Das neue iPad kaufen? Oder besser ein MacBook Air?

iPad und MacBook Air März 2011

Ab heute (dem 25. März 2011) kann man das neue Apple iPad in Deutschland kaufen. Ohne Zweifel handelt es sich dabei um ein faszinierendes Stück Technik. Vor knapp einem Jahr habe ich mir ein iPad der ersten Generation gekauft und hier auf bwl zwei null darüber geschrieben. Den Kauf habe ich nicht einen einzigen Tag bereut, ich hatte das Gerät fast jeden Tag in der Hand.

Warum also jetzt ein Artikel über das MacBook Air? So interessant das iPad ist, es kann einige Dinge nicht oder nur sehr schlecht. Daran ändert auch die neue Version wenig bis nichts. Vielleicht ist deshalb ja das MacBook Air das bessere iPad? Ich habe es mir vor ein paar Wochen gekauft und kann seither beide Geräte direkt miteinander vergleichen.

Es steht das iPad mit 32 GB (WiFi only) gegen Apples kleinstes MacBook Air: Die Variante in 11“ mit 128 GB Speicher, 4 GB Arbeitsspeicher und 1,6 GHz Prozessor. Ein direkter Vergleich mag unfair erscheinen, kostet das MacBook Air so ausgestattet doch etwas mehr als doppelt so viel wie das iPad. Wenn schon nicht der Preis einen Vergleich nahe legt, dann umso mehr Größe und Gewicht: Beide Geräte schenken sich hier nicht viel, das MacBook Air ist gefühlt kaum schwerer als das iPad und ebenso handlich.

Im täglichen Handling erweist sich das MacBook Air sogar als das praktischere Gerät: Als konventionelles Notebook besitzt es nämlich einen Deckel und kann in geschlossenem Zustand leichter herum getragen bzw. abgelegt werden: Das Gerät ist geschützt, während beim iPad stets der Touchscreen zur Vorsicht mahnt. Zudem ist die Rückseite des iPad empfindlich für Kratzer, während das MacBook Air mit seinen 4 Gummifüssen bedenkenlos auf jedem Untergrund abgestellt werden kann. Im Ergebnis kann man das MacBook Air auch mal ohne Schutzhülle in noch der kleinsten Aktentasche mitnehmen, was ich mit meinem iPad so nicht mache.

MacBook Air auf Waschbeton: Kein Problem dank der Gummifüße

Das iPad ist bekanntlich sehr schnell einsatzbereit, da es praktisch immer im Standby-Betrieb gehalten werden kann. Einmal den Home-Button gedrückt und über die dann erscheinende Schaltfläche gewischt, schon ist der Homescreen erreicht. Wie schlägt sich dem gegenüber das MacBook Air? In meinen Augen noch eine Spur besser, weil eleganter: Einfach den Deckel aufklappen und das Gerät erwacht sofort, womit man in geschäftlichen Terminen schon mal überraschte Gesichter erleben kann. Der typische Windows-User ist so etwas nicht gewohnt. Das MacBook Air ist, dank seines Flash-Speichers, ebenso gut für den Standby-Betrieb ausgelegt wie das iPad.

Traut man dem Standby-Betrieb nicht, kann man das Gerät auch konventionell herunter fahren und später wieder neu starten: Ca. 5 Sekunden für den Shut-Down und 15 Sekunden für das Hochfahren sind Werte, mit denen man sehr gut leben kann.

Wer am iPad das Fehlen von Anschlussmöglichkeiten bemängelt, dem wird das MacBook Air geradezu paradiesisch erscheinen: Volle zwei USB-Buchsen, eine links, eine rechts – was will man mehr? Mehr wollen eigentlich nur die Besitzer von Netbooks, die zumeist konsterniert feststellen müssen, dass die besseren Anschlussmöglichkeiten ihrer Geräte das Einzige sind, was sie Apples Rechner voraus haben. In jeder anderen Hinsicht lässt das MacBook Air sie weit hinter sich: Sei es bei der Rechenleistung, sei es beim Bildschirm (von der Optik und natürlich auch dem Preis ganz zu schweigen).

Das MacBook Air ist ein ausgesprochen schneller und dabei sehr leiser Rechner. Man muss sich schon viel Mühe geben, um den Lüfter so richtig aus der Reserve zu locken. Meist bleibt es ebenso still wie das iPad. Davon abgesehen, trennen sich dann aber die Wege der beiden Geräte. Apple spricht bekanntlich vom „Post-PC-Zeitalter“, was man aber nicht wörtlich nehmen sollte.

Das iPad ist ganz in seinem Element, wenn es um den Konsum von Medien geht: Texte lesen, Bilder betrachten, im Web surfen und auch mal einen Film anschauen, dieses Tablet ist dafür wie geschaffen. Sein Touchscreen mit Zoom-Funktion lässt sich für jedes Medium optimal einstellen und man hat damit ein sehr augenfreundliches Gerät in der Hand. Das MacBook Air muss hier Abstriche machen, auch wenn die Größenverhältnisse beim Bildschirm das nicht vermuten lassen: 11,6 Zoll gegenüber 9,7 Zoll machen nur auf dem Papier Eindruck. In der Praxis ist das iPad eindeutig das lesefreundlichere Gerät.

Sobald man aber schreiben oder gar mehrere Programme parallel nutzen möchte, punktet das MacBook Air einerseits mit seiner vollwertigen Tastatur und andererseits mit der von PC’s bzw. Mac-Rechnern bekannten Möglichkeit, Programm-Fenster nach Belieben auf dem Bildschirm anzuordnen. Zudem können hier Dateien einfacher sortiert und abgelegt, bzw. über Dienste wie Dropbox oder ZumoDrive mit einem anderen Rechner synchronisiert werden. Wer wirklich produktiv arbeiten will, ist, zumindest derzeit, mit dem MacBook Air um Längen besser dran als mit einem iPad.

Das MacBook Air wird damit zum vollwertigen Begleiter für unterwegs, der durch nichts in Verlegenheit gebracht werden kann, außer vielleicht der gegenüber dem iPad deutlich geringen Akku-Laufzeit. Das iPad mit seinen 10 Stunden setzt hier einen Maßstab, dem das kleine MacBook Air einfach nichts entgegen setzen kann: 5 bis 6 Stunden sind möglich bei schonendem Umgang. Wer jedoch die kleine Kiste voll ausreizt, sollte sich spätestens nach 4 Stunden in Sichtweite einer Steckdose begeben.

Immerhin: Während das iPad so ausgelegt ist, dass es grundsätzlich „unverkabelt“ genutzt wird und man es während des Ladevorgangs eigentlich nicht gebraucht (nicht zuletzt weil sein Anschluss unpraktisch an der unteren Schmalseite angebracht ist), kann das MacBook Air sehr gut genutzt werden, während es an eine Steckdose angeschlossen ist. Die von Apple mitgelieferten Kabel sind so lang, dass dieser Betriebsmodus ganz offensichtlich den Segen von Steve Jobs besitzt.

MacBook Air unter Strom

Mein Fazit: Beide Geräte haben je ihre spezifischen Stärken und Schwächen. Als Arbeitsgerät bleibt das iPad dem MacBook Air unterlegen, während umgekehrt das kleine Notebook sich dem Tablet geschlagen geben muss, wenn es um den spielerischen und unterhaltsamen Part geht.

Wer für unterwegs oder auch zuhause ein vollwertiges Zweitgerät haben möchte, das klein, leicht und vielseitig einsetzbar ist, greift am besten zum MacBook Air. Sein hoher Preis mag auf den ersten Blick abschrecken, bereuen wird man den Kauf aber kaum. Natürlich kann man auch mit einem iPad glücklich werden. Am Glücklichsten jedoch ist zweifellos, wer beide Geräte besitzt…

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interessanter Vergleich. Ich habe mich für eine Kombination von iPad (1) und ganz neu erstandenem MacBook Pro 15 Zoll entschieden: iPad als Reise-, Lese-, Präsentations- und Schnell-mal-Mail-checken-Gerät. Wirklich komplexe Arbeiten gehen leider noch nicht. Für das iPad fehlt beispielsweise meinesn Wissens nach noch immer ein guter Editor fürs Bloggen. Und das MacBook nutze ich als leistungsfähigen Arbeitsesel. Dropbox, Evernote, Hootsuite & Lotus Traveler halten mein Daten dabei synchron.

  2. @DigitalNaiv: Die Schwäche des iPad im Umgang mit WordPress war bei mir einer der ausschlaggebenden Punkte für das MacBook Air. Das iPad kann einfach nicht vernünftig mit dem Backend von WordPress umgehen, die Apps die es gibt, sind kein wirklicher Ersatz.

  3. Also ich würde sogar noch weiter gehen. Ich habe zwar auch ein ipad, Netbook und 17″ Notebook – für Unterwegs usw. nicht schlecht – aber um wirklich vernünftig arbeiten zu können brauche ich doch einen klassischen Desktop-Rechner. Mit guter Grafikkarte, ordentlicher Tastatur (groß, getrennt von Monitor) und vor allem 2 Monitoren (26 und 22″).

  4. @Martin: Was den eigenen Schreibtisch betrifft, gebe ich Dir recht. Ein Desktop-Rechner mit großem Bildschirm ist hier sicher das Optimum. Alternativ könnte man ein leistungsstarkes Notebook mit einem großen Bildschirm verbinden, wie es in vielen Unternehmen gemacht wird.