Wikis denken

Die Wikipedia kennt inzwischen jeder. Das aber ist genau das Problem in vielen (kleineren) Unternehmen, wenn ihnen vorgeschlagen wird, Wikis einzuführen. Denn beim Thema Wiki denken viele erst einmal an die Wikipedia und haben dann ein großes und ziemlich perfektes Lexikon vor Augen.

Welches Unternehmen aber kann es sich leisten, so ein Lexikon aufzubauen? Und warum sollte man das machen, wenn man in den letzten Jahrzehnten gut ohne hauseigenes Lexikon ausgekommen ist?

Hier zwei Beispiele, was man mit Wikis noch machen kann:

Wikis in der Ausbildung: Azubis erhalten ein Wiki, dass bereits Seiten mit Begriffen und Illustrationen aufweist, aber keine Texte enthält. Lernen die Azubis nun etwas über ein Produkt (etwa eine Maschine), können sie nach und nach das Gelernte in eigenen Worten im Wiki beschreiben. Die schon vorgegebenen Stichworte helfen bei der Strukturierung des Wissens. Der Ausbildungsleiter kann später beim Querlesen überprüfen, ob seine Azubis den Kern der Sache verstanden haben und (verbal) richtig beschreiben können. Das Arbeiten mit einem Wiki hilft so nicht nur Wissen aufzunehmen und korrekt wiederzugeben, sondern fördert auch den Sinn für kollaboratives Arbeiten im Team.

Wikis in der Wartung von Maschinen: Ingenieure oder Techniker müssen Maschinen warten bzw. inspizieren, das liegt in der Natur der Technik. Als Hilfsmittel steht meist eine technische Dokumentation zur Verfügung, die etwa als Gebrauchsanleitung (gedruckt, auf CD-ROM oder teilweise auch schon online) verfügbar ist. Wo aber macht man sich dazu Notizen? Wo hält man fest, wie man Fehlfunktionen gefunden und behoben hat? Und wie teilt man das gewonnene Wissen mit den Kollegen?

Die vielfach üblichen Wartungsprotokolle helfen da nicht weiter, weil sie meist nicht als  Wissenspool zur Verfügung stehen, der nach Komponenten oder Techniken durchsucht werden kann. Ein Wiki kann hier Abhilfe schaffen: Um aber nicht bei Null anfangen zu müssen, füllt man das Wiki vorab schon aus der technischen Dokumentation mit einer Grundstruktur von Daten (Einzelteile, Funktionsbeschreibungen…).

Läuft nun eine Wartung oder Inspektion reibungslos ab, wird das Wiki gar nicht benützt. Muss aber eine Fehler gefunden und behoben werden, erfolgt danach eine Dokumentation im Wiki. Dabei muss nur darauf geachtet werden, dass die Problemlösung nicht ähnlich gut (im Wiki) versteckt wird, wie vielleicht das Ausgangsproblem an der Maschine. Die größte Hürde einer solchen Lösung dürfte aber eher darin liegen, dass viele Techniker oder Ingenieure im Außendienst noch nicht online auf die Daten ihrer Firma zugreifen können.

Beide Beispiele zeigen, dass ein Wiki zum Start schon mit bestimmten Daten bzw. einer Datenstruktur versehen sein kann, um besser akzeptiert zu werden. Was nämlich für typische Wissensarbeiter eine Freude ist, nämlich ein Themenfeld ganz neu zu strukturieren, kann für andere Mitarbeiter eine Hürde sein: Sie fühlen sich erst wohl, wenn sie schon eine praktikable Struktur vorfinden, anhand derer sie dann arbeiten und so ihre Stärken zeigen können.