Warum Manager nicht twittern

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Kennen Sie einen Manager der Twitter nutzt? Ich nicht. Dabei liegt es nicht daran, dass das Medium in Managerkreisen nicht bekannt wäre. Vielmehr liegt es am Arbeitsalltag dieser vielbeschäftigten Menschen, die nur relativ wenig Zeit allein hinter einem Bildschirm sitzen, dafür aber umso mehr Zeit in Meetings und Veranstaltungen verbringen.

Ihnen fehlt die Zeit, um bei Twitter am Ball zu bleiben. Einem Medium aber, das sie nur sporadisch und eher zufällig nutzen können, trauen sie keine Relevanz zu. Manager überlassen es nicht dem Zufall, wichtige Informationen gerade dann über ein (beliebiges) Medium zu erhalten, wenn sie mal ein paar Minuten Zeit dafür haben. Wichtiges darf ihnen gerade nicht zufällig über den Weg laufen, sondern muss ihnen systematisch übermittelt werden. Dabei können einzelne Nachrichten in einem Postkorb landen, der regelmäßig durchgesehen wird.

So ein Post“korb“ fehlt bei Twitter. Das Medium ist wie ein Fass ohne Boden, ein permanenter Fluss an Mitteilungen. Ein endloser Strom, der zudem viel Banales und Nebensächliches enthält. Sehr fokussierte Menschen (mit wenig Zeit) tun sich damit schwer.

Umgekehrt tun sich die Gründer von Twitter offenbar schwer damit, ihr Social Network so weiterzuentwickeln, dass auch Manager Gefallen daran finden können. Das gilt übrigens auch für die vielen Clients und sonstigen Tools, die rund um die Schnittstellen von Twitter entstanden sind. Die meisten von ihnen baden lieber in der Datenfülle des Mediums anstatt sie zu bändigen.

Vielleicht wird das jetzt anders: Mit KnowMore entsteht gerade ein Dienst, der verspricht, Wichtiges von Unwichtigem trennen zu können. Das in New York ansässige Startup könnte damit einer neue Generation von Tools den Weg bahnen, die uns nicht immer noch mehr News und Statusmeldungen liefern, sondern diese filtern und uns je nach situativer Relevanz benachrichtigen oder uns in Ruhe lassen.

Mit Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre ist völlig klar, dass wir mit immer mehr Daten konfrontiert sein werden. Das mobile Web oder auch das „Internet der Dinge“ (hier ein sehenswertes Video der IBM dazu) werden ihren Teil dazu beitragen. Individuelle Relevanzfilter werden also immer wichtiger werden. Zugleich werden gut funktioniere Filter dazu führen, dass mehr Menschen als heute Social Networks wie Twitter, Facebook oder Google Buzz akzeptieren und nutzen werden. Auch Manager!

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein Postkorb kann bei Twitter nur automatisiert funktionieren: Einzelne Tweets sind so kurz, daß man sie beim Scannen und Einsortieren schon ganz gelesen hat. (Höchstens Links kann man für später vormerken; ich mache das per Fav-Funktion.) Ich sehe kein Postkorbproblem, sondern ein Filterproblem:

    »Zu viel Information« (das ist ja mittlerweile ein Gemeinplatz) bedeutet in Wirklichkeit »Filterproblem«. Aber gerade filtern geht immer schlechter, sowohl bei Twitter wie auch bei RSS-Feeds. Filtern geht momentan fast überall nur mit Positivkategorien (dieser spezielle Feed, dieses spezielle Hashtag, diese Liste auch noch zusätzlich anzeigen); negative fehlen, und das macht es anstrengend. Echtes Filtern, also etwa die Möglichkeit, Tweets oder Postings nach den eigentlich ja zur Verfügung stehenden Informationen auszufiltern, fehlen. (Bei Twitter etwa: Tweets von bestimmten Applikationen blocken – kein Foursquare in meiner Timeline! –, bestimmte Hashtags ausblenden – Konferenz #xyzcamp interessiert mich nicht.)

    Technisch ist das alles kein Problem: Mailprogramme und Usenet-News-Reader können das schon alle seit Jahrzehnten. Wenn ich das mit Social-Media-Diensten machen will, muß ich entweder umständlich einzelne Feeds abonnieren, falls der Anbieter das zur Verfügung stellt (das heißt dann »alle FAZ-Feeds außer Sport und Finanzmarkt« einzeln auswählen, so daß dann der Artikel, der in Netzwelt, Politik und Feuilleton eingeordnet ist, dreimal im Reader liegt; daß mich eigentlich nur Kommentatorin X interessiert oder ich keine Hegemann-Artikel mehr lesen will, ist schon nicht mehr abbildbar), oder gar mit Yahoo Pipes basteln (da kann ich dann das alles machen, aber umständlich in einem dritten Tool, wo Filter doch so prominent in den Google Reader gehören würden, wie sie es in Google Mail sind).

    Die andere Möglichkeit wäre, automatisch zu filtern. Facebook und Buzz machen das; ein Algorithmus entscheidet, was nach oben fließt. Bei sowas habe ich immer das Gefühl, etwas zu verpassen, weil ich selbst nicht konfigurieren kann, was mir vorenthalten wird.

  2. Manager twittern nicht?

    Ich kenne eine ganze Reihe von Managern, sowohl weibliche wie auch männliche die twittern, einge auch aus dem normalen Wirtschaftsleben. Der Manager im klassischen Sinne gehört sowieso und glücklicherweise zum Schnee von gestern. Fakt ist im im Web 2.0, dass die bisher bestehende Wirtschaftsordnung mit ihren uns allen doch so vertrauten Informationswegen und einer partiellen Leitung von oben nach unten, beispielsweise Manager, Abteilungsleiter 1, 2 und 3 und weiter Angestellter/Arbeiter usw. sich aufzulösen beginnt. Das versetzt auch Menschen aus den „mittleren und unteren“ Schichten auf langfristige Sicht in die hervorragende Lage, an Informationen zu partizipieren, die vornehmlich bis dato immer nur bestimmten Gruppen und ausgesuchten Kreisen vorbehalten waren. Das ist gut so! Das rüttelt ganz gewaltig an diesem verstaubten und dazu noch oft unkontollierbaren Gehabe, elitärer Gruppen von Wirtschaftslenkern, Lobbyisten und Politikern, welche es in vielen Fällen schon komplett verlernt haben mit der Basis, den s. g. „normalen Menschen“ öfter einmal ein Wort zu wechseln und entsprechende Informationen auszutauschen. Es sind nicht alle so veranlagt, aber leider immer noch viel zu viele. Im Sinne von Web 2.0 bzw. Google ist in der heutigen Gesellschaft jeder ein Manager, nämlich sein eigener!

    In diesem Zusammenhang sei der Autor dieses Berichts darauf hingewiesen, dass man auch in Twitter sehr wohl für Informationen eine Wertigkeit nach eigenem Gutdünken zuordnen, und diese entsprechend kurzfristig und managerlike zur eigenen Verfügung bereit halten kann. Dazu beschäftige man sich nicht nur mit der Möglichkeit nach möglichst vielen Follower für den eigenen Account zu hecheln, sondern schaue sich genauer die Chancen der Anlage von Listen an, die man nach bestimmten Themengebieten dazu noch ordnen kann an. Leider zeigt sich hier wieder einmal mehr, woran es bei vielen der klassischen „Manager“ in der heutigen Zeit gewaltig mangelt. Sie sind mit einer neuen Herausforderung konfrontiert und aus Zeitmangel oder noch weniger innerer Bereitschaft, sich richtig damit zu beschäftigen, wird ein Urteil zu einem neuen Medium abgegeben, welches unsere Gesellschaft auf Dauer und nachhaltig verändern wird. Die klassiche Vorbildfunktion wird das Markenzeichen jedes „managenden“ Individuums werden und seine Mitarbeiter/Follower werden ihn ganz genau am Grad seiner Reden und den daraus resulierenden Taten gut zu beurteilen wissen.

    Sie können alle versichert sein, die Zeiten der Geheimniskrämerei um bestimmte Dinge sind endgültig vorbei, die Tranparenz kommt schneller als es Ihnen genehm sein wird. Sie zeigt in Zukunft genau, was jeder einzelne macht, ob er seine wahren Hausaufgaben erledigt hat und das viele Geld wirklich wert ist, was er/sie monatlich bezahlt bekommt. Auch bei Ihnen meine Damen und Herren!

  3. Was man bei der Aussage „Warum Manager nicht twittern“ bedenken sollte ist, dass es auf die persönliche Sichtweise ankommt was man überhaupt unter „twittern“ versteht.
    Für die einen ist es eine aktive Teilnahme. Sie produzieren täglich ihre Tweets und informieren damit ihre Follower.
    Für die anderen ist es lediglich ein passives Konsumieren. Sie lesen lediglich die Tweets um sich selbst zu informieren, produzieren aber selbst keinen eigenen Content. Trotzdem nutzen sie aber diesen Dienst und sehen in ihm einen Mehrwert.

    Manager würde ich daher ausnahmslos in die zweite Kategorie einordnen.

    Da sie nun also selbst keinen Mehrwert bieten, besteht für sie folgerichtig auch nicht die Notwendigkeit unter ihrer wahren Identität zu twittern.

    Daher behaupte ich mal, dass es wohl mehr Manager und Führungskräfte gibt die twittern als uns bewusst ist. Nur eben passiv und unter einem Pseudonym.

  4. @Felix: Gute Ergänzung, der ich voll zustimme. Mit Postkorb meine ich jedoch einen Mechanismus, der mir ein paar wichtige Meldungen (Tweets) sammelt, so dass ich sie lesen kann, wenn ich mal für ein paar Stunden oder einen ganzen Tag keine Zeit hatte, einen Blick auf Twitter zu werfen.

    @Jörg Nieß: Ich stimme Ihnen zu, dass sich die klassischen Arbeits- und Hierarchiestrukturen allmählich auflösen und wir in neue Formen der Zusammenarbeit hineinwachsen. Ihrem Lob der Twitter-Listen schließe ich mich aber nicht an. Denn die bündeln zwar einzelne Bereiche (nach Themen oder Personengruppen), so dass diese übersichtlicher werden. Letztlich aber sind auch die Listen eher ein „Strom“ und kein „Sammelbecken“.

    @smeiko: Interessanter Hinweis, den ich aus meiner Praxis bislang noch nicht so gesehen habe.

  5. Der Artikel bringt das Problem schon auf den Punkt, aber gearbeitet wird an diesem Filter-Problem schon seit sehr langer Zeit. Diese müssen halt nur stetig erweitert und für neue Gegebenheiten angepasst werden.
    Heute verwendet wohl kaum jemand mehr ein E-Mail-Postfach ohne Spam-Filter. Ich lasse mich von diesem Startup einmal überraschen und hoffe, dass es vielleicht der erste Schritt in die richtige Richtung ist. Fakt ist, dass man momentan so viele Informationen von so vielen Quellen erhält (Facebook, Twitter, Xing, linkedIn, E-Mails, RSS-Feeds etc.), dass man teilweise den Überblick verliert. Was war das noch für eine Zeit, als man lediglich einen physischen Posteingang in Form eines Postfachs auf dem Schreibtisch und ein E-Mail-Postfach zu überprüfen hatte …

  6. Es gibt nicht nur Manager, die nicht twittern.
    Schaut man sich einmal im „normalen“ Leben um, tut es fast niemand.
    Twittern, so muss man bei aller Offenheit eingestehen, ist ein Medium
    der Online-Gesellschaft und der Online-Affinen Menschen. Die Mehrheit
    der Bevölkerung zählt (noch) einfach nicht zu dieser Kategorie.

    Der Zeitmangel ist in meinen Augen kein wirkliches Argument nicht zu
    twittern. Das macht doch den Charm aus: Tweets mal eben zwischendurch
    zu schreiben. Eben „What are you doing?“. Verfolgen kann man den
    Stream später immer noch. Reaktionen auf die eigenen Tweets kann man
    auch später noch dank des @ Replys lesen. Gerade wenn wenig Zeit da
    ist, bietet es sich an zu twittern. Wieso nutzt man sonst Twitter und
    kein Blog?

  7. Vielen Dank für den Artikel, ich hab mich direkt darin wieder erkannt. Ich bin Unternehmer zählt das auch? 🙂

    Ich frag mich schon die ganze Zeit warum ich nicht twittere. Bei mir ist es wohl Mangel an Zeit (wobei Stefan nicht unrecht hat, das alleine kann es nicht sein, ich blogge ja). Daher ist es vermutlich mehr der mir fehlenden Sinn im Twitter.

    Für mich hat das leider keinen Charm im Internet mitzuteilen, dass ich mir gerade einen Tee koche oder der Akku von meinem Notebook gleich leer ist und Windows mich fünf mal daran erinnert hat, anstatt einfach mal selbst ein Netzkabel per Plugn-Pray anzuschließen.

    Lesen wäre ja möglicherweise noch interessant, aber wer filtert mir das unwichtige raus? Ich hab jetzt im Google Buzz alle rausgenommen die nur ihre Tweets darüber verteilen, weil zu 95% für mich Uninteressantes drin war.

  8. wird ein solches Bedürfnis nicht von diversen „Trendanzeigediensten“ bereits aufgegriffen? Google-Trends beispielsweise, oder Schlagwortrelevanz von Twittermeldungen.
    Grundproblem ist die Datenverdichtung welche bisher immer mit der atomarsten Form jedes Datensatzes beginnen muss.
    Diese wird bedarfsgerecht abstrahiert und in der notwendigen Managementform aufbereitet. Will man dies automatisieren geht es sehr schnell um das maschinelle Verstehen von Texten und unsortierten Datenreihen.
    Erst wenn Microsoft Word automatisch ein Management-Summary des folgenden Dokument einfügen kann, sind wir soweit, dass Twitter auch etwas für Managerkonsumenten sein kann. Solange kämpfe ich noch mit dem automatischen Inhaltsverzeichnis und verfolge sporadisch einige Twittermeldungen.

  9. Da heute sozusagen jeder Manager sein kann gibt es doch recht viele die Twittern. Es dürften etwa 99,9% aller Online Marketing Manager Twitter nutzen 😉