Instant Messaging: Die Digital Natives und ihre Medienkompetenz

Instant Messaging ist und bleibt ein Basiselement der Digital Natives

Wichtiger noch als soziale Netzwerke sind den Digital Natives ihre Apps und Clients für das Instant Messaging. Dieser Befund mag erstaunen, entspricht aber den Tatsachen: Auch wenn die Medien beinahe täglich über Facebook oder Twitter berichten, für junge Menschen haben Dienste wie WhatsApp, WeChat oder Kik nach wie vor den höheren Stellenwert.

Vor diesem Hintergrund kann man aktuell das neue Google Hangouts sehen, das nicht nur die verschiedenen Messaging-Dienste von Google endlich unter einer einheitlichen Oberfläche vereint, sondern auch den Versuch darstellt, auf dem Markt für Instant Messaging künftig eine größere Rolle zu spielen. Hier ist Google bislang nämlich praktisch nicht vertreten.

Facebook dagegen hat sich seit längerem schon geschickt positioniert und das hauseigene Produkt, den Facebook Messenger auch als separate App ins Angebot aufgenommen. Während Facebook damit immerhin einen Fuss in der Tür hat, spielt Google bislang keine nennenswerte Rolle in diesem erstaunlich fragmentierten Markt.

In Asien dominieren vielfach landesspezifische Dienste: In Japan ist es Line, in Südkorea Kakao Talk und in China WeChat. In Nordamerika führen Facebook und WhatsApp, dahinter folgt Kik. In Europa liegt WhatsApp deutlich vorn, gefolgt von Facebook. Diese Angaben sind jedoch nur eine relativ grobe Richtschur, denn es kommt sehr darauf an, wie man im Kontext von Instant Messaging den „Markt“ definiert.

In manchen Fällen wird die SMS dazu gezählt, in anderen auch die primär desktop-orientierten Dienste. Einige Statistiken beziehen sich nur auf die Download-Zahlen von Apps, andere versuchen den Nutzungsgrad bzw. Umsätze innerhalb von Apps einzubeziehen und so ein genaueres Bild zu zeichnen. Zur Glaubensfrage kann die Einbeziehung von Skype geraten, weil dieser Dienst zwar primär dem Telefonieren dient, er daneben aber auch eine dem Instant Messaging vergleichbare Chat-Funktionalität aufweist…

Festzuhalten bleibt, dass junge Menschen zur Kommunikation im engeren Freundeskreis stark auf das Instant Messaging setzen. Als „Einstiegsdroge“ dürfte die SMS auf Feature-Phones dienen, die heute schon viele Kinder ihr eigen nennen dürfen. Später, mit dem Wechsel zu Smartphones, kommen dann Dienste mit besserem Funktionsumfang in Betracht. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch die Verfügbarkeit (oder das Fehlen) von WLAN und von Daten-Tarifen.

Doch warum ist es jungen Menschen heute so wichtig, ständig Anschluss zu haben und erreichbar zu sein? Dazu äußert Philipp Riederle in seinem Buch, Wer wir sind und was wir wollen:

„Manchmal geht es einfach nur darum, ein Lebenszeichen zu geben. Sei es ein positiver Kommentar oder der Daumen nach oben. Wir wollen zeigen, dass es uns gibt, und wissen, ob es den anderen noch gibt – so wie wir aus dem Fenster schauen, um zu sehen, ob bei unserem Nachbarn das Licht noch brennt.“

Damit ist klar, warum das Messaging bei jungen Menschen nach wie vor so hoch im Kurs steht: Für einfache Nachrichten genügt ein relativ bescheidener Dienst – und damit im Zweifel auch eine eher simple Hardware und ein Schmalspur-Zugang ins Netz. Die Digital Natives machen das Beste aus dem, was ihnen zur Verfügung steht und behalten später die in frühen Jahren eingeübten Verhaltensweisen einfach bei. Zugleich sichern sie sich damit einen praktisch werbefreien Rückzugsraum, der Distanz vor zu viel Werbung und Informationsmüll auf sozialen Netzwerken schafft. So sieht gelebte Medienkompetenz aus!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist aber kein so neues Phänomen und nicht nur bei Jugendlichen / digital natives beliebt. Übrigens sind IM auch nicht nur im privaten sondern auch geschäftlichen Bereich sehr hilfreich. Wenn man IRC dazu zählt, setze ich IM schon seit Mitte der 1990er ähnlich intensiv wie E-Mails ein, weil es die asynchronen Aspekte der E-Mail ohne deren Overhead und synchronen Vorteile eines Telefonats verbindet. Mit Multimessengern wie Trillian, Pidgin, Digsby, Miranda usw. habe ich eine teilweise geräteunabhängige Kommunikationszentrale, die E-Mail, FB, Twitter, Skype, LinkedIn, Forsquare, Google Talk, Myspace, ICQ, Jabber und viele Dienst mehr übersichtlich an einem Punkt verbindet.

    So kann ich mich in Echtzeit mit einem Kunden in Spanien, dem Vertriebsmitarbeiter in Sachsen, Kollegen in Göppingen, Stuttgart und Kirchheim sowie einem Freund in New York gleichzeitig unterhalten und nebenbei auch noch arbeiten. Kann mir die Arbeit ohne IM als unterstützendes Werkzeug auf einem extra Monitor, Smartphone oder Tablet kaum vorstellen.

  2. Sehr guter Einwand, Martin. Allerdings hätte man bei den Digital Natives auch erwarten können, dass diese Generation viel stärker oder ausschließlich auf soziale Netzwerke setzt. Offenbar haben es diese Dienste jedoch nicht verstanden, die Kommunikationsbedürfnisse junger Menschen richtig zu bedienen, so dass ein Markt für neue Messaging-Dienste in Form von Mobile Apps wie WhatsApp (2009 gegründet) oder Kik (2010) entstand (den Facebook Messenger als eigenständige App gibt es seit 2011).

    Bei Twitter dürfte man sich heute darüber ärgern, dass man nicht schon in einer sehr frühen Phase die Funktion der Private Messages stärker in Richtung Instant Messaging ausgebaut hat. Damit hätte sich vielleicht mehr junges Publikum binden und der Gap zu Facebook geringer halten lassen.