Volkswagen unter Strom: Der e-up! soll die Elektromobilität voranbringen

Volkswagen e-up!

In Deutschland bilden Elektroautos bislang eine winzige Nische im Fahrzeugmarkt. Volkswagen möchte das ändern und bringt dazu jetzt den e-up! auf den Markt. Mit ihm wird das elektrische Autofahren zum bezahlbaren Luxus für ein breites Publikum. Kann das die Wende zugunsten der Elektromobilität bringen?

Der e-up! ist auf den ersten Blick ein typischer Volkswagen: Äußerlich ein ganz normaler Kleinwagen, der sich von den anderen Artgenossen der immer größer werdenden up-Familie kaum unterscheidet. Dieser Eindruck jedoch ändert sich, sobald man im Fahrzeug sitzt und den Schlüssel im Zündschloss umdreht: Es passiert – nichts. Nur ein kurzes Tonsignal deutet an, dass der Motor jetzt läuft. Gibt man Gas, rollt der Wagen laut- und mühelos an.

Sobald der e-up! einmal fährt, hat das Auto nichts mehr von einem Kleinwagen an sich. Denn er fährt sich mit der für Elektrofahrzeuge charakteristischen Leichtigkeit. Er kann aus jeder Situation heraus ein hohes Drehmoment zur Verfügung stellen und sein Motor arbeitet dabei ungewohnt still und scheinbar anstrengungslos. Nur Abroll- und Windgeräusche sind zu vernehmen. Das schafft in diesem kleinen Fahrzeug ein umwerfendes Fahrgefühl. Leise und souverän schwimmt man mit dem e-up! im Verkehr mit, wie das sonst nur Autos mit Sechs- oder Achtzylindermotoren bieten können.

Eine weitere Überraschung stellt die Tatsache dar, dass man beim Innen- und Kofferraum keine Kompromisse machen muss. Die Akkus sind so intelligent im Wagenboden zwischen den Achsen untergebracht, dass man davon gar nichts merkt. Auch das Kofferraumvolumen ist praktisch unverändert.

Volkswagen e-up Antrieb

Davon durfte ich mich selbst überzeugen, denn Volkswagen hat mich freundlicherweise nach Hannover zu einer Fahrzeugpräsentation einiger neuer up-Modelle eingeladen. Dabei konnte ich neben dem e-up! auch den konventionell motorisierten cross-up! fahren und so beide Antriebsarten im gleichen Fahrzeug direkt vergleichen.

Natürlich haben Elektroautos noch ihre Nachteile und der Volkswagen e-up! bildet davon keine Ausnahme: Da wären zum einen der Preis und zum anderen die Reichweite. Der e-up! kostet in Deutschland 26.900,- Euro (bei einer immerhin sehr guten Serienausstattung) und erzielt mit voll geladenen Akkus eine maximale Reichweite von 160 Kilometern.

Die Sinnfrage: Jetzt schon auf Elektrofahrzeuge umsteigen?

Der Elektromobilität gehört ohne Zweifel die Zukunft. Ausschlaggebend dafür werden nicht nur Umweltaspekte sein, sondern auch ein sich änderndes Verhalten in Bezug auf Mobilität: Wo heute noch das eigene Auto für alles herhalten muss, vom Pendeln zum Arbeitsplatz bis zu langen Urlaubsfahrten, wird man künftig für unterschiedliche Einsatzzwecke eher auf unterschiedliche Mobilitätskonzepte zurückgreifen.

In diesem Sinne darf das Elektroauto nicht als neue Allzweckwaffe gesehen werden, die in jeder Situation eine bessere Figur macht als ein Fahrzeug mit konventioneller Antriebstechnik. Genau so aber urteilt derzeit noch der deutsche Autofahrer und sieht in der Folge beim Elektroauto nur Nachteile. In anderen Ländern tun sich die Autofahrer offenbar leichter mit der neuen Technik: In den USA, Japan oder auch in den Niederlanden verkaufen sich Elektroautos (proportional betrachtet) deutlich besser als bei uns.

Da ist es für den deutschen Markt ein wichtiges Signal, dass mit Volkswagen einer der führenden Hersteller hierzulande jetzt bewusst auf die Elektromobilität setzt. Dem wird in Kürze BMW folgen, wenn im November der neu entwickelte i3 auf den Markt gebracht wird. Volkswagen wird im Frühjahr 2014 nachlegen und sein meist verkauftes Auto, den Golf, ebenfalls als Elektrofahrzeug anbieten.

Das wird diese Kategorie von Fahrzeugen in der Öffentlichkeit um einiges präsenter als bisher machen und damit auch sehr viel mehr Menschen in Berührung mit ihr bringen. Das ist extrem wichtig, denn ein Elektroauto muss man einfach selbst fahren und erleben! Danach wird man sehr wahrscheinlich anders urteilen.

Volkswagen e-up! Ladetechnik

Das zeigt der e-up! von Volkswagen deutlich: Wer einmal mit ihm gefahren ist, will kaum mehr zurück zur konventionellen Benzinkutsche. Nach der Fahrt steht man vor dem Auto und fängt an, seinen Preis mit anderen Augen zu sehen.

Wen das noch nicht überzeugt, sollte sich vor Augen halten, dass der Markt eindeutig in Bewegung gekommen ist. So musste aktuell etwa der Hamburger Fahrzeug-Umrüster Karabag den Preis für den von im auf Elektroantrieb umgerüsteten Fiat 500 massiv zurücknehmen, weil er sonst gegen den ab jetzt lieferbaren Volkswagen e-up! keine Chance mehr hätte. In Norwegen hat der seit Spätsommer lieferbare Tesla S ganz überraschend den Spitzenplatz in der Zulassungsstatistik übernommen (den bis dahin der VW Golf innehatte).

Das Fazit: Elektrisches Autofahren als bezahlbarer Luxus für ein breites Publikum

Elektroautos sind also auf dem Vormarsch, auch wenn hierzulande noch sehr viel Scheuklappen-Mentalität zu spüren ist. Da wäre es nicht schlecht, wenn sich die neue Bundesregierung künftig etwas beherzter einbringen würde. Der e-up! jedenfalls steht ab jetzt bei den VW-Händlern bereit. Gewiss ist der kleine Wagen kein Schnäppchen, dafür aber ein Stück Zukunft und so etwas wie ein bezahlbarer Luxus für deutlich mehr Menschen als nur für ein paar Millionäre. Eigentlich ein echter Volkswagen…