Social Media bei Daimler: Vorbildlich

Als Daimler im Oktober 2007 sein Blog startete war das Erstaunen groß. In der damals noch recht überschaubaren deutschen Blogosphäre hatte niemand damit gerechnet, dass ausgerechnet der schwäbische Automobilkonzern ein Corporate Blog aufsetzen würde. Zudem gab es anfangs Diskussionen über dessen Ausrichtung, weil diese nicht ganz dem entsprach, was damals an Erwartungen bezüglich bloggender Unternehmen gehandelt wurde.

Heute sind diese Diskussionen Geschichte und das Daimler Blog gilt längst als Vorzeigeprojekt in der leider noch immer relativ blogarmen deutschen Corporate Social Media Szene. Grund genug für ein kleines Update, was sich seither bei Daimler getan hat.

Seit 2008 versucht man sich auch an Twitter. Waren es anfangs nur die eher privaten Accounts der Social Media Experten bei Daimler, mit denen man (unauffällig) Erfahrungen sammelte, gibt es inzwischen vier offizielle Twitter-Accounts (auf der Ebene des Konzerns und überwiegend in deutscher Sprache): @Daimler, @Daimler_News, @Daimler_Career und @Daimler_BI (BI = Business Innovation). Schaut man auf die Follower-Zahlen, ist Twitter für Daimler bislang nicht der große Reichweitenbringer und kann damit noch nicht an den Erfolg des Blogs anknüpfen. Das mag natürlich auch daran liegen, dass Twitter in Deutschland insgesamt noch ein Nischenphänomen ist.

Vielleicht sollte man bei Daimler mehr auf Englisch twittern und damit gezielt das Twitter-Heimatland USA adressieren. Aber auch in Deutschland könnte noch mehr gehen, wie der Account des Mercedes-Benz Museums zeigt: Mit über 3.400 Followern verweist er die Konzern-Twitterer auf die Plätze.

Daneben besetzt Daimler für das Blog auch Terrain auf Plattformen, die nicht in erster Linie als eigenständige Kanäle gesehen werden müssen: Auf YouTube etwa und SlideShare. Interessant am Rande: Videos des Blog-Teams können schon mal mehr Reichweite erzielen als die mit hohem Aufwand produzierten Videos des Mercedes Benz TV-Channels. So geschehen im Januar 2010, wie die Abrufzahlen auf YouTube für die Videos zur Präsentation des neuen Formel 1 Teams zeigen (Blog Video versus Mercedes Benz TV).

Viele mögen diese neuen Wege immer noch belächeln und als nutzlos einstufen. Das aber ist eine gefährlich falsche Einschätzung. Denn zwischen 2010 und 2020 werden die alten (gedruckten) Massenmedien mehr und mehr an Reichweite und Akzeptanz verlieren (der Trend ist heute schon sichtbar), was auch der klassischen Unternehmenskommunikation ein Stück weit den Boden unter den Füßen entziehen wird. Gleichzeitig werden webbasierte Medienformate mit Dialogcharakter immer wichtiger. Dabei darf man nicht nur an das klassische Internet denken, sondern auch an Mobiltelefone, Tablets und nicht zuletzt an Bildschirme mit Internetanschluss in Autos.

Social Media sind vor diesem Hintergrund kein Randphänomen, sondern Ausdruck des Zeitgeists einer modernen Gesellschaft, in der Partizipation und Dialog auf Augenhöhe immer selbstverständlicher werden. Das fordert in Unternehmen ein nicht unerhebliches Umdenken. Viele entziehen sich dieser unbequemen Tatsache, schauen lieber weg und verharren bei den traditionellen Medien der Einweg-Kommunikation.

Bei Daimler dagegen stellt man sich den neuen Realitäten, baut frühzeitig Know-How auf und erleichtert damit auch in der Binnenperspektive den kulturellen Wandel in die neue Zeit. Das wird sich noch auszahlen.

Ein Hinweis zum Schluss: Nils König aus dem Social Media Team von Daimler führt bis Ende Februar 2010 eine Online-Befragung im Rahmen seiner Dissertation über Corporate Blogs durch. Teilnehmen kann jeder, der Blogs liest.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Humbled!
    Danke Matthias für diese differenzierte Bertrachtung von außen.
    Du hast angemerkt, dass Twitter für Daimler bislang nicht der große Reichweitenbringer ist. Das zwar richtig, aber wir twittern nicht wegen der Reichweite. Reichweite ist nicht alles – oder besser gesagt: Reichweite kommt erst durch die Summe aller Maßnahmen.
    Wir wissen alle, dass die Anzahl der Follower bei Twitter nicht aussagekräftig ist. Wichtig für uns ist, dass wir mit unserem Twitterengagement diejenigen erreichen, die uns auf anderen Kanälen nicht zuhören. Das müssen nicht viele sein. Theoretisch reicht ein einziger Multiplikator unter unseren Followern, dem eine Tweet gefällt und der ihn weiter trägt.
    Wie sonst lässt es sich erklären, dass man mit 2.500 Followern 4.100 Klicks bei einem Twitpic erreicht > http://twitpic.com/zon0d

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  8. Ich denke, das Twitter auf jeden Fall ein wichtiger Kanal sein kann.
    Schaut man sich nur mal die SERPS bei Google an findet man sehr häufig aktuelle Twitter-Beiträge auf einer der ersten Seiten.

  9. Mir gefällt der Blog von Daimler ehrlich gesagt nicht. Ist immer noch viel zu PR-mäßig weichgespült. Wenn die eine Überschrift schon „Verändern statt Anpacken“ lautet, schalte ich sofort ab….

    Generell ist mir das alles viel zu förmlich, die Welt ist schön, alles perfekt bei Daimler….etc….