Die Grenzen von Social Media am Beispiel von Undrip

Screenshot der Website von Undrip

Das Startup Undrip versucht ein Problem zu lösen, das wir alle kennen: Es gibt viel zu viel Inhalte auf unseren Social Media-Timelines und es gibt eigentlich auch zu viele verschiedene Kanäle, auf denen wir präsent sein bzw. ein Auge drauf haben sollten. Das war nicht immer so. Twitter und sogar Facebook waren vor Jahren noch Medien, die nicht nur ungewohnt schnell waren, sondern auch eine gewisse Informationsdichte und -kompaktheit vermitteln konnten. Das war sehr vorteilhaft, ermöglichte es doch manchmal einen netten Informationsvorsprung.

Seitdem jedoch die sozialen Netzwerke im Mainstream angekommen sind, häufen sich in unseren Timelines Belanglosigkeiten und redundante Doppelmeldungen. Bei immer mehr Teilnehmern wird der Diskurs zwangsläufig banaler: Es gibt mehr Boulevard und in Relation weniger Feuilleton. Da kann es dann schon passieren, dass etwa ein Artikel von Spiegel-Online, den man selbst schon am Vormittag gelesen hat, über den Tag verteilt immer wieder neu empfohlen wird.

Gegen die Informationsüberlastung im Zeitalter von Social Media sollte man eigentlich etwas tun können. Und tatsächlich haben sich bereits zahllose Startups daran versucht, über Aggregatoren unterschiedlichster Art die Informationsflut einzudämmen und auf das wirklich Relevante einzugrenzen.

Undrip macht also nichts wirklich Neues. Im Gegenteil: Hier wird nur der oft schon gescheiterte Versuch wiederholt, mittels eines Algorithmus, der meine Beziehungen auf Facebook und Twitter beobachtet, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Im Grunde wendet Undrip praktisch das Prinzip des EdgeRank (von Facebook) an, der die Wichtigkeit einer Meldung danach beurteilt, wie intensiv mein Kontakt zum Herausgeber derselben zuletzt war. Das aber ist noch nicht der heilige Gral.

Denn auch wenn ich mich mit einer Person zuletzt intensiv ausgetauscht haben mag, können deren nächste Wortmeldungen auf Social Media für mich ohne Belang sein, weil mich vielleicht gerade ein völlig anderes Thema beschäftigt. Eine rein auf Kontakte fokussierte Aggregation kann also nie ein wirklich optimales Ergebnis erzielen. Es fehlt schlicht zu viel an Kontext. Ein neuer Ansatz müsste deshalb über die rein soziale Ebene, den „social layer“ hinausgehen und weitere Informationen einbeziehen:

An was arbeite ich gerade? Welche Termine stehen an? Wie groß ist gerade der Zeitdruck? Wie groß ist die Aufmerksamkeit beim Lesen? Wo halte ich mich auf? Welches Endgerät nutze ich?

Wie neulich hier im Blog schon einmal angedeutet, werden uns in ein paar Jahren kontextorientierte Anwendungen bzw. Assistenz-Systeme weiter helfen können als Aggregatoren, die allein auf der Basis von Social-Media-Daten operieren. In diesem Sinne bin ich gespannt, in welche Richtung sich Undrip weiter entwickeln wird.

 

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