Lohnt sich der Kauf eines Nexus 7 Tablets?

Nexus 7 und iPad (erste Generation( übereinander

2012 wird das Jahr der Tablets, daran kann es keinen Zweifel mehr geben. Neben das Nexus 7 von Google tritt Amazon mit einer überarbeiteten Kindle-Reihe und nur wenige Zeit später werden Microsoft und Apple folgen: Das Surface-Tablet wird zum Neuanfang für Microsoft in diesem Segment, während Apple eine kleinere Version des iPad auf den Markt bringt, um seine Marktführerschaft zu festigen. Lohnt sich da der Kauf eines Nexus 7?

Oder sollte man besser noch abwarten, bis alle wichtigen Geräte am Markt sind? Selbst wer mit einem Nexus 7 liebäugelt, könnte noch warten wollen, da Gerüchten zufolge eine Version mit 3G in Arbeit ist. Auch vom niedrigen Preis sollte man sich nicht vorschnell verführen lassen, denn das kleine iPad und vielleicht auch das Surface könnten ähnlich positioniert werden, die Geräte von Amazon sind es ohnehin.

Grundsätzlich steht eine Systemfrage an, denn mit dem Erwerb eines Tablets kauft man sich in ein Öko-System ein. Das ist erheblicher Nachteil. Denn wer sich beispielsweise für Apple entscheidet und damit anfängt, Musik, Filme oder Bücher in iTunes zu kaufen, kann diese Inhalte später nur mit Mühe und unter Umgehung rechtlicher Restriktionen auf eine andere Plattform portieren. Etwas offener gibt sich Amazon, weil sich zumindest die E-Books auch in den Kindle-Apps für iOS und Android lesen lassen. Bei Google liegt der Nachteil in erster Linie darin, dass die Regale im virtuellen Kaufladen noch ziemlich leer sind: Es gibt wenig Filme, wenig Bücher und (in Deutschland) vorläufig noch gar keine Musik. Was Microsoft betrifft, ist noch nicht bekannt, ob es solchen Content überhaupt geben wird.

Ein Tablet darf aber nicht nur auf den Faktor „Paid Content“ reduziert werden. Mit ihm macht man eine Menge mehr und genau an dieser Stelle kann das Nexus 7 punkten. Denn unter Android können Anwendungen sehr viel umfassender untereinander agieren, als etwa unter iOS. Die Dropbox beispielsweise kann sich hier sehr viel nützlicher machen. Zudem entfallen die lästigen Desktop-Synchronisationen, die bei Apple immer noch Standard sind. Gutes Multitasking und die unter Android 4.1 (Jelly Bean) weiterentwickelte Notification Bar, die einzelne Meldungen auch im Detail anzeigen kann (wie hier etwa die App „Battery Widget? Reborn!“), sind einfach praktisch. Die immer wieder geäußerte Aussage, Apps würden auf dem Display des Nexus 7 nicht gut aussehen, weil sie für Smartphones entwickelt seien und deshalb nur hochskaliert würden, stimmt so nicht. Einzelne Apps haben da tatsächlich leichte Darstellungsprobleme, das Meiste aber passt sehr gut.

Regelrechte Religionskriege werden um die Frage geführt, ob das Display eines Tablets im Format 16:9 sein darf, oder ob es nicht 4:3 sein muss. Google hat sich beim Nexus 7 für das schlanke Format und damit für ein geringeres Gewicht und eine gute Handlichkeit entschieden. Apple dagegen wird wohl auch beim kleinen iPad das etwas sperrigere 4:3-Format beibehalten. Wer beide Varianten kennt, weiß, dass keine für sich absolut im Vorteil ist.

In meinen Augen ist das Nexus 7 der ideale Begleiter für Menschen, die eine gewisse Affinität für das Web und Social Media entwickelt haben. Wer Blogs mit einem Feed-Reader liest, Kontakte über Facebook, Google+ oder Twitter pflegt und bestimmte Anwendungen über diverse Endgeräte hinweg nutzen möchte, bekommt mit diesem Tablet ein Gerät an die Hand, das sich optimal konfigurieren und auf die persönlichen Bedürfnisse einrichten lässt. Der Preis des Nexus 7 ist für diese Zielgruppe unschlagbar, da braucht niemand auf Amazon, Microsoft oder Apple zu warten.

Wer dagegen einen definierten Medienkonsum aus der analogen in die digitale Welt führen und seine Zeitung, seine Zeitschriften sowie Filme und das eine oder andere Buch digital betrachten möchte, ist mit dem iPad besser bedient. Die Welt von Apple ist eine Spur einfacher, übersichtlicher und bietet ein enorm großes Angebot an Bezahl- bzw. Leih-Inhalten.

Dafür hat bei Apple alles seinen Preis. Meine Schätzung zum Einstiegspreis des kleinen iPad: 299,- Euro für die WiFi-Variante mit 16 GB Speicher. Wer es günstiger haben möchte, kann sich bei Amazon umsehen. Die Welt des Kindle Fire ist für Menschen gedacht, die eine breite Auswahl an Inhalten schätzen und weniger auf gebürstetes Aluminium in der Hand Wert legen.

Welche Zielgruppe bleibt für Microsoft? Am Ende vermutlich nur ein paar wenige, die in der Informatikwelt der 1990er Jahre stehen geblieben sind und ein Tablet danach beurteilen, wie gut die Tabellenkalkulation oder die Textverarbeitung funktionieren…

Ein letzter Punkt: Wer am Nexus 7 Interesse hat, soll sich jetzt eines kaufen und sich daran freuen (wie ich!). Niemand kauft heute ein Tablet, um es dann 10 Jahre lang zu nutzen. Der rasend schnelle Fortschritt macht die Technik von heute in kürzester Zeit wieder obsolet. Ich sehe das an meinem iPad. Im Sommer 2010 war es noch der letzte Schrei, zwei Jahre später ist die Technik von damals für immer mehr Anwendungen nicht mehr gut genug, sie ruckeln oder stürzen häufig ab. Diese Entwicklung zwingt fast schon zum Neukauf in relativ kurzen Abständen, das Denken in langen Zyklen müssen wir uns (leider) abgewöhnen. Tablets sind kein Inventar, das man an die nächste Generation vererbt.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die ungehypte Einschätzung. Zu Deinem letzten Aspekt der Lebensdauer: Da hast Du recht, doch es macht mir angst: Selbst wenn die Geräte viele Jahre hielten, bedeuten all diese Tablets, Smartphones und Gadgets einen ungeheuren Energie- und Ressourcenverbrauch. Aber abhalten wird das wohl auch mich nicht…

  2. @Jan: Unter ökologischen Gesichtspunkten ist das tatsächlich nicht vernünftig. Das Problem sind die laufenden Software-Updates über die App Stores, die praktisch von selbst kommen und irgendwann nicht mehr mit der Hardware harmonieren. Das lässt die Geräte dann „alt“ aussehen, obwohl sie es im Grund noch gar nicht sind…