Content Marketing für Blogs: Vorsicht vor Content- und Link-Farmen

Content Marketing

Content Marketing ist derzeit in aller Munde und Blogs sind als Medien zur Verbreitung von gutem Content geradezu prädestiniert. Doch macht es Sinn, die Inhalte eines Blogs auch noch über Dritt-Plattformen wie Content- bzw. Link-Farmen oder Themenportale laufen zu lassen?

Diese Frage stellte sich für mein Blog nicht ganz freiwillig: Im Zuge der jüngsten Überarbeitung, bei der u. a. das aktuelle Theme (Baylys von Elma Studio) installiert wurde, ergaben einige stichprobenartige Suchen bei Google, dass manche meiner Artikel zwar sehr gut gelistet waren, aber nicht unter meinem Namen! Drittanbieter hatten, ohne mich zu fragen, einfach meine Artikel in ihr eigenes Angebot übernommen. Zwar wurde ich dort als Autor genannt und ein Link führte direkt zu meinem Blog, aber in den Suchergebnissen bei Google tauchte bwl zwei null mit den Original-Inhalten nicht mehr auf: Der Dritt-Anbieter hatte mich praktisch verdrängt.

Das war nicht in meinem Sinn und ich wurde deshalb bei den Plattform-Betreibern vorstellig und verlangte die Löschung aller aus meinem Blog übernommenen Inhalte. Zum Glück gab es dazu keine größere (rechtliche) Auseinandersetzung. Statt dessen wurde meinem Wunsch recht schnell entsprochen. In der Folge konnte ich bei Google feststellen, dass meine vorher nur unter der Adresse der Drittanbieter geführten Artikel plötzlich wieder unter meiner eigenen Blog-Adresse sichtbar wurden und in den Suchergebnissen durchweg gute bis sehr gute Platzierungen erreichten.

Danach fragte ich ein paar Blogger-Kollegen, deren Artikel ebenfalls auf diesen Dritt-Plattformen zu finden waren, ob sie von dieser Praxis wüssten und ob sie damit einverstanden wären. Zu meinem Erstaunen hielten alle die Vorgehensweise der Dritt-Anbieter für eine eher gute Sache, denn dadurch würde für ihre Inhalte mehr Sichtbarkeit geschaffen. Zudem wäre die Originalquelle ja in jedem Fall verlinkt, so dass der interessierte Leser immer auch problemlos zum Autor der Texte gelangen könnte. Kein Problem also in Sachen Content Marketing!

Über diese Haltung kann ich mich nur wundern und es erschreckt mich, dass ich mit meiner restriktiven Einstellung, zumindest unter den Wirtschafts-Bloggern, wohl eher zu einer Minderheit gehöre. Was läuft da falsch?

Zunächst nehme ich an, dass die meisten Blogger so gut wie nie nach ihren eigenen Artikeln auf Google suchen. Würden sie das tun, könnten sie vermutlich die gleiche negative Erfahrung machen wie ich: Übernehmen Dritt-Plattformen Inhalte aus anderen Blogs, führt dies keineswegs zu mehr Sichtbarkeit für diese Inhalte bei Google, sondern im Gegenteil meist zur Verdrängung des kleineren Anbieters durch den Größeren. Der Größere ist dabei meist die Content- bzw. Link-Farm.

Was man wissen muss: Googles Suchmaschine kann sehr gut doppelte Inhalte (Duplicate Content) als solche erkennen, nicht jedoch Original und Kopie unterscheiden. Weil die Suchmaschine identische Inhalte nicht zusammen als Suchergebnisse zeigen möchte, wird ein Treffer normal bzw. gut platziert (sehr wahrscheinlich derjenige mit dem höheren PageRank bzw. der besseren Suchmaschinenoptimierung), der andere Treffer dagegen in den Long Tail der Suchergebnisse geworfen.

Es kommt aber noch schlimmer: Übernimmt ein Dritt-Anbieter über einen längeren Zeitraum systematisch die Texte eines (kleineren) Blogs und erzielt damit sehr gute Platzierungen in den Suchergebnissen bei Google, steigt in der Folge der PageRank der Dritt-Plattform insgesamt, während die Originalquelle, deren Inhalte regelmässig nur im Long Tail der Suchergebnisse von Google landen, insgesamt einen geringeren PageRank zugewiesen bekommt als ihr eigentlich zustehen würde.

Warum aber sind vielen Bloggern diese Zusammenhänge nicht bekannt? Vermutlich denken sie (unbewusst) noch in den Kategorien der alten, vordigitalen Medienwelt, in der es extrem wichtig war (und ist), dass Content an möglichst vielen Stellen sichtbar wird: Bücher werden gekauft, wenn sie in möglichst vielen Buchhandlungen ausliegen. Das gleiche Prinzip gilt für Zeitungen und Zeitschriften.

Bei digitalen Inhalten jedoch, die über Suchmaschinen gefunden werden, gilt dieses Prinzip so nicht. Mehrfach identische Inhalte in den Suchergebnissen würden die Nutzer verärgern und an der Qualität der Suchmaschine zweifeln lassen. Es ist daher ein oberstes Gebot für Anbieter wie Google, doppelte Inhalte als solche zu erkennen und nur mit weiträumigem Abstand in den Suchergebnissen aufzulisten.

Folglich sollten sich Blogger sehr gut überlegen, ob sie im Rahmen ihrer Content Strategie ihre Inhalte Dritt-Anbietern überlassen wollen – und wenn ja, in welcher Form. Was vermeintlich mehr Sichtbarkeit und mehr Leser bringt, kann sich auch ins genaue Gegenteil verkehren. Entscheidend dabei sind die Größenverhältnisse der Plattformen zueinander. Da ich mein Blog als relativ kleine Plattform ansehe (hier wurden über die Jahre nur wenige Hundert Texte publiziert), kann ich es mir nicht erlauben, kontinuierlich meine Texte mit Dritt-Plattformen zu teilen, weil diese in der Regel sehr viel größer sind und deshalb bei Google systematisch bevorzugt würden. Ausnahmen (wie etwa einzelne Cross-Posts bei Carta) sollten dagegen nicht ins Gewicht fallen.

Ein letzter Punkt: Die Leser sollen Texte von mir auch deshalb vorrangig auf meiner eigenen Plattform finden, weil diese in ihrem gesamten Layout einen bestimmten (positiven) Eindruck vermitteln möchte. Bei Drittanbietern habe ich darauf keinen Einfluss. Zudem zeigen die dort nicht selten anzutreffenden Layout-Fehler (etwa beim Einbinden von Bildern), dass es diesen Plattformen mehr auf Quantität und nicht auf Qualität ankommt, weil Texte einfach aus RSS-Feeds genommen und mittels maschineller Skripte eingebunden werden. Wirklich gutes Content Marketing sieht anders aus.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Matthias,

    danke für diesen Artikel – ich bin aktuell auch von diesem Contentklau betroffen. Zwar ist Contentklau kein neues Phänomen, aber dass die Übeltäter den Diebstahl nun unter „Content Marketing“ verkaufen, ist einfach nur dumm. Bei Content Marketing geht es immer um „unique content“, und das kann man bei gestohlenem Content wohl nicht behaupten. Die paar wertlosen Nofollow-Links sind wirklich kein adäquater Lohn für die Mühen des Autors…

    Ich habe also eine Frist zur Löschung gesetzt und mein Anwalt reibt sich schon die Hände, falls diese ergebnislos verstreichen sollte.

    Viele Grüße
    Karl-Heinz

  2. Bei den Artikelverzeichnissen muss der interessierte Leser – wenn der Beitrag hier nur angerissen ist – noch einen weiteren „Klick“ verüben, um zum eigentlichen Beitrag zu kommen.
    Na ja, und Klickfaulheit setzt sich durch…
    Ich habe es allerdings noch nicht bemerkt, dass Content-Farmen besser ranken würden als die eigentlichen Artikel. Das hervorragende Ranking haben die altbekannten Platzhirsche, die von den Verlagen aufs Internet losgelassen worden sind und nichts auslassen, zu allem eine Überschrift liefern und eine unglaubliche Artikelflut ergießen.
    Ansonsten haben es die Blogger eigentlich selbst in der Hand, öfters und „breiter“ auf andere Blogs zu verlinken. Auch passende Kommentare werden von G. als ein Artikel interpretiert…

  3. @Klaus-Peter Baumgardt: Ob eine Content-Farm mit einem kopierten Text besser rankt als das Original, hängt wohl entscheidend vom Größenverhältnis der beiden Plattformen zueinander ab. Eine kleine, noch im Aufbau befindliche Content-Farm wird gegen ein großes Blog (mit hohem PageRank) nicht viel ausrichten können.

    Wichtig ist hier aber nicht eine Momentaufnahme der Situation, sondern die längerfristige Entwicklung: Content- bzw. Link-Farmen versuchen in aller Regel sehr schnell zu wachsen, weil ihre Monetarisierung davon abhängt. Je größer die Plattform, desto lukrativer die Einblendung von Werbung bzw. desto leichter lassen sich Links zu SEO-Zwecken verkaufen.

  4. Danke für den aufschlussreichen Artikel. Ich selbst war (noch) nicht von dem hier geschilderten Problem betroffen und auch wenn ich sowas schon mal gesehen habe, fiel es mir nicht wirklich als Problem ins Auge.

    Der Umstand, dass diese Drittanbieter – vor allem optisch – wesentlich schlechter aufbereitet den Content präsentieren, sollte die Leser schon darüber stutzig machen, dass Sie nicht die Originalquelle des Textes lesen.

    Allein schon die schlechtere Qualität dieser Webseiten verhindert in der Regel auch, dass Sie vor der Originalquelle ranken, aber Ausnahmen bestätigen scheinbar die Regel! 😉

  5. @ Matthias: Das Phänomen ist doch ärgerlicher, als ich zunächst dachte: Wenn der Inhalt komplett übernommen, geklaut wird und die „Farm“ noch nicht einmal ein Impressum hat…

  6. @Klaus-Peter Baumgardt: Bei Websites in deutscher Sprache ohne Impressum wird es schwierig. Ein Weg wäre über die Domain den Webhoster zu ermitteln. Hat dieser jedoch seinen Sitz im (weit entfernten) Ausland führt das nicht weit. Am Ende bleibt dann nur der Versuch, Google auf das Problem aufmerksam zu machen und zu hoffen, dass die Website aus dem Index fliegt.