Netter Versuch: Facebook Home

Facebook Home

Facebook bringt also doch kein eigenes Smartphone auf den Markt, dafür aber eine neuartige Benutzeroberfläche für Android-Geräte (Smartphones und Tablets), genannt „Home“, die wie eine Applikation installiert werden kann. Damit wird die Kommunikation via Facebook enorm verbessert, aber alles andere rückt stark in den Hintergrund. Wird sich diese Neuerung durchsetzen können?

Mit „Home“ ist Facebook ohne Zweifel ein geschickter Schachzug gelungen, der sowohl Google als auch Apple unter Druck setzen wird. Denn der Launcher von Facebook, der den Startbildschirm von Android vollständig ersetzt, zeigt, wie eine moderne Benutzeroberfläche aussehen und funktionieren kann. Diese geht konsequent von Interaktionen (via Facebook oder Instagram) aus, der klassische Zugang zum Smartphone über Applikationen tritt dagegen mehr oder weniger in den Hintergrund.

Auf den ersten Blick ist Home eine tolle Sache. Jedoch hat Facebook in der Vergangenheit nicht mit jeder großen Neuerung Erfolg gehabt. Wer erinnert sich etwa noch an die Facebook E-Mail? Damals wollte Facebook ein wichtiges Feld der digitalen Kommunikation besetzen und hat sich dafür eine interessante Form der Integration von E-Mail und Facebook-Nachrichten einfallen lassen. Die Anwender jedoch sind mehrheitlich nicht auf diesen Zug aufgesprungen.

Mit Home ist nun eine ähnliche Situation gegeben: Wieder bietet Facebook eine Funktionalität an, die für sich betrachtet sehr schlüssig und praktisch wirkt. Die große Frage ist jedoch, ob die Anwender sich so stark und so einseitig auf Facebook werden einlassen wollen. Zweifel daran sind durchaus angebracht.

So zeigt eine aktuelle Untersuchung von Flurry zum Nutzungsverhalten von Apps und Browser auf Smartphones und Tablets (in den USA), dass Facebook mit 18 % Zeitanteil zwar einen respektablen Teil des Kuchens für sich beanspruchen kann, der Anteil von Spielen mit 32 % aber noch erheblich höher liegt:

Flurry Screenshot

Facebook Home entspricht damit vielleicht gar nicht so sehr den Wünschen der Anwender, sondern in viel stärkerem Maß dem Wunschdenken des Unternehmens, das dringend etwas tun muss, um seine Profitabilität zu erhöhen.

Dazu kommt, dass Facebook in jüngster Zeit offenbar an Zuspruch beim jüngeren Publikum verliert und gegensteuern muss. Spiegel-Korrespondent Thomas Schulz berichtet, wie bei der Vorstellung von Facebook Home Mark Zuckerberg von CNN darauf angesprochen wurde:

„Mark, man hört immer wieder, dass vor allem Schüler das Interesse an Facebook verlieren. Wie geht ihr damit um?“ …sagt Zuckerberg mit matter Stimme nur: „Insgesamt ist das Engagement unserer User ziemlich gut.“

Das hört sich nicht besonders optimistisch an. Aber vielleicht sollte man auch nicht zu viel in so eine Aussage hinein interpretieren. Das Gute an Facebook Home dürfte auf alle Fälle sein, dass es den Entwicklern von Benutzeroberflächen bei Apple (iOS) und Google (Android) Beine machen wird. Und das ist doch schon mal was, oder?

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Home wird sich wahrscheinlich durchsetzten können, da ein Teil der Facebook-Nutzer es unbedingt ausprobieren wollen und dann auch dabei bleiben, weil Home sich schlecht vom Smartphone entfernen lässt, ohne Systemreset!

    Weiter kommt hinzu, dass sich Nutzer um ihre Daten keine große Sorgen machen – sehr fahrlässig! Ein Beispiel dafür ist die weitverbreitete App „WhatsApp“! Jeder weiß eigentlich, dass sich hierbei um eine kritische App handelt – trotzdem wird diese massenweise genutzt! So…, wird es auch mit Home geschehen 😉