische Weiterentwicklung in die Dreidimensionalität.

Sogar Facebook war in seinen Anfängen ab 2005 zunächst nichts weiter als eine große Menge relativ statischer und textlastiger Profilseiten. Doch neben diese digitale Welt voller medialer Inhalte hatte sich eine zweite geschoben: Mit Plattformen wie eBay und Amazon wurde das Online-Shopping populär, die Digitalisierung konnte also deutlich mehr leisten als nur mediale Inhalte abzubilden.

Schließlich gesellte sich dazu noch die Dimension der Mobilität. Geräte wie das iPhone von Apple wiesen den Weg zu neuen digitalen Erfahrungen, bei denen nicht nur die Darstellung von (altbekannten) Inhalten auf verhältnismäßig kleinen und mobilen Endgeräten das Ziel war, sondern Informationen und Interaktionsmöglichkeiten auch ortsabhängig und kontextbasiert realisiert werden konnten.

Damit war und ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der letzte Aspekt menschlichen Lebens in irgendeiner Form digital erfasst, transformiert und vermarktet wird: Was PCs und Smartphones allein nicht leisten können, schaffen Peripherie-Geräte wie Smartwatches, Fitness-Clips und Datenbrillen – und in naher Zukunft auch des Deutschen liebstes Kind, das Auto.

Digitale Schattenwelten hinter unserem Rücken

Das alles wäre nicht weiter schlimm, wenn damit nicht eine sehr unangenehme Begleiterscheinung verbunden wäre. Alles Digitale kann praktisch endlos gespeichert werden und folglich werden auch alle digital getätigten Transaktionen bis hin zu unseren trivialsten Handlungen registriert und gesammelt.

Bezeichnend ist nur, dass in den meisten Fällen der Verursacher bzw. der Nutzer dieser digitalen Datensammlungen selbst am wenigsten davon sieht oder erfährt. Hinter unserem Rücken werden diese angelegt und ausgewertet, laufend ergänzt und weiter verkauft.

Was Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon alles über uns wissen, lässt sich bestenfalls erahnen. Und es sind nicht nur die bekannten, großen Adressen: Viele harmlos daherkommende Apps für Smartphones oder Tablets sammeln ebenfalls fleissig Daten (meistens ersichtlich an den vielen unnötigen Zugriffsrechten). Die Betreiber dieser Apps nutzen die so gewonnenen Daten aber nicht selbst, sondern verkaufen diese in der Regel an spezialisierte Unternehmen weiter, so dass davon ausgegangen werden kann, dass in den Datenbanken diverser Unternehmen sehr viel mehr Wissen über uns gespeichert ist, als uns recht sein kann.

Von den Geheimdiensten, die sich gerne und ausgiebig am Datensammeln beteiligen, soll hier gar nicht die Rede sein. Wichtig wäre eine Regulierung all dieser Schattenwelten, Vorschläge dazu gibt es längst. Doch so lange die Politik sich damit schwer tut, oder gar in die entgegengesetzte Richtung marschiert (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung), müssen wir selbst aktiv werden.

Analoge Refugien pflegen

Ein wichtiger Schritt dazu wäre, nicht alles ungefragt und vollständig dem Trend der Digitalisierung zu unterwerfen. Damit soll hier aber keine Abstinenz gepredigt werden, sondern vielmehr ein gepflegtes „sowohl als auch“.

Online-Shopping ist OK, doch sollte darüber der Einkauf im stationären Handel nicht völlig vergessen werden. Bücher können sowohl in gedruckter Form als auch als E-Book gelesen werden. Wer beides tut, macht es den Datensammlern schwerer, eindeutige und sinnvolle Nutzungsprofile zu erstellen.

Wer zum Zeitvertreib gelegentlich das Glücksspiel sucht, wird nicht immer und überall eine Spielbank in der Nähe haben, so dass Online Casino Spiele ihre Berechtigung haben: Einen guten Überblick zu Online-Glücksspielen gibt es hier. Ganz nach der Devise des „sowohl als auch“ sollen aber die klassischen (deutschen) Spielbanken nicht im Abseits landen. Mehr Informationen findet man auf spielbank.com.de.

Doch es gibt auch Bereiche, wo Analoges und Digitales nicht mehr so einfach zu unterscheiden bzw. sauber zu trennen sind. Etwa beim Umgang mit Smartphones. In der Regel führen wir diese Geräte ständig mit uns. Selbst wenn wir sie gar nicht nutzen, wird mit ihrer Hilfe ein fast schon auf den Meter genaues Bewegungsprofil erstellt, dem wir kaum entrinnen können. Aktuell macht gerade der „harmlose“ Facebook Messenger Schlagzeilen, weil er unser Bewegungsprofil aufzeichnet und an Facebook schickt.

Um so wichtiger sind deshalb analoge Refugien wie etwa die Möglichkeit der Bezahlung mit Bargeld, obschon es hier längst Tendenzen zur Abschaffung desselben gibt. Auf unser Recht zur Barzahlung sollten wir im Geschäftsverkehr Wert legen, zumindest so lange, bis auch in diesem Bereich ein eindeutiger und klarer Datenschutz realisiert ist. Oder finden Sie es gut, wenn Unternehmen wie Apple oder Google auch noch jeden einzelnen unserer Bezahlvorgänge nachvollziehen und endlos lange speichern dürfen?

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Entscheidend bleibt letztlich eine „bewusste Mischung“ digitaler und analoger Vorgänge, obschon sich diese Empfehlung leichter aussprechen als realisieren lässt, angesichts einer immer subtiler werdenden Digitalisierung.

Überleben oder Untergang unserer Privatsphäre

Schließlich steht nichts weniger als die Überlebensfrage unserer Privatsphäre im Raum. Denn diese kommt ganz einfach an ihr Ende, solange immer weitere Lebensbereiche von der Digitalisierung erfasst und der Daten- und Persönlichkeitsschutz nicht vom Kopf auf die Füsse gestellt wird.

Ein zentrales Element einer künftigen, digital orientierten Privatsphäre ist das Recht auf Vergessenwerden. Bekanntlich hat der Europäische Gerichtshof 2014 in einer Klage gegen Google entschieden, dass bestimmte Einträge bzw. Verlinkungen auf Aufforderung gelöscht werden müssen. Im Detail mag man das Urteil kritisieren, sein Prinzip jedoch stellt einen wichtigen Eckpfeiler für das Zeitalter der Digitalisierung dar.

Darüber hinaus sollten uns Nutzern alle Informationen zugänglich sein, die im Wege des digitalen Datenverkehrs über uns erhoben bzw. gespeichert werden. Diese Forderung greift weit über das hinaus, was mit dem Recht auf Vergessenwerden in Ansätzen realisiert wurde und dürfte von den Unternehmen der digitalen Wirtschaft massiv bekämpft werden.

Dennoch muss eine „User First Policy“ zu einem weltweit verbindlichen Standard werden, so dass jeder Nutzer digitaler Medien und Geräte einen Überblick darüber gewinnt, was über ihn gespeichert wird und er sein Verhalten entsprechend anpassen kann. Eine Überlegung in genau diese Richtung stellt die Dowse Box dar, bei der eine Schnittstelle zwischen Geräten und dem Internet geschaffen wird, mittels derer man sehen kann, welcher Drittanbieter auf welche Daten zugreifen möchte.

Zu Ende gedacht muss die vollständige Datenhoheit künftig beim Nutzer liegen, so dass er selbst Zugang dazu gewähren oder in Teilen seine Daten auch verkaufen kann. In diesem Sinn spricht nichts gegen das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Facebook. Jedoch darf künftig nicht „hinter dem Rücken“ der Nutzer ein Geschäft mit dessen Daten aufgezogen werden. Vielmehr müssen die Spielregeln transparent sein und jeder die Möglichkeit haben, einzuwilligen oder davon Abstand zu nehmen.

Erforderlich ist also nichts weniger als eine „digitale Aufklärung“ und einmal mehr könnte diese von Europa ausgehen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. „Das Digitale ist heute weniger eine Parallelwelt, in die man von Zeit zu Zeit eintauchen kann“ – dem würde ich energisch widersprechen 🙂 Es stimmt natürlich, dass sich das Digitale immer nahtloser in unseren Alltag einfügt aber gerade die digitalen Fantasie-Parallelwelten, in die sich die Menschen kurz oder auch länger flüchten werde immer mehr. Es gibt inzwischen so viele Online-Spieler wie noch nie, aus Subkultur wurde verbreitete Game-Kultur und der Umsatz dieser Industrie hat z.B. die Kino-Branche weit hinter sich gelassen. Den Hype um SecondLife oder 3D-Shops habe ich nie verstanden, kenne heute aber kaum noch jemand, der nicht in der Freizeit in 2D oder 3D zum Elf, Magier, Soldat, Feldherr, Landwirt, Baggerfahrer oder Papa Schlumpf wird 🙂 Das Durchdringung und Parallelwelten kein Widerspruch sind, sondern sich sogar befeuern können, sieht man auch schön an VR-Apps und Ideen wie Ingress, Geo Caching oder Zombies, Run!