Noch immer ein Flop? Zur Debatte um Google+

Google+ Diskussion

Empörten Widerspruch erntete Martin Weigert auf seine Feststellung, Google+ sei „noch immer ein Flop“. Dabei ist kaum zu bestreiten, dass dieses soziale Netzwerk bis heute praktisch nicht aus seiner Nische herausgekommen ist. Der Grund dafür könnte auf der psychologischen Ebene zu finden sein: Google+ taugt nicht zur symbolischen Selbstergänzung.

Google+ war und ist der Versuch von Google, mit einem eigenen sozialen Netzwerk der Dominanz von Facebook etwas entgegen zu setzen. Die Meinungen darüber, ob Google damit Erfolg hat, gehen weit auseinander und sollen hier nicht wiederholt werden. Denn die Debatte kreist meist nur um technische Features, Statistiken zur Nutzung und einige strategische Überlegungen (schön zu sehen am Beitrag von Martin Weigert und den über 40 Kommentaren dazu).

Eine wichtige Erklärungskomponente bleibt dabei weitgehend ausgeblendet: Google+ als Tool ist nicht „hip“ genug und taugt deshalb auch nicht zur symbolischen Selbstergänzung. Während Google auf vielen Gebieten ausgesprochen innovative Leistungen gezeigt hat (zuletzt etwa mit Google Glass), stellt Google+ kaum mehr als ein Me-Too-Produkt dar, das die wesentlichen Funktionen, wie sie zuvor schon von anderen Wettbewerbern (insbesondere Facebook) eingeführt wurden, kopiert und leicht variiert.

Damit aber fehlt Google+ eine wesentliche Komponente, die bei sozialen Netzwerken offenbar sehr wichtig für deren Erfolg ist: Eine gewisse Einmaligkeit, mit der sich die Nutzer bzw. Mitglieder identifizieren können und die sie auf sich übertragen. Diese (psychologische) Übertragungsleistung ist der Kerngedanke der Theorie der symbolischen Selbstergänzung.

So gesehen hätte Google+ gegenüber Facebook auf längere Sicht nur dann eine Chance, wenn man bei Google künftig die cooleren Features einführen und somit den Ruf des sozialen Netzwerkes entscheidend verbessern könnte. Denkbar ist aber auch, dass hier nicht mehr viel zu holen ist, weil Facebook inzwischen von einem gewissen Trägheitsmoment der Nutzer profitiert, weil diese einfach dort bleiben, wo sie sich (bequem) eingerichtet haben.

Wie aber passt die Fangemeinde von Google+ ins Bild dieser Theorie?

Offensichtlich gibt es zu jeder Produktkategorie immer auch eine mehr oder weniger große Anzahl von Menschen, denen zumindest an dieser Stelle die symbolische Selbstergänzung unwichtig ist und die deshalb nüchtern abwägen, welches Produkt sie nutzen wollen. Pragmatisch betrachtet hat Google+ durchaus seine Vorzüge gegenüber Facebook. Es spricht also nichts dagegen, dieses soziale Netzwerk zu nutzen.

Am Ende aller Theorien entscheiden aber die Zahlen-Relationen und die sprechen weiterhin eindeutig für Facebook und gegen Google+. Martin Weigert kann deshalb gelassen behaupten, Google+ sei ein Flop und das Thema auf Wiedervorlage in ein bis zwei Jahren legen.