Social Media ist wie ein Marathon (und kein kurzer Sprint)

Social Media Marathon

Social Media praktizieren heute ja fast alle Unternehmen bzw. Organisationen. Schaut man jedoch genauer hin, fallen einem erstaunlich viele verwaiste Präsenzen ins Auge: Seien es Blogs oder Facebook-Seiten, Twitter-Accounts oder Kanäle auf YouTube. Was einmal mit Elan begonnen wurde, findet oft ein abruptes Ende. Kann es sein, dass die Betreiber Social Media wie einen kurzen Sprint aufgefasst haben und nicht als eine Art Marathon?

Ein wichtiges Wesensmerkmal von Social Media ist ihr auf Langfristigkeit angelegter Charakter. Das mag mancher Leser vielleicht für eine Binsenweisheit oder Banalität halten. Mir scheint jedoch, dass einigen Unternehmen, wenn sie sich auf Social Media einlassen, dieser Umstand nicht so recht bewusst ist.

Ein Grund dafür mag darin liegen, dass Berater oder Agenturen, die gerade ein neues Mandat akquirieren, ihren neuen Kunden nur ungern so ganz direkt darauf hinweisen wollen, dass ein Blog oder eine Facebook-Seite nicht nur für eine Saison, sondern auf viele Jahre hinaus bespielt werden muss.

Die Unternehmen wiederum, die sich gerade für den Einsatz von Social Media entschieden haben, unterschätzen möglicherweise den Aufwand, der dauerhaft betrieben werden muss, um einen oder mehrere solcher Kanäle erfolgreich zu führen.

Das dürfte insbesondere auf kleinere Unternehmen zutreffen. Denn bei ihnen schlägt der Aufwand auf die meist ohnehin knappe Personaldecke besonders deutlich durch. Wo Mittelständler und Konzerne problemlos eine oder gar mehrere neue Stellen schaffen können, müssen kleine Unternehmen den Mehraufwand, der mit Social Media einhergeht, meist ohne personelle Verstärkung stemmen.

Allenfalls der Berater oder die Agentur mögen die Last partiell abfangen. Doch selbst wenn einem Unternehmen kräftig unter die Arme gegriffen wird, es bleibt dennoch reichlich Arbeit (und vor allem viele Entscheidungen!) am Unternehmen selbst hängen.

Was tun in dieser Situation?

  1. Nicht zu früh die Geduld verlieren. Wer schon nach wenigen Wochen oder Monaten wieder aufgibt, hat gar nicht erst richtig angefangen. Es ist wie beim Sport: Ohne Training über einen gewissen Zeitraum stellen sich keine Ergebnisse ein.
  2. Lernkurveneffekte einplanen. Die Lern- bzw. Erfahrungskurve besagt, dass im Zeitablauf der für ein bestimmtes Ergebnis aufzubringende Aufwand abnimmt. Das jetzt jedoch eine gewisse Regelmässigkeit voraus: Wer etwa ein Blog führen möchte, sollte auch in festen zeitlichen Abständen Artikel schreiben.
  3. Nicht zu schnell den Erfolg beim Publikum erwarten. Übertriebene Erwartungen in der Anfangsphase sind ein typischer Motivationskiller. Dabei sind gerade die Anfänge meist eher holprig. Man sollte sich eine Phase des Übens gönnen und gelassen bleiben. Der Erfolg kommt, wenn man ihn nicht erwartet.
  4. Falsche Vorbilder meiden. Vorbilder und Leistungsvergleiche sind im Prinzip eine gute Sache. Nur sollte man sich nicht mit denen messen, die Social Media schon seit Jahren mit großem Erfolg betreiben: Der Vergleich zwischen Anfänger und Profi ist unrealistisch und kann demotivieren.
  5. Sensibel für Fehler sein und sich korrigieren (lassen). Die meisten Fehler werden am Anfang gemacht und Einiges davon kann langfristig den Erfolg verhindern. Es muss also laufend korrigiert und verbessert werden. Feedback ist in dieser Phase besonders wichtig.

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass man Social Media wie einen Marathonlauf sehen muss. Es braucht einen langen Atem, viel Zeit und die entsprechende Kondition. Social Media ist kein kurzer Sprint. Das Positive an dieser Sichtweise ist die Tatsache, dass man sich die erforderliche Kondition antrainieren kann.

Schön sichtbar wird das übrigens bei Instagram: Fast alle Mitglieder, die dort regelmässig gut gelungene Fotos einstellen (und viele Likes dafür erhalten), haben bescheiden angefangen. Dazu muss man nur mal einzelne Accounts aufrufen und dort bis zum Anfang zurück scrollen. Oft springt es einem direkt ins Auge, wie die Bilder über die Zeit hinweg immer besser werden. Übung macht den Meister und mit Übung schafft man auch einen Marathon.