Vom Google Reader zu Feedly: RSS ist und bleibt ein Nischenthema

Der Google Reader wird seinen Dienst am 01. Juli 2013 einstellen, angeblich wegen zu geringer Nachfrage. Tatsächlich war und ist das Lesen von RSS-Feeds mittels eines Feed-Readers eine Nischen-Technik geblieben, die zu keinem Zeitpunkt eine breite Akzeptanz fand. Dennoch ist das Kapitel RSS damit nicht abgeschlossen, denn Unternehmen wie Feedly springen in die entstehende Lücke. Können Sie der Technik zu mehr Popularität verhelfen?

Betrachtet man den Nachrichten-Markt, so muss hinsichtlich des Publikums zunächst eine grobe Trennung in normale Konsumenten einerseits und besonders Informationsinteressierte andererseits vorgenommen werden. Denn diese beiden Gruppen unterscheiden sich stark hinsichtlich der Menge und der Vielfalt an konsumierten Nachrichten (und der Nachrichten-Quellen). Das war auch schon so vor der Digitalisierung der Medien.

Als im Zuge des Aufkommens von Blogs RSS als Hilfsmittel zum einfacheren Abonnieren einer größeren Anzahl von Quellen entwickelt und in Form von Feed-Readern angeboten wurde, sprach dies zunächst ein technik-affines und stark informationsinteressiertes Publikum an, was zumindest für eine gewisse Zeit die Mehrheit der Nutzer im Netz gewesen sein dürften. Doch dank der zunehmenden Popularität des World Wide Web geriet die frühe technik-affine Mehrheit der Nutzer unversehens in die Rolle einer Minderheit, die es versäumte, RSS als Technologie so weiter zu entwickeln, dass auch die neue Mehrheit im Netz etwas damit hätte anfangen können.

Gegen eine offene und allgemein verständliche Weiterentwicklung von RSS sprachen auch kommerzielle Interessen. Denn Akteure wie Facebook, Twitter oder Tumblr waren darauf angewiesen, ihre Nutzer möglichst eng an sich zu binden. Ihnen konnte nicht daran gelegen sein, dass Inhalte auf einfache Art transferiert und auf neutralen Plattformen konsumiert würden, etwa um Werbeeinblendungen zu umgehen.

Feedly Cloud Apps

Damit stehen Feedly und Konsorten heute vor der gleichen Situation wie zuletzt Google: RSS ist und bleibt eine Nischentechnik, weil einerseits die besonders informationsinteressierten Menschen nur einen eher kleinen Markt bilden und andererseits wichtige Akteure im Web RSS nicht als allgemein verbindlichen Standard akzeptieren.

Google hat sich bekanntlich gegen die Nische entschieden, weil man offenbar nur auf gut skalierbare Angebotsbereiche setzt, die sich (mit Werbung) zu profitablen Geschäftsbereichen entwickeln lassen. Das bedeutet, dass Anbieter wie Feedly sich ungehindert entfalten können, solange sie damit in ihrer Marktnische bleiben. Popularität auf breiter Ebene jedoch werden sie nicht erlangen.