Volkswagen mit Zylinderabschaltung und Blogger-Zuschaltung

Der Volkswagen Polo Blue GT in Amsterdam

Volkswagen hat mich nach Amsterdam eingeladen. Das war sehr freundlich, denn ich schreibe bekanntlich keine Testberichte zu neuen Fahrzeugen. Aber der Autohersteller aus Wolfsburg, der sich anschickt, die Nummer 1 in seiner Branche zu werden, wollte nicht nur ein Fahrzeug vorstellen, sondern auch mit Bloggern ins Gespräch kommen. Daraus wurde eine sehr interessante Begegnung.

Vorgestellt wurde der neue Polo Blue GT. Das Besondere an diesem Fahrzeug ist die Tatsache, dass hier ein Motor mit Zylinderabschaltung zum Einsatz kommt, was in der Kategorie der Kleinwagen ein Novum ist. Die Technik verhilft zu einer Spritersparnis von rund einem halben Liter (auf ca. 4,6 l/100 km) und einer CO2-Reduktion von 8 Gramm (auf 105 g/km). In der Fahrpraxis spürt man von der Technik praktisch nichts, sie verrichtet ihre Arbeit dezent und unaufgeregt im Hintergrund, ganz so wie man es von einem Volkswagen erwartet.

Wer mehr über diesen Polo erfahren möchte, dem seien die Artikel von Björn Habegger, Don Dahlmann und Mario-Roman Lambrecht empfohlen. Meine Frage ist eher, wie sinnvoll es ist, dass Volkswagen Blogger zu Medien-Events einlädt, die im Kern für Fachjournalisten (und „alte“ Medien) konzipiert sind.

Für Auto-Blogger ist es natürlich erfreulich, wenn man eingeladen wird: Die Events der Auto-Hersteller sind in der Regel bestens organisiert und finden an attraktiven Orten statt. Zudem kommt man in den Genuss mit Fahrzeugen zu fahren, die in dieser Form meist erst Monate später in den Handel kommen.

Doch welchen Mehrwert generieren daraus die Auto-Blogger für ihre Leser? Viele der Testberichte bleiben bislang relativ nahe am Pressematerial der Hersteller und ebenso nahe an den Klischees der gängigen Autotest-Berichterstattung. Das aber nützt im Grunde weder den Bloggern noch den Auto-Herstellern. Auto-Blogs müssen eigentlich einen neuen, eigenständigen Ansatz finden und sich stärker von der traditionellen Berichterstattung abheben. Das aber ist gar nicht so einfach.

Auto-Hersteller wie Volkswagen sollten deshalb nicht nur freundlich abwarten, ob und wie sich hier ein neues Medienfeld entwickelt, sondern dessen Gestaltung bewusst fördern. Denn die Branche hat daran ein elementares Interesse: Blogger können ein wichtiges Bindeglied zwischen Automarken und einem jüngeren Publikum bilden und so dem Trend entgegentreten helfen, nach dem junge Leute das Interesse an Führerschein und dem eigenen Fahrzeug tendenziell verlieren. Dazu kommt, dass das Fahrzeugangebot immer vielfältiger wird und damit immer schwieriger zu überblicken ist. Blogs könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie sich auf Nischen spezialisierten.

Die Kommunikation zwischen Auto-Herstellern und Bloggern muss demnach anders aufgezogen werden, als dies für die traditionellen Medien der Fall ist: Die Vertreter der „alten“ Medienwelt benötigen Daten zu den Fahrzeugen, dazu vielleicht Bildmaterial und die Möglichkeit zur Probefahrt. Der Kontakt zu bestimmten Ansprechpartnern rundet das Angebot ab. Berücksichtigung findet hier zudem eine gewisse Latenz in der Berichterstattung, denn Beiträge für Print oder das Fernsehen haben längere Vorlaufzeiten und richten sich nach Erscheinungs- bzw. Sendezyklen.

Die neuen digitalen Medien sind dagegen sehr viel schneller und können zudem das Feedback der Leser gut sichtbar machen. Hier kommt es wesentlich auf die Positionierung und das Community-Building an. Auto-Hersteller sollten das unterstützen, indem sie dazu den Dialog und Erfahrungsaustausch anbieten. Zudem können sie mit den Bloggern gemeinsam überlegen, über welche Kanäle was und wo verbreitet bzw. verlinkt wird. Die Welt der Social Media (einschließlich sozialer Netzwerke wie Facebook) bieten hier so viele Möglichkeiten, so dass darüber gezielt gesprochen werden muss und es nicht bei einem einfachen Presse-Briefing bleiben kann.

Einen Schritt in die richtige Richtung hat Volkswagen in Amsterdam dadurch geleistet, dass aktive Hilfestellung für Fotos und Film angeboten wurde. Welcher Blogger kann sich schon selbst vor der passenden Kulisse fotografieren? So entstanden übrigens auch das Foto oben sowie der neue Header auf meinem Facebook-Profil. Herzlichen Dank dafür!

Darüber hinaus wäre denkbar, dass der Austausch verstetigt und regionalisiert wird: Warum nicht die Niederlassungen in großen Städten dazu nutzen? Ich habe meine Zweifel daran, dass auf Dauer die Beziehung zu Bloggern gelingt, wenn sie den Fachjournalisten gleich mit Flügen zu exotischen Destinationen samt Vollpension vereinnahmt werden. Punktuell ist das sicher richtig, im Mittelpunkt sollte aber eine andere Erfahrungsebene stehen. Dabei muss schließlich auch berücksichtigt werden, dass wer nebenberuflich bloggt, nicht ständig für einen oder gar mehrere Tage komplett in Anspruch genommen werden kann – so interessant diese Events auch sein mögen. Blogger müssen ihre Zeit anders planen als die Redaktionen von Zeitschriften.

In Amsterdam zeigte man sich bei Volkswagen sehr aufgeschlossen und interessiert. Man suchte bewusst den Dialog auf Augenhöhe. Damit ist ein guter Anfang gemacht. Jetzt liegt es an allen Beteiligten, daraus etwas zu machen, ganz so wie sich der Polo Blue GT jetzt am Markt beweisen muss: Ab Herbst steht er bei den Händlern.