RSS im Unternehmen

RSS (Really Simple Syndication) könnte in vielen Unternehmen Nutzen stiften, wenn es da nicht ein paar Hürden gäbe. Hier soll aber nicht über fehlendes Wissen oder ablehnende Haltungen geschrieben werden. RSS steht oft auch vor ganz praktischen Problemen.

Bisweilen sieht es nämlich so aus, als würde man einen Ferrari auf einen Feldweg setzen. Und um im Bild zu bleiben: Es ist völlig klar, dass ein Ferrari auf dem Feldweg seine Stärken nie wird zeigen können. Allenfalls nimmt er durch Steinschlag und Schlaglöcher Schaden an seiner Karosserie.

Ebenso kann RSS in einem Unternehmen oft nicht zeigen, wie leistungsfähig diese im Prinzip kostenlose Software ist, weil es an der Infrastruktur in Form von geeigneten Feeds fehlt. Naheliegend wäre ja, in einen Feedreader zunächst einmal Blogs und andere Medien aus dem Internet einzuspeisen. Leider sieht es hier in vielen Bereichen bzw. Branchen noch schlecht aus: Teils gibt es wenig bis keine fachspezifischen Blogs, teils fehlen die Feeds auf den Webseiten und teils sind wichtige Medien online gar nicht verfügbar: Das Papier dominiert vielfach noch stärker, als wir Berater gerne wahrhaben wollen.

Was also tun?

  1. Geeignete Onlinemedien suchen: Wo es auf den ersten Blick scheinbar nichts gibt, tut sich bei einer etwas gründlicheren Betrachtung oft mehr auf, als man vermuten würde. Zudem kommt hier zum Tragen, dass ein ein einzelnes Medium nicht für die ganze Firma interessant sein muss, sehr wohl aber an einem bestimmten Arbeitsplatz sinnvoll sein kann. Die oft noch in den Kategorien von (pauschalen) Massenmedien denkenden Mitarbeiter müssen bisweilen erst darauf gebracht werden, dass mit RSS sehr individuelle Lösungen möglich sind.
  2. Feeds erstellen, wo noch keine sind: Sind erst einmal interessante Seiten im Web gefunden, erweist sich oft, dass diese gar keinen eigenen Feed haben. In diesem Fall helfen Dapper und diverse Alerts. Mit Dapper kann man sich selbst Feeds erstellen, während Alert-Dienste helfen, (neue) Informationsquellen zu bestimmten Themen oder Stichworten zu finden bzw. regelmäßig abzusuchen. Sehr vielseitig, aber auch komplex sind die Yahoo Pipes, die etwa das Bündeln von Informationen aus verschiedenen Quellen in einen Kanal (Pipe) ermöglichen.
  3. Interne Daten per Feed zugänglich machen: In jedem Unternehmen gibt es wichtiges Datenmaterial, etwa in Form von Excel-Sheets, das laufend aktualisiert wird. Hier kann man mit Hilfe von RSSBus, einer allerdings kostenpflichtigen Software, Feeds erstellen und so Mitarbeiter über Veränderungen ganz automatisch informieren (via ChiefTech). Noch einen Schritt weiter geht der Ansatz eines speziellen Feed-Servers, wie er etwa mit Attensa möglich wird. Diese ebenfalls kostenpflichtige Software ermöglicht es, auch Formulare zur Bearbeitung per Feed an Mitarbeiter zu leiten (ebenfalls via ChiefTech).
  4. Wikis und Blogs einführen: Die Königsdisziplin ist natürlich die Einführung von Social Software. Das kann ein Intranet auf der Basis eines Wikis sein, aber auch ein Blog als Schwarzes Brett. Wird etwa beim schwarzen Brett darauf geachtet, dass mit verschiedenen Kategorien gearbeitet und für jede Kategorie ein separater Feed angelegt wird, muss sich niemand über zu viele unnütze Neuigkeiten im Feedreader aufregen.

RSS erweist sich meistens dann als hilfreich, wenn ein Unternehmen mit Wissen aus sehr vielen Gebieten umgehen muss. Das kann etwa eine Bank sein, die im Geschäft mit Firmenkunden auf Nachrichten bzw. Wissen aus ganz unterschiedlichen Branchen zurückgreifen muss, sich aber nicht überall die einschlägigen Fachzeitschriften leisten will. Jeder Berater kann sich so in Abhängigkeit seines Kundenstammes sein eigenes Portfolio an Nachrichten zusammenstellen und dabei gleichzeitig noch die Webseiten seiner Kunden (unauffällig) einem Monitoring unterziehen.

Auch Rathäuser und Landratsämter, die als Verwaltungseinheiten eine sehr breit angelegte Verantwortung tragen, können mit RSS effizient und sehr kostengünstig im Prinzip ein unbegrenzt breites Informationsspektrum im Auge behalten.

In Hightech-Branchen können Startups ihr (globales) Wettbewerbsumfeld mit RSS im Auge behalten und so frühzeitig von neuen Entwicklungen und den Aktivitäten der Konkurrenz erfahren. Gerade in Märkten mit sehr hohem Innovationstempo wird man es anders künftig gar nicht mehr bewerkstelligen können.

Mit etwas Fantasie kann man also durchaus den Ferrari fahren lassen! Man muss nur zusehen, dass der Feldweg geteert und möglichst gut ausgebaut wird…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Knowledgegarden - The Rock » Unternehmen immer auf dem Laufenden mit RSS…

  2. Ich denke, die Haupthürde hier ist erstmal, die Verantwortlichen in die Thematik einzuführen, allerdings sind Deine Ansätze für den Nutzen von RSS in Unternehmen sehr interessant.