Kleines Update zur großen Wirtschaftskrise

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Die Krise geht weiter und alles wäre vielleicht gar nicht so besorgniserregend, würde man nur von Seiten der Politik richtig reagieren. Aber ist das der Fall?

Immobilien

Mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA fing alles an. Problematisch ist hier, dass der Markt bis heute keine Bodenbildung gefunden hat. So fallen die Preise für Immobilien in den USA immer noch weiter, parallel dazu sinken die Baubeginne (Housing Starts) ebenfalls ungebremst weiter. Details hat das Blog Querschüsse. Die neue Regierung in den USA hat das Problem bislang nicht adressiert, das Konjunkturprogramm enthält jedenfalls keine Maßnahmen die hier greifen können.

Banken

Bekanntlich schwappte die Immobilienkrise auf die Banken über und sorgte dort für eine Vertrauenskrise, weil alle Institute erkannten, dass sie auf Bergen uneinbringlicher Forderungen saßen und sich deshalb gegenseitig kein Geld mehr leihen wollten. Auch dieses Problem ist noch nicht gelöst. Zwar haben die Regierungen eingegriffen und einzelne Institute gestützt. Diese Interventionen sehen aber noch immer so aus, als habe man den wahren Umfang der Probleme noch gar nicht erkannt.

Zudem tragen die Banken nicht unerheblich zur konfusen Lage selbst bei: Während einige auf rasche Hilfe vom Staat setzen, verweigern dies andere und geben vor, aus eigener Kraft durch die Krise zu kommen. Die Situation ist also völlig intransparent (und kann sich wöchentlich ändern). Mittlerweile gibt es auch Schätzungen zum Schadensvolumen der Kredit- und Derivate-Blase: Der IWF spricht von 2,2 Billionen US-Dollar (Egghat’s Blog), Goldman Sachs greift mit 4 Billionen (naked capitalism) etwas höher.

Staat und Währung

Das Problem ist nun, dass die Regierungen nicht in beliebiger Höhe Löcher stopfen können: Auf diese Weise würden zwar die Banken gerettet, dafür kämen aber einzelne Staaten bzw. ihre Währungen in Misskredit. Was in so einem Fall passieren kann, klingt im Artikel des Ökonomen Kenneth S. Rogoff an: Es werden immer noch keine Kredite vergeben oder wenn, dann nur zu exorbitant hohen Zinssätzen.

Hyperinflation

Das Stichwort steht im Raum, wenn es auch von den großen Medien noch vermieden wird. Hier nur der aktuelle Chart aus den Google Trends und ein Link (Zero Hedge Blog):

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Wer so etwas für völlig abwegig hält, sei daran erinnert, dass zumindest das britische Pfund als „angezählt“ gilt. Denn die Briten müssen – wie die USA – neben der Banken- und Wirtschaftskrise eben auch eine Immobilienblase verdauen. Eine ausführliche Debatte zum Thema (und seinen Varianten) hat das Cassandra Does Tokyo Blog.

Fazit

Die Krise hät längst historische Dimensionen erreicht, aber die Politik noch nicht viel getan. Mir scheint, dass vielfach das volle Ausmaß immer noch nicht erfasst wurde und man gerade in Deutschland an ideologischen Fixierungen („Bloss keine Verstaatlichung“) festhält, obwohl diese nicht zur Situation passen. Zudem sitzen, in Europa ebenso wie in Amerika, viel zu viele „Experten“ mit am Tisch, die eigentlich eher auf die Anklagebank gehörten, weil sie die Probleme mitverursacht haben, von denen sie uns nun befreien wollen…

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