Bitcoin: Die Zukunft des Geldes oder Geld ohne Zukunft?

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Was wird eigentlich aus Bitcoin? Die neuartige Währung hat in den letzten Jahren mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, konnte sich aber bis heute nicht auf breiter Front durchsetzen. Woran liegt es, dass Bitcoin nach wie vor ein Nischenphänomen ist?

„Die Deutsche Bundesbank akzeptiert Bitcoin“, titelte Anfang April 2015 leicht ironisch das Fachmedium The Coinspondent unter Anspielung auf die Tatsache, dass die Bundesbank die Kryptowährung erstmals in einer ihrer Publikationen erwähnt hatte. In eben dieser Veröffentlichung über das Zahlungsverhalten in Deutschland konnte man nachlesen, dass im Jahr 2014 nur 28 % der Teilnehmer an einer Befragung durch die Bundesbank Bitcoin überhaupt kannten und davon wiederum nur 2 % Bitcoins besaßen.

Richtiges Geld oder nicht: Was ist Bitcoin?

Geld wie wir es heute kennen ist eine streng reglementierte Angelegenheit. Die Staaten dieser Welt haben sich nämlich das Privileg vorbehalten, Währungen zu schaffen und in der Folge Geld in Umlauf zu bringen. Doch nicht immer gelingt es einer Regierung, die volle Hoheit über das Geld in ihrem Lande zu behalten.

Dazu muss man nur an die Zeit vor der deutschen Einheit denken, als es zwei Währungen in Deutschland gab: Die harte D-Mark im Westen und die Ost-Mark in der DDR. Während im Westen nur mit D-Mark bezahlt wurde, waren im Osten praktisch beide deutsche Währungen im Umlauf. Mit D-Mark konnte man dort so manches kaufen, was mit der offiziellen Ost-Mark nicht zu erhalten war.

Das Phänomen der Parallelwährung gibt es auch heute noch. Meist wird in Ländern mit schwacher Währung parallel mit dem US-Dollar, gelegentlich auch mit dem Euro bezahlt. Die betroffenen Regierungen sind hier relativ machtlos, denn entscheidend ist das Vertrauen der Bürger.

Neu hingegen ist das Konzept der Kryptowährung, die nicht von einem Staat bzw. einer Nationalbank herausgegeben wird. Die Idee dazu kam schon in den 1990er Jahren auf, doch erst 2008 wurde Bitcoin als digitale Geldeinheit entworfen und ein Jahr später realisiert.

Dass Bitcoin nicht nur ein Gedankenspiel blieb, sondern zur ersten weltweit anerkannten Kryptowährung mit funktionierenden Zahlungsmechanismen aufsteigen konnte, ist an sich schon ein Phänomen. Diesen Erfolg verdankt Bitcoin vermutlich der Tatsache, dass hinter dem innovativen Zahlungsnetzwerk nicht nicht eine einzelne Person oder Interessengruppe steht, sondern ein offenes, dezentrales Netzwerk und eine Software, die dem Open-Source-Gedanken verpflichtet ist.

Mehr Spekulationsobjekt als Zahlungsmittel

Doch so offen sich Bitcoin gibt, so kompliziert ist im Kern das virtuelle Geld. Selbst gestandene Banker können viele Facetten von Bitcoin nicht erklären, weil sie die komplexe Software nicht gut genug verstehen.

Das mag einer der Gründe dafür sein, warum Bitcoin nicht so recht aus seiner Nische heraus kommt: Weil das Konzept der Kryptowährung schwer verständlich ist, fehlt es noch an praktischen Anwendungen und damit an Beispielen für Bitcoin als Zahlungsmittel. Als Folge daraus stehen in der medialen Berichterstattung immer wieder nur die teilweise heftigen Kursschwankungen in Relation etwa zum US-$ im Vordergrund.

Damit aber gerät Bitcoin in eine missliche Lage, denn ein vertrauenswürdiges Zahlungsmittel, das für Transaktionen und die Fristentransformation (Wertaufbewahrung) eingesetzt werden will, sollte unter keinen Umständen im Ruf eines Spekulationsobjektes stehen!

Praktische Anwendungsfälle gesucht

In dieser Situation können nur mehr praktische Anwendungsmöglichkeiten helfen. Die Verbraucher müssen Bitcoin als Zahlungsmittel konkret einsetzen und praktische Erfahrungen damit sammeln können.

Darüber hinaus muss sich das neue Geld im Alltag als nützlich erweisen und dabei möglichst besser abschneiden als traditionelle Währungen. Transaktionen in Bitcoin müssen als schnell, sicher und kostengünstig erfahrbar sein.

Als hilfreich könnte sich erweisen, wenn nicht nur vereinzelte Akteure Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierten, sondern möglichst ganze Branchen geschlossen einen neuen Standard setzten. Gut dafür geeignet sind solche, in denen ohnehin schon mehrheitlich online bezahlt wird und Bargeld keine Rolle mehr spielt.

Online-Casino-Anbieter als Vorreiter?

Ein ideales Einsatzgebiet stellt die Online-Glücksspiel- bzw. Casino-Branche dar. Denn hier werden alle Zahlungsvorgänge ohnehin schon online abgewickelt. Zudem sind viele Anbieter wahre Meister in der Anwendung unterschiedlicher Bezahl-Plattformen: Kaum irgendwo sonst im Web hat man so viel Auswahl beim Geld-Transfer. Bei 32red beispielsweise sind es heute schon fast ein Dutzend verschiedener Dienste.

Der entscheidende Vorteil jedoch, den die Online-Casino-Branche Bitcoin zu bieten hat, ist die Tatsache, dass sie mit einem überwiegend jungen und internetaffinen Publikum aufwarten kann. Für Bitcoin könnte dies den entscheidenden Sprung über das angestammte Nerd- und Fachpublikum hinaus bedeuten.

Tatsächlich finden in der Online-Casino-Branche bereits die ersten Gehversuche mit Bitcoin-Zahlungen statt. Einen Überblick zu Bitcoin-Casinos gibt es bei bitcoincasino.best. Allerdings sind diese vorerst nur im sog. „Offshore-Bereich“ zu finden und damit für europäische Spieler auf nicht-legalem Boden.

Große Anbieter dieser Branche zögern noch, weil sie auf die Zustimmung ihrer Regulierungsbehörden warten. Diese wiederum fürchten offenbar, dass eine Zustimmung zum Einsatz von Bitcoin das staatliche Währungsmonopol aushöhlen könnte. Diese Gefahr dürfte derzeit freilich gering sein, gemessen am tatsächlichen Transaktionsvolumen in Bitcoin.

Immerhin stehen diverse Dienstleister bzw. Startups schon in den Startlöchern, um Transaktionen rund um Bitcoin zu vereinfachen. Zum Beispiel Cubits, einer Art elektronische Tausch- und Geldbörse. Mit ihr wird Geld in heimischer Währung einbezahlt, das dann von Cubits in Bitcoin getauscht wird. Anschließend kann man mit Bitcoin bezahlen oder auch Zahlungen entgegen nehmen. Am Ende tauscht man sein Geld ganz oder teilweise wieder in die eigene Währung zurück. Cubits ist ein Startup mit Firmensitzen in London und Berlin.

Was auf alle Fällt bleibt: Die Blockchain

So beindruckend Bitcoin letztlich sein mag und so praktisch sich Anwendungen wie das elektronische Wallet von Cubits zeigen, insgesamt stellt sich doch die Frage, wo und warum eine Parallelwährung wie Bitcoin überhaupt gebraucht wird.

Solange wichtige Währungen wie der US-$, der Euro, das britische Pfund oder auch der Schweizer Franken das Vertrauen der Anleger und der Finanzwelt genießen, dürften es Kryptowährungen wie Bitcoin schwer haben.

Doch einen Aspekt haben diese dem „alten Geld“ voraus. Sie basieren auf einer Innovation namens „Blockchain„. Damit ist, vereinfacht ausgedrückt, die Dokumentation von Zahlungsvorgängen im dezentral verteilten Netzwerk gemeint, mit der diese verifiziert werden und eine Manipulierbarkeit ausgeschlossen wird.

Solchermaßen verifizierte und nicht manipulierbare Transaktionsdaten lassen sich sehr viel umfassender nutzen, als dies mit herkömmlichen Zahlungsformen und dem „alten Geld“ möglich ist. Etwa indem diese mit konkreten Vertragshandlungen verknüpft werden, so dass Zug-um-Zug-Geschäfte ebenfalls sehr sicher werden. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass wer nicht bezahlt, einfach seine Gegenleistung nicht erhält.

Eine aufwendige Überwachung bzw. ein Mahn- oder Inkasso-Wesen werden damit so gut wie überflüssig. Rund um die Idee der Blockchain sind bereits eine Reihe von Startups entstanden, die dieses Konzept für ein breites Spektrum von Anwendungsszenarien öffnen möchten. Dieser Bereich wird ohne Zweifel seinen Weg nehmen, ganz unabhängig davon ob Bitcoin zum Erfolg wird oder scheitert.

Mehr Akzeptanz für Bitcoin

Am Ende steht also die Erkenntnis, dass Bitcoin zum langfristigen Erfolg sehr viel mehr Akzeptanz benötigt und dafür auch über den Kreis der Early-Adopter und Technik-Enthusiasten hinaus Fuß fassen muss. Wenn es nicht bald gelingt, Bitcoin in diesem Sinne auf eine breitere Basis zu stellen, wird diese Innovation ihren Ruf als Spekulationsobjekt wahrscheinlich nicht mehr los. Damit aber wäre der Weg zum Zahlungsmittel der Zukunft leider verbaut.

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