Virtuelles, Allzuvirtuelles: Wie praktikabel sind 3D-Welten?

Als ich dieser Tage einen Kommentar zu einem schon älteren Beitrag bekam, entstand die Idee, davon eine Neuauflage zu machen. Christian Henner-Fehr könnte heute nämlich berichten, dass sich im Kulturbereich in Sachen Web 2.0 seit letztem Jahr doch Einiges getan hat. Aber in welcher Form sollte diese Neuauflage erfolgen?

 

Die Textform schien mir nicht mehr zeitgemäß und so dachte ich an ein Treffen in einer virtuellen Welt. Bei dieser Gelegenheit warf ich einen schnellen Blick auf Lively von Google, verwarf die Idee dann aber wieder.

Lively fehlt nicht nur der Voice Chat, sondern in meinen Augen noch etwas anderes, das mich auch an Second Life stört und das vielleicht eine Erklärung dafür bietet, warum diese virtuellen Welten außer im Bereich der Spiele noch nicht so recht in Fahrt gekommen sind: Der Avatar, das bin nicht ich! Weder sieht er so aus, noch bewegt er sich so. Will ich also Dritten gegenüber etwas von mir vermitteln, scheidet so ein Avatar weitgehend aus, weil er kaum Rückschlüsse auf meine „wirkliche“ Person zulässt.

Bei Spielen ist das kein Hindernis, im Gegenteil: Dort schlüpft man ja absichtlich in eine andere Rolle. In Second Life hingegen ist ein Avatar bestenfalls eine schöne Selbstinszenierung die zeigt, wie man gesehen werden möchte.

Deshalb soll aber der Stab über die 3D-Welten nicht gebrochen werden. Hier ein Ansatz der IBM, den ich für vielversprechend halte: Ein Problem wird gelöst, in dem sich zwei Mitarbeiter im virtuellen Raum treffen und dabei anhand eines 3D-Modells festlegen, was wo zu machen ist (via eightbar).

Das Beispiel zeigt, dass eine virtuelle Umgebung für die Erörterung von Sachproblemen sehr nützlich sein kann. Steht aber der Mensch im Mittelpunkt, schwächelt das Konzept der 3D-Welt (noch). Das dürfte auch der Grund sein, warum Geeks wie Robert Scoble immer noch mit der Kamera durch die Gegend laufen. Ob ich deswegen jetzt auch eine Kamera kaufen und für ein Interview zu Christian nach Wien fahren soll? Der würde Augen machen…