Alles WYSIWYG oder was: Unternehmen und ihre Probleme mit Wikis

Martin Koser (frogpond) greift das Thema WYSIWYG-Editoren in Wikis auf und plädiert für die reine Lehre: Editoren sind nicht wirklich erforderlich, die User von Wikis in Unternehmen sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren („Content“).

Ein wichtiges Beispiel in seiner Argumentation ist die Wikipedia, die mit ihrem großen Erfolg ja der schlagende Beweis dafür ist, dass ein Wiki auch ohne WYSIWYG-Editor funktionieren kann. Dem könnte man entgegen halten, dass die potentielle User-Basis nur genügend groß sein muss, um User Generated Content zum Erfolg zu führen und dass genau das etwa in mittelständischen Unternehmen so nicht gegeben ist, aber das ist hier nicht der Punkt.

Der springende Punkt ist eher, dass Wikis (egal ob mit oder ohne WSYSIWYG-Editor) sich immer noch schwer mit ihrer Durchsetzung auf breiter Ebene tun. Die Kernursache spricht Martin Koser dabei sogar selbst an, den „Leeren Quadranten“ (Empty Quarter), wie ihn Andrew McAfee treffend bezeichnet hat.

Für meinen Geschmack gehen aber beide, Martin Koser und Andrew MacAfee, etwas zu leichtfertig über diesen leeren Quadraten hinweg. Denn gerade von Mittelständlern höre ich regelmäßig, dass sie in diesem Bereich ihre besten Mitarbeiter haben. Das sind langjährig erfahrene Kollegen, oft in Leitungspositionen, die das Unternehmen, seine Produkte und die Kunden bestens kennen. Sie weisen für den Betrieb eine sehr hohe Produktivität und Loyalität auf, sind aber in methodischer Hinsicht oft nicht auf dem neuesten Stand.

Unternehmer fürchten deshalb häufig, dass Social Software die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann, weil gerade die wichtige Mitarbeitergruppe aus dem leeren Quadranten nicht mitzieht. Die Herausforderung liegt also darin, speziell dieser Personengruppe zu vermitteln, welche Chance gerade sie mit dieser Software haben kann. Keine leichte Aufgabe.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Matthias, der „leere Quadrant“ ist mir sehr wichtig – kommt vielleicht im Artikel selbst nicht deutlich genug heraus.

    Ihn zu übergehen wäre auch mehr als fahrlässig, wie Du eben sehr schön herausgearbeitet hast.

    Eine Idee kann es nun sein, gerade Mitarbeiter aus dieser Teilgruppe zu rekrutieren (und zu coachen und zu schulen) und aus ihnen Vorbilder zu machen. Man muss sicher aber um sie bemühen.

    In einem Kommentar zu meinem Post habe ich das so ausgedrückt:
    – recruit people (wiki promoters) that explain, coach and “walk the talk” – preferably __senior people__

    Das hat mehrere Aspekte, zum einen werden zentrale (und erfahrene) Mitarbeiter frühzeitig in die Arbeit am Wiki eingebunden, zum anderen kann man so sehr schön demonstrieren, dass erfolgreiches Arbeiten mit dem Wiki keine Altersfrage ist.

  2. Nach meiner Meinung wird sich die Diskusion WYSIWIG oder nicht in Corporate WIKIS sehr sehr bald selbst überlebt haben.

    Wollen sich die Corporate WIKIS von ihrer Herkunft in der Entwickler-Ecke emanzipieren und auch ältere Mitarbeiter/ die Management-Ebene mit ins Boot holen, geht an WYSIWIG kein Weg vorbei. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

  3. @Wilfried – ein paar Argumente fände ich hilfreich.

    Allein der Verweis auf die fortschreitende Entwicklung von WYSIWYG-Editoren reicht mir nicht aus – zumal es ja darum geht heute Nutzen für Unternehmen zu schaffen. Und das ist auch so sicher wie das Amen in der Kirche.

  4. @Martin: Du bist da zu tief in der Technik drin! Hätte beispielsweise mein Blog keinen WSYWIG-Editor, ich hätte das Bloggen nicht angefangen. Ich gebe hier auch freimütig zu, noch nie einen Artikel in der Wikipedia geschrieben oder ergänzt zu haben. Das ist mir zu kompliziert und zu mühsam (obwohl ich schon an mehreren Stellen Verbesserungsbedarf gesehen habe, den ich inhaltlich leicht hätte bieten können).

    Natürlich könnte man das lernen. Aber warum eigentlich? Warum sich erst mit einer Technik befassen, wenn es nur um die Inhalte geht.

    Es ist beispielsweise schon schwer genug, Unternehmen dazu zu bringen, sich mit dem Thema „Web 2.0“ zu befassen. Die kulturverändernde Dimension dieser neuen Instrumente ist so groß, dass man meiner Meinung nach das Handling der Software so einfach wie möglich gestalten sollte.

    Warum also sind fast 15 Jahre nach der Erfindung der Wikis immer noch welche im Angebot, die keinen WYSIGWIG-Editor haben?

  5. @Martin Koser: Gerne, Matthias Schwenk hat mir zwar die Argumente vorweggenommen (:-)) – aber die Dinge in seinem Kommentar 4 genau auf den Punkt gebracht:

    Wenn Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen und Fachbereichen für WIKIS/ Blogs begeistert werden sollen (und das wollen wir ja alle) dann kann dies nur über die Inhalte geschehen. Jegliche Technik-/ Bedienungshürde ist dabei fehl am Platz.

    Wir wollen Menschen in die WIKIS/ Blogs holen, die ansonsten mit WORD und Powerpoint arbeiten. Mehr an IT-Anmutung wäre für dieses Clientel eine Zumutung.

  6. @Matthias @Wilfried

    Lass mich mit der Schlussfrage beginnen – kurze Antwort: es gibt Wikis ohne WYSIWYG-Editor weil sich die „klassische Form“ bewährt hat, viele Nutzer damit gut zurechtkommen und diese Art und Weise der Editierung viele Vorteile hat.

    Und warum sollte man das Lernen? Auch kurze Antwort: Weil es schnell geht und nicht viel Mühe macht.

    Versteht mich aber nicht falsch – ich plädiere nicht für die reine Lehre und bin grundsätzlich eher pragmatisch als dogmatisch veranlagt. Aber wenn es die (berechtigte) Forderung ist die Bedienung möglichst einfach zu machen und dies als Beleg für die Notwendigkeit von WYSIWYG-Editoren genommen wird – ja dann müssen auch ein paar kritische Gedanken Platz haben.

    Dabei habe ich jetzt aber das Problem, dass ich meine Argumentation pro und contra WYSIWYG bereits ausführlich in meinem oben verlinkten Blogpost dargelegt habe, u.a. mit der Beobachtung dass es oft kein „entweder oder“ sondern ein „sowohl als auch“ ist: Enterprise Wikis wie Socialtext oder Confluence bieten WYSIWYG und Markup parallel an, wie auch manche Open Source Wikis (die um WYSIWYG-Funktionalitäten ergänzt werden können).

  7. Übrigens, das Thema können wir auch im Real-Life weiterdiskutieren:

    Bei den Intranet.days 2008 in Frankfurt am Main werde ich einen Vortrag koreferieren, der Titel ist: „Usability innovativer Intranet-Werkzeuge: Einfachheit, Schnelligkeit, Klarheit“, siehe Programm.

  8. @Martin: Sehr gut und konstruktiv! Die Intranet.days sind sicher ein sehr passender Ort dafür.