Google Glass: Mut zum Risiko beim Marketing

Google Glass ist ein Lehrstück modernen Marketings. Von den ersten Gerüchten zu dieser computerisierten Brille über die beindruckende Demonstration anlässlich der Entwicklerkonferenz Google I/O im Juni 2012 bis hin zur jüngst vorgestellten Gebrauchsanweisung sorgt Google souverän und in wohldosierten Häppchen für positive Schlagzeilen. Doch das Marketing-Konzept birgt auch Risiken.

In den Medien steht Google aktuell wieder glänzend da, nachdem man mehrere Jahre lang Apple den Vortritt bei der Innovationsfähigkeit und der Coolness lassen musste. Dank Google Glass wird Google inzwischen wieder als technologisch überlegenes Unternehmen wahrgenommen, während Apple mit einem flauen Aktienkurs und einer kritischen Presse kämpft, die sich fragt, ob das Unternehmen in der Ära nach Steve Jobs seinen Zenit bereits überschritten hat.

Das alles sind natürlich nur Momentaufnahmen. Sie zeigen aber, wie volatil heute die öffentliche Wahrnehmung großer Unternehmen geworden ist und wie stark sich diese konstant um „eine gute Presse“, d. h. um positive Schlagzeilen bemühen müssen.

Parallel dazu lässt sich beobachten, wie andere Unternehmen im Windschatten der aktuellen Berichterstattung mitziehen. So hat Facebook Interesse an Google Glass bekundet und dabei sogar Mark Zuckerberg selbst zu Wort kommen lassen. Auch Twitter steht sofort in der Aufmerksamkeit der Tech-Medien, als das Gerücht bekannt wird, dass das Unternehmen an einer App für Google Glass arbeite.

Natürlich ist die Medienarbeit, die das Interesse an innovativen Produkten und Neuentwicklungen weckt, immer auch mit Risiken verbunden. Denn Google schürt aktuell eine sehr große Erwartungshaltung, der das für 2014 antizipierte Produkt erst noch gerecht werden muss. Dabei lässt Google Glass auch an den lange kolportierten, aber bislang nicht auf den Markt gekommenen Fernseher von Apple denken.

Das größere Thema hinter Google Glass und ähnlichen Entwicklungen, wie sie etwa Sony oder Samsung nachgesagt werden, ist ohnehin nicht die Brille an sich, sondern die Frage, wie viele Menschen künftig permanent nebenbei (unauffällig) mit elektronischen Informationen versorgt sein wollen. Es könnten mehr sein, als manche Skeptiker heute noch vermuten. Schon beim iPhone gab es nicht wenig Kritik an dessen YouTube-App und den Funktionalitäten rund um Fotos: Wer würde diese Medien auf so einem kleinen Gerät konsumieren wollen? Heute sieht die Welt dank Smartphones anders aus und Google geht mit seinem Marketing-Konzept rund um Google Glass zwar ein Risiko ein, aber es ist ein kalkulierbares Risiko.