Automobil 2.0: Mit oder ohne Deutschland?

Was getan werden kann, wird auch getan. Unter dieses Motto stellt Thomas L. Friedman („Die Welt ist flach“) seinen Kommentar in der New York Times zur aktuellen Lage der amerikanischen Automobilindustrie und fragt sich, warum die neuen Ideen alle nicht aus Detroit kommen.

So bekommt gerade Shai Agassi mit seinem Startup „Better Place“ zunehmend Boden unter die Füsse, nachdem man ihn jetzt auch in Japan als einzigen ausländischen Partner in ein Projekt aufgenommen hat, mit dem das Konzept der austauschbaren Batterien in der Region Yokohama getestet werden soll.

Für viel Gesprächsstoff in den USA sorgt nach wie vor der Tesla Roadster, dessen Serienfertigung jetzt endlich laufen soll. In Europa macht derweil der Schweizer Lorenzo Schmid von sich reden, der ein Elektrofahrzeug namens Mindset entwickeln lässt und dafür den ehemaligen VW-Chefdesigner Murat Günak gewinnen konnte.

In Deutschland gibt es noch den Loremo, an dem nun auch schon einige Jahre gebastelt wird und dem man, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, jetzt auch eine Version mit Elektroantrieb zur Seite stellen will. 2010 soll das Fahrzeug auf den Markt kommen.

In Umrissen wird also schon erkennbar, in welche Richtung das „Auto 2.0“ fährt. Ebenso erkennbar ist, wie lustlos und träge die etablierten Hersteller sich auf diesen Wandel einstellen. Und genau das könnte noch mal böse enden. Denn was ist, wenn die Konsumenten einfach den Kauf neuer Autos einstellen und abwarten, bis vernünftige Elektro- oder Hybridkonzepte auf den Markt kommen?

Die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt uns, wie unglaublich schnell heute die Nachfrage in einem Markt wegbrechen kann, so dass selbst eben noch solide Anbieter fast schon über Nacht zu Wackelkandidaten werden. Freilich können die paar Teslas und Loremos den Markt überhaupt nicht bedienen. Aber sie haben eine katalytische Funktion, in dem sie zeigen, dass es auch anders geht. Stellen sich die Konsumenten darauf ein, könnte die Nachfrage durchaus für ein paar Jahre um 20 % bis 30 % unter das heutige Niveau absacken, Wirtschaftskrise hin oder her. Und das denke ich, hat man sich in den Chefetagen nicht nur in Detroit noch nicht hinlänglich bewusst gemacht.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. wenn ich die Zeichen richtig deute ist der Kauf neuer Autos bereits eingestellt. Im folgenden Umgang mit den pleitegehenden Autohäusern, wird sich nun zeigen wie weit die Hersteller in Punkto Händlernetz 2.0 sind.

    Ist es denn nicht so, dass gerade die Händler mit allen Sensoren am Kunden dran sind? Und dass sich Auto 2.0 in Wirklichkeit gerade am Bedürfniss des Kunden orientiert?

  2. Ich vermute, dass diese Krise nicht nur dazu beiträgt, welche Autos wir kaufen, sondern sie wird zu der Frage führen, ob wir überhaupt noch Autos kaufen werden?

    Kann es nicht sein, dass wir jetzt an dem Punkt angekommen sind, wo das alte Geschäftsmodell sein Ende erreicht hat und wir nicht mehr Geld dafür ausgeben, ein Auto zu besitzen, sondern um es zu benutzen?

    Jeremy Rifkin hat das schon vor vielen Jahren beschrieben. In manchen Branchen ist das schon länger zu beobachten, nun könnte dieser Ansatz auch die Automobilbranche erreichen. Gerade in Zeiten, wo das Geld knapp ist, bietet es sich an, nur für die Fahrleistung Geld auszugeben und nicht für den Besitz eines Autos.

    Jetzt wäre es an der Automobilbranche, hier die entsprechenden Angebote zu entwickeln. Zahl ein Auto, nimm zwei klingt zwar nett, aber es ist, so diese Meldung über die Sonderangbeote amerikanischer Händler wirklich stimmt, der verkehrte Ansatz.

  3. @Oliver: Dem besten Händler sind die Hände gebunden, wenn er keine Alternativen anbieten kann. Denkbar ist, dass die Kunden vergleichsweise teure aber umweltfreundliche Elektrofahrzeuge wesentlich lieber kaufen würden, als die Hersteller (noch) glauben wollen. Allein der Händler fällt als „Sensorium“ leider aus, wenn er nur Autos mit konventionellem Verbrennungsmotor auf dem Hof stehen hat. Die Kunden wissen das und bleiben einfach weg.

    @Christian: Ich gebe Dir prinzipiell recht. Allerdings überrascht mich dann die Plötzlichkeit und Heftigkeit des Umdenkens! Noch im Sommer 2008 verkauften sich (konventionelle) Autos hierzulande relativ gut – und allein mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise setzt sich binnen Wochen ein völlig neues Paradigma durch? Kann so etwas so schnell gehen?

    Ein Problem der Autohersteller und Händler gleichermaßen ist doch, dass die meisten Fahrzeuge heute auf Kredit (oder Leasing) „gekauft“ werden. Die amerikanische Kreditkrise macht nun aber allen klar, wie riskant solche Käufe auf Kredit sein können. In der Folge verschiebt man die Entscheidung (individuell), mit der kollektiv verheerenden Wirkung, dass der Markt über Nacht mehr oder weniger zusammenbricht.

    In der Folge gehen die ersten Zulieferer und Händler Pleite, die Hersteller melden Kurzarbeit an und die Krise ist wirklich da: Jetzt kauft erst recht keiner mehr ein neues Auto! Die Lösung könnte sein, dass die Industrie jetzt den Kommentar von Christian hier im Blog sorgfältig liest und blitzschnell mit neuen Mobilitätskonzepten die Abwärtsspirale noch irgendwie auffängt…

    Alternativ könnte unsere Bundesregierung anstatt der dümmlichen Steuerersparnis auf umweltfreundliche Neufahrzeuge Autokredite versichern, in dem sie jedem Bürger für den Fall seiner Arbeitslosigkeit eine Ausfallgarantie gewährt, bei der er sogar das Auto behalten darf. So bliebe der Kauf eines neuen Autos weitgehend risikolos und die Autobranche käme weitaus besser durch das Konjunkturtal.

  4. Wozu muss ich denn ein Auto besitzen? Zumindest in der Stadt ist das doch nicht mehr notwendig? Ich sehe die Zukunft eher in Modellen wie z.B. car2go von Mercedes.

    Wenn man sich das Verhältnis zwischen Parken und Fahren anschaut, dann zeigt sich, dass wir uns das Auto vor allem dafür anschaffen, um es irgendwo zu parken. In dieser Zeit bringt es uns keinerlei Nutzen, d.h. die Investitionskosten sind für die Zeit, in der wir das Auto bewegen, enorm hoch.

  5. @Christian: Du hast vollkommen recht. Eine veränderte Sicht auf die Mobilität hätte aber auch noch ganz andere Folgen – der klassische Einzelhandel (soweit zu Fuß zu erreichen) könnte eine Renaissance erleben, während die großen Einkaufszentren vor den Toren der Städte vielleicht Umsatzeinbussen hinnehmen müssten. Im Grunde würde uns das sogar viel Lebensqualität zurückbringen…