Das Web 2.0 und die (bayerischen) Buchverlage

Eigentlich war es ja eine sehr gute Idee, die der Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels da hatte: Ein Seminar für Verlage zum Thema Web 2.0 (mit mir als Referenten). Doch nun musste es abgesagt werden: Die ohnehin schon niedrig angesetzte Mindestzahl an Teilnehmern (8 Personen!) wurde nicht erreicht. Leider.

Schauen wir dazu mal auf die Zahlen des Verbandes, wie er sie selber darstellt: Demnach gibt es in Bayern über 400 Verlage, davon 155 allein mit Sitz in München (wo das Seminar stattgefunden hätte). Und da finden sich im Frühjahr 2008 keine acht Personen, die sich einen Tag lang (zu einem wirklich sehr moderaten Preis) zum Web 2.0 im Literaturhaus München informieren und austauschen wollen?

Wie kommt das? Liegt es an mir als Person? Wohl kaum, denn sonst hätte mich der Verband ja nicht engagiert.

Ich vermute etwas ganz anderes: Verlage wollen nicht ins Web, sie wollen Bücher machen. In der Welt der gedruckten Medien sind sie zuhause, diesem Metier gilt ihre ganze Aufmerksamkeit und Hingabe. Das Internet stört da nur. Es ist ganz anders und verlangt andere Fähigkeiten und Kenntnisse. Kenntnisse, die man nicht hat und die bis heute auch kaum gebraucht werden, denn wirtschaftlich spielt das Web für die Verlage noch keine große Rolle.

Dass die Buchverlage mit ihren Druckerzeugnissen eines Tages ebenso dumm aus der Wäsche schauen könnten, wie heute die Musikindustrie mit ihren CD’s, will offenbar keiner sehen. Dabei wird es die Buchverlage wesentlich härter treffen, wenn die Digitalisierung ihren Markt erreicht, als es bei der Musikindustrie der Fall war: Ihre Margen sind viel dünner. Zudem agieren hier kaum große Konzerne, sondern sehr viele kleine Häuser, die in einer Krise nicht so viele Optionen haben.

Am Beispiel des Brockhaus Verlages könnte man ja schon mal studieren, was da so kommen wird (nämlich hohe Verluste durch wegbrechendes Geschäft). Das Problem ist nur, dass sich heute kaum jemand in den Verlagen vorstellen kann, dass eines Tages gedruckte Bücher ebenso in den Regalen liegen bleiben werden, wie heute die Musik-CD’s.

Aber schon die Musikindustrie hat bis in die Krise hinein kein Rezept gefunden und auch die Zeitungsverlage, deren Auflagen und Umsätze seit Jahren schon schrumpfen, redet sich die Situation immer noch schön und hofft auf bessere Tage. Wie soll man da von der Buchbranche mehr Weitsicht und Lernfähigkeit erwarten?

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