Social Media für Freiberufler und Kleinunternehmer: Eine Buch-Rezension

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An Büchern zum Thema Social Media mangelt es heute nicht mehr. Allerdings richten sich die meisten Titel an Praktiker in größeren Unternehmen. Stephan Koß hat mit „Social Media für Freiberufler und Kleinunternehmer“ ein Buch speziell für Betriebe geschrieben, in denen der Chef (oder die Chefin) Social Media überwiegend selbst leisten muss. Kann er dieser Zielgruppe damit helfen?

Die meisten kleinen Unternehmen haben in Bezug auf Social Media genau zwei Probleme. Es steht sehr wenig Zeit zur Verfügung und man weiß oft nicht wo anfangen: Angesichts der Fülle an Möglichkeiten und Plattformen im Social Web ist es schwer, den individuell passenden Social Media-Mix zu finden.

Da sind Bücher, die sich auf einzelnen Plattformen fokussieren (wie etwa die Social Media-Minis) keine Hilfe. Andere Titel wiederum, wie etwa „Das Praxisbuch für KMU„, greifen schon zu weit. Eine Chance also für Stephan Koß und den Wiley-Verlag.

Natürlich kann auch er das gefühlte Zeit-Problem vieler Freiberufler und Kleinunternehmer nicht lösen. Aber sein Buch gibt eine Reihe praktischer Tipps, mit denen sich der Zeiteinsatz in Abhängigkeit von Zielvorstellungen planen lässt: Wer nur sein Adressbuch aktuell halten und den Markt beobachten möchte, kann das mit minimalem Aufwand erreichen. Neue Kunden über Social Media zu finden erfordert deutlich mehr Zeiteinsatz. Am Ende aber entkommt auch dieses Buch nicht einer gewissen Verharmlosung der Materie, weil die Profis in Sachen Social Media gern von sich auf andere schließen und dann unterstellen, dass jeder Selbständige „mit wenig Aufwand“ ein eigenes Blog führen könne…

Diese kritische Bemerkung soll aber niemanden davon abhalten, das Buch von Stephan Koß zu kaufen. Denn es bietet gerade für Freiberufler und Dienstleister aller Art einen sehr großen Nutzen, weil es einen Blickwinkel einnimmt, den so kein anderes Buch auf dem deutschsprachigen Markt bietet. Stephan Koß ist nämlich ein ausgewiesener Kenner des sozialen Netzwerkes LinkedIn und kann dazu eine Menge interessanter Informationen liefern.

Auch die anderen Plattformen und Netzwerke werden von ihm unter der Prämisse betrachtet, dass man sein Geld in der Hauptsache mit Wissen verdient und dazu die Möglichkeit besitzt, sich als Experte im Web einen Namen zu machen. Wer so arbeitet, hat kein „greifbares Produkt“ vorzuweisen und benötigt deshalb auch keine Abhandlungen zu Foto- oder Video-Plattformen. Geradezu wohltuend gerät auch der Mut des Autors zum Verzicht auf die sonst häufig in Social Media-Büchern anzutreffenden Beispiele großer Unternehmen, weil Selbständige daraus nur wenig lernen oder für ihre eigene Praxis verwerten können.

Im Ergebnis ist „Social Media für Freiberufler und Kleinunternehmer“ als Buch der ideale Einstieg in die Materie für Rechtsanwälte, Unternehmensberater, beratende Ingenieure oder Ärzte. Mir bleibt damit nur diesem Buch viele Leser zu wünschen.