Warum macht Google das alles?

Mittlerweile vergeht ja kaum mehr ein Tag, an dem Google nicht irgendetwas Neues einführt. Das Tempo bzw. die Schlagzahl, mit dem das gerade 10 Jahre alt gewordene Unternehmen aus Kalifornien inzwischen vorgeht, ist schon erstaunlich, ja fast beängstigend.

Für Aufmerksamkeit im großen Stil sorgte zuletzt Chrome, ein ganz neuer Browser. Weniger Beachtung fanden die Videofunktion in den Google Apps und die Neuerungen bei Picasa. Ganz aktuell ist eine Initiative, mit der Google die Archive von Zeitungsverlagen ins Netz bringen und für die Suche zugänglich machen will. Wohlgemerkt: Das sind nur die Neuigkeiten der letzten 10 Tage und ich behaupte nicht, dass meine kleine Liste vollständig ist.

Im Kern ist Google jedoch eine Suchmaschine mit „Werbeabteilung“. Warum also diese ständig wachsende Schaar zusätzlicher Produkte, von denen die meisten zudem völlig kostenlos angeboten werden?

Manche sehen darin einen (erbitterten) Wettbewerb mit Microsoft. Andere vermuten, dass all diese Produkte ein Ausfluss der Hausregel von Google seien, wonach jeder Mitarbeiter an vier Tagen in der Woche seine normale Arbeit erledigen und am fünften Tag eigenen Projektideen nachgehen dürfe.

In meinen Augen ist eine andere Erklärung viel plausibler: Google lebt von Werbung im Kontext seiner Suchmaschine. Das Lebenselixier für Google ist also das Internet an sich sowie dessen Umfang und Nutzungsintensität. Je stärker das Internet genutzt wird und je schneller es wächst, desto mehr werden auch die (komplementären) Kernprodukte von Google, Suche und Werbung, nachgefragt.

Betriebswirtschaftlich ausgedrückt unterstützt Google also das Wachstum seines Marktes. Solange das Unternehmen dabei seinen Marktanteil halten oder weiter ausbauen kann, ist das eigene Wachstum gesichert. Schauen wir in diesem Kontext auf den Aktienkurs von Google, so fällt auf, dass man dem Unternehmen seit 2008 die (unendliche) Wachstumsphantasie nicht mehr so recht glauben mag. Der Kurs hat jedenfalls einen Einbruch erlitten und tendiert seither seitwärts.

So gesehen mutet Google’s immer schneller wachsende Schaar von Diensten und Initiativen schon ein wenig verzweifelt an, wenn man sie im Licht des Aktienkurses sieht. Denn strategisch betrachtet kann das Unternehmen sonst kaum etwas machen, um das Werbevolumen im Internet insgesamt auf Wachstumskurs zu halten. Denn das ist schon ein ziemlich großes Rad, an dem es zu drehen gilt, selbst für Google.

Als Beleg für meine Vermutung werte ich die Meldung, dass Google aktuell ein Startup unterstützt, das mittels Satellitentechnik das Internet in den weniger entwickelten Ländern rasch voran bringen will. Nichts könnte Google wohl gelegener kommen als viele neue Internetuser in Afrika, Asien und auch Südamerika…

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Matthias,

    ich denke dass personalisierte Nachfrage- und Nutzenfunktionen das Ziel der erweiterten Angebote von Google sind. Wenn man es schafft die individuellen Bedürfnisse der Nutzer herauszufinden, dann kann man diese Informationen an Firmen verkaufen, oder aber selbst in der Realwirtschaft tätig werden und so das unternehmerische Risiko minimieren.

    Beste Grüsse,

    Florian

  2. @Florian: Interessanter Gedanke. Mit aussagekräftigen Userprofilen lässt sich natürlich auch Werbung gezielter schalten. An dieser Stelle muss Google aber aufpassen, dass man nicht zu weit geht.

  3. Sooo verzweifelt scheint mir die Lage von Google nun auch wieder nicht zu sein. Vor allem nicht wenn man sein Schicksal nicht direkt an den tagesaktuellen Aktienkurs bindet.

  4. @Patrick: Klar! Im Artikel habe ich aus „dramaturgischen Gründen“ die Sache etwas überspitzt formuliert. Aber vielleicht liege ich doch näher bei der Wahrheit als man meinen könnte?

    Zwar sind die Gründer von Google sowie Eric Schmidt finanziell so weit jenseits von Gut und Böse, dass ihnen der Aktienkurs egal sein kann. Denkbar ist aber, dass es Optionsprogramme für jüngere Mitarbeiter gibt, die auf einen (weiter) steigenden Kurs setzen und derzeit nicht viel Anlass für Freude bieten…

  5. Pingback: stefan.waidele.info » Blog Archive » Wenn die Benutzer Firefox nicht mehr trauen können, ist Firefox tot…