Enterprise 2.0: Rettungsanker in der Krise?

Helfen die Tools des Web 2.0 (respektive Enterprise 2.0) in der aktuellen Krise? Andrew McAfee hat neulich skizziert, wie er damit der amerikanischen Automobilindustrie beispringen würde. Der Artikel ist lesenswert, lässt aber etliche Fragen offen.

Eine interessante Antwort auf McAfee habe ich nun im Collaboration und Content Blog der Burton Group gefunden: Larry Cannell schlägt deutlich vorsichtigere Töne an, auch wenn er den Einsatz von Wikis, Blogs und anderen Tools natürlich befürwortet.

Mein Beitrag in dieser Sache ist der Blick auf die mittelständisch geprägte Industrie, die vielfach in der Rolle von Zulieferern (etwa von Maschinen) mit der Automobilindustrie zusammenarbeitet. Dort hat man in den letzten Jahren gut verdient und war viel zu beschäftigt, um sich mit neueren Entwicklungen aus dem Internet zu befassen. Der Schock über die plötzlich hereingebrochene Krise sitzt hier tief und die akute Sorge gilt derzeit überwiegend noch den Kreditlinien bei der Bank.

Was danach kommt, wird man sehen müssen. Stellenweise dürfte die Akzeptanz des Web 2.0 schon zunehmen, aber eben nur „stellenweise“. Anderen wird erst die eigene Insolvenz bzw. die Übernahme durch einen Konzern oder eine Private Equity Gesellschaft auf die Sprünge helfen. Ich schreibe das hier ohne Häme oder Ironie. Denn zumindest der schwäbischen Seele liegt dieses Web 2.0 nicht, so viel habe ich inzwischen lernen müssen: Das offene Diskutieren in Blogs, der schnelle Gedankenaustausch über Twitter, die hierarchiefreie Zusammenarbeit in Wikis (wo der Chef kaum mehr gilt als der Lehrling!), das alles ist den Menschen hier eine rechte Zumutung…

So gesehen stimmt der berühmte Spruch, die Schwaben könnten alles außer Hochdeutsch, nicht ganz: Sie können auch kein Web 2.0 und brauchen deshalb nicht so sehr eine Wirtschaftskrise, als vielmehr einen Generationenwechsel, um wieder auf der Höhe der Zeit zu sein. Dann aber sind wir wieder ganz vorne dabei, darauf mache ich jede Wette!