Das Retina Display von Apple hat Folgen für das Marketing

Apple bringt nun sein Retina Display auch in das MacBook Pro. Zwar zunächst nur im 15-Zoll-Modell, aber die Richtung ist damit klar: Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis alle Endgeräte damit lieferbar sein werden. Das könnte Folgen für den gesamten Markt an Desktop-Computern bzw. Notebooks haben, denn der Wettbewerb wird nachziehen müssen, wenn sich die Geräte gut verkaufen.

Dabei sollte man sich nicht vom hohen Preis des neuen MacBook Pro (mit Retina Display) täuschen lassen: Apple besteigt den Markt erst einmal von oben und testet die Zahlungsbereitschaft seiner Kunden. Preislich günstigere Varianten können im Prinzip jederzeit nachgeschoben werden, insbesondere wenn das Retina Display auch für Geräte ohne teure Flash-Speicher verfügbar gemacht wird. In diesem Sinne sieht John Gruber (Daring Fireball) das neue Flagschiff-MacBook Pro in einer Vorreiterrolle ähnlich dem ersten MacBook Air aus dem Jahr 2008. Dieses kam bekanntlich ebenfalls zu einem relativ hohen Preis auf den Markt und verkaufte sich nur in geringen Stückzahlen. Im Jahr 2010 jedoch kam die Neuauflage mit drastisch niedrigeren Preisen und am Markt gab es kein Halten mehr. Bis heute haben Apples Konkurrenten dem MacBook Air nicht wirklich viel entgegen zu setzen, das Gerät ist die Referenz schlechthin im Segment der Ultrabooks und verkauft sich in hohen Stückzahlen.

Die Folgen für das Marketing: Hoch auflösende Bilder werden zur Pflicht!

Wenn immer mehr Menschen Endgeräte mit sehr hoch auflösenden Bildschirmen nutzen, stiegt damit die Erwartungshaltung an das damit betrachtete Bildmaterial. Fotos und Videos müssen dem gerecht werden können, sonst sieht man schnell alt aus. Die bekannte Regel, dass „gute“ Fotos nur für Print benötigt werden, während für den Online-Auftritt deutlich geringer auflösende Formate völlig ausreichen, dürfte damit bald der Vergangenheit angehören. Die Bildkommunikation muss sich umstellen.

Dieser Trend betrifft gleichermaßen die Bereiche B2C und B2B. Dazu kommt als weiterer Trend, dass hochwertiges und ästhetisches Bildmaterial zunehmend im Computer generiert wird. Eine mit Gras überwachsene Pumpe etwa (wie von TimeRay hier gezeigt), ist demnach ganz im Sinne von Apple, denn solche visuellen Effekte kommen auf dem Retina Display besonders gut zur Geltung. Apple selbst versucht in vielen bunten Bildern und mit reichlich markigen Sprüchen („simply amazing“, „total game changer“…) das Retina Display als neuen Standard in den Markt zu drücken. Dass es noch überhaupt keine Filme gibt, die eine derart hohe Auflösung heute schon konsequent ausnutzen können, wird dabei lieber nicht erwähnt…

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Auch ohne das Retina-Displays finde ich, dass schon lange bei inzwischen weit verbreiteten Full-HD-Endgeräten hochauflösende Fotos Pflicht sind. Aber mit was muss man sich in Shops und auf Produkt-Websites oft rumschlagen? Mit ein bis zwei verwaschenen Fotos, die oft mit Glück 800x600px groß sind.

    Auf der anderen Seite sind die technischen Herausforderungen bei der Unterscheidung Desktop / Mobiles Gerät und verfügbarer Bandbreite für die Anzeige der passenden Bilder selbst mit dem aktuellen Stand von HTML5 / CSS3 enorm – da muss sich auch noch einiges tun.