Marke Eigenbau: Eine Buchkritik

Wer mein Blog liest, sollte auch dieses Buch lesen. Marke Eigenbau ist ein Text, der vielleicht wie kein anderer in unsere krisenhafte Zeit passt. Zu einer Zeit, in der weltweit Banken teilverstaatlicht werden müssen und ganze Länder (Island etwa) am Rande des Staatsbankrotts taumeln, schreiben Holm Friebe und Thomas Ramge von einer neuen Zeit, in der „der Fortschritt der Produktionsmittel einen Stand erreicht hat, der es erlaubt, dass der Mensch als produzierendes und konsumierendes Wesen im Gesamtprozess wieder stärker zur Geltung kommt“.

Diese neue Zeit ist längst angebrochen, wie die Autoren anhand zahlreicher Beispiele aus vielen Lebensbereichen zeigen können. Das macht zugleich die Stärke des Buches aus: Es wird keine (langweilige) Theorie präsentiert, sondern anhand einer langen Kette interessanter Beispiele gezeigt, wie sich das Neue seinen Weg bahnt und anfängt, unsere Gesellschaft (bzw. die Weltgesellschaft) zu verändern.

Bei allem Lob hat das Buch aber auch ein paar Schwächen. Da wäre etwa die an manchen Stellen etwas arg ideologisch klingende Sprache. Schon der Untertitel des Buches, „Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion“, erinnert doch stark an das Vokabular der SED und assoziiert eine Art der Kritik am Kapitalismus, die dem Buch so gar nicht gerecht wird. Auch die Fülle der Beispiele, so lobenswert diese ist, ufert gegen Ende des Buches etwas aus und dehnt stellenweise den Begriff der Marke Eigenbau etwas weiter als eigentlich nötig wäre.

Nicht genug loben kann ich dagegen die Tatsache, dass hier ein Wirtschaftsbuch vorliegt, dessen Autoren das Web (und auch das Web 2.0!) verstanden haben. So beschreiben sie an etlichen Stellen sehr genau die immer wichtiger werdende Verbindung von Realwirtschaft und Internet: Die Marke Eigenbau ist eben keine nostalgische oder rückwärtsgewandte Angelegenheit, sondern verbindet geschickt Tradition und Werte (des Handwerks etwa) einerseits mit moderner Technik und Kommunikation (über das Internet) andererseits.

Und das ist eine sehr positive Entwicklung! Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist also nicht zwangsläufig nur ein anonymes Rädchen in einem globalisierten Wirtschaftsgefüge großer Konzerne und austauschbarer Massenprodukte. Die Marke Eigenbau schafft dazu Alternativen. Allerdings sind für sie wiederum Eigeniniative, Kreativität und der Wille zur Selbstorganisation nötig! Der Ruf nach einem fürsorglichen Wohlfahrtsstaat oder auch einer lebenslangen Beschäftigungsgarantie in einem Konzern mit vielfältigen (übertariflichen) Sozialleistungen sind der Marke Eigenbau wesensfremd.

Aber das ist eigentlich kein Problem. Denn wo unsere beiden Autoren noch die Sorge hegen, dass das politische Klima die Eigeninitiative in unserem Land unnötig behindert, können wir eigentlich schon aufatmen: Die Pakete, die gerade in Berlin (und an fast allen anderen Regierungssitzen) zur Rettung des Finanzsystems geschnürt werden, nehmen dem Staat auf sehr lange Sicht den Spielraum für Spielereien in Sachen Wohlfahrtstaat. Welche Partei wohl als Erste draufkommen wird, von den Bürgern wieder mehr Eigeninitiative und Engagement zu fordern? Die Linke wird es nicht sein…

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Starker Einstiegssatz! Und Appetit hast du auch gemacht. Wenn ein Wirtschaftsbuch auf „Eigeniniative, Kreativität und der Wille zur Selbstorganisation“ an der Schnittstelle von „Realwirtschaft und Internet“ abzielt könnte es spannend werden für kleine Unternehmer. Viele Grüße, Ludwig