Frankreichs Zeitungen: Gut subventioniert in den Medienwandel

Mit 600 Millionen Euro unterstützt Nicolas Sarkozy aktuell Frankreichs Presse. Auf drei Jahre verteilt soll mit diesem Betrag der schwächelnden Branche geholfen werden. Dabei ist das Paket an Maßnahmen, das da geschnürt wurde, so bunt gemischt wie eine Bouillabaisse: Vieles unterstützt speziell den Druck und die Distribution von Zeitungen, manches mutet eher kurios an, wie etwa die Tatsache, dass künftig alle 18jährigen ein einjähriges, kostenloses Abonnement einer (gedruckten!) Zeitung ihrer Wahl erhalten sollen.

Grundsätzlich sind Subventionen für die Presse in Frankreich nichts Neues: Schon seit der Revolution 1789 sah man es als eine Aufgabe des Staates an, für eine freie Presse Sorge zu tragen und damit die Meinungsfreiheit und -vielfalt zu unterstützen. Dementsprechend profitiert die Branche lange schon von reduzierten Steuersätzen oder speziellen Portotarifen im Postvertrieb.

Das neu aufgelegte Subventionspaket knüpft also an alte Traditionen an, wenngleich Sarkozy dabei betont, dass die Presse darüber den Medienwandel nicht verschlafen und die dreijährige Phase der Unterstützung explizit für die Gestaltung des Wandels nutzen soll. Aber wird sie das auch tun?

Wohl kaum. Denn die Subventionen stützen in erster Linie die alten Strukturen, also die Bereiche Druck und Distribution. Das ist kein Schritt in Richtung Medienwandel. Kritische Stimmen in Frankreich betonen deshalb, dass damit nur die Abhängigkeit vom Staat vergrößert und der Medienwandel hinausgezögert wird.

In Deutschland fand das Thema keine größere Beachtung, wenn auch die Medien selbst die Vorgänge in Frankreich aufmerksam verfolgen werden. Für sie ist das eine Steilvorlage für den Zeitpunkt, da sich auch hierzulande die Druckerpressen nicht mehr rentabel betreiben lassen! Für die Onlinemedien, die ihre ganz eigenen Probleme haben, ist diese Entwicklung aber ein herber Rückschlag.

Nur Nicolas Sarkozy hat Grund zur Freude: Frankreichs Zeitungen werden ihm ergeben sein während die meinungsfreudige Bloglandschaft weiter unter ungleichen Bedingungen arbeiten muss. Honi soit qui mal y pense…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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