Get realtime and Reduce to the Max: Überlegungen zur next08

Olaf Kolbrück (off the record) schrieb neulich, dass wohl die Floprate (der Startups bzw. Geschäftsideen) im Web 2.0 bald ähnliche Dimensionen annehmen dürfte wie das bei den Produkteinführungen im klassischen Handel schon lange der Fall ist (nämlich 90 % und höher). Parallel dazu erinnert uns Martin Recke (Fischmarkt) daran, dass die next08 unter dem Leitthema „Get realtime“ näher rückt (und auf welchen Wegen man so reinkommen kann).

Wie bringe ich nun diese beiden Aspekte in einem Blogpost zusammen? Haben sie überhaupt etwas miteinander zu tun?

Die hohe Floprate bei Startups im Web 2.0 ist sicher eine richtige Beobachtung. Aber liegt es wirklich daran, dass die Produkte am Bedarf oder Geschmack der Konsumenten vorbei entwickelt werden? Meiner Ansicht nach trifft das nicht ganz zu – es kann allenfalls einen (kleineren) Teil der sehr hohen Floprate erklären.

Eher denke ich, dass das Internet als Technologie sich so rasend schnell entwickelt, dass Geschäftsideen die sich darauf fokussieren, sehr schnell wieder eingeholt oder sogar überholt werden. Das Denken in langen Zeiträumen ist hier ganz falsch, aber zumeist noch in den Köpfen drin. Wer würde nicht gern ein Geschäft aufbauen, das 20 oder 30 Jahre Bestand hat?

Und damit sind wir beim Motto der diesjährigen next-Konferenz, „Get realtime“. Es bezieht sich auf die Beobachtung, dass das Internet anfangs überwiegend eine Art Medienkanal war, der dann immer stärker zu einem Dialoginstrument wurde und in diesem Prozess nun mehr und mehr in Richtung „Echtzeit-Interaktion“ geht, die uns den ganzen Tag über und in praktisch allen Lebensbereichen begleitet.

Jamais Cascio antwortete neulich auf die Frage des Wired-Magazins (oder Blogs?), wie das Internet im Jahr 2020 aussehe, mit dem einfachen Satz, dass es bis dahin von der physischen Welt ununterscheidbar sein werde („It will be indistinguishable from the physical world“).

Und genau in dieser Vision liegt der Kern der Sache: Wer heute Dienstleistungen im und für das Internet entwickeln möchte, muss eine Vorstellung davon haben, wie es in 10 Jahren aussehen wird. Dabei kann man nicht radikal oder verrückt genug denken!

Das ist aber weithin noch nicht der Fall, es wird zu statisch gedacht. Facebook und seine enorme Bewertung (15 Mrd $) ist ein gutes Beispiel für diese Denkweise. Denn eine so hohe Bewertung macht betriebswirtschaftlich nur Sinn, wenn dahinter ein langfristig nutzbares Geschäft steckt. Nun ist aber die Zukunft von Facebook völlig ungewiss. Das Konzept (und ebenso das seiner Wettbewerber) könnte schon in wenigen Jahren von neuartigen Netzwerk-Konstrukten völlig überholt werden.

Vor diesem Hintergrund müsste das Denken eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen: Startups sollten nicht langfristig, sondern in sehr kurzen Horizonten planen und praktisch mit „Wegwerf-Geschäftsideen“ arbeiten. Das wären also Konzepte, die extrem schnell entwickelt und auf den Markt geworfen werden, damit man daran 2 bis 3 Jahre lang Geld verdienen kann und es keine Rolle spielt, wenn man dann von der nächsten Entwicklungswelle überrollt (und weggespült) wird.

So gesehen könnte auch die Marketing- und Handelsperspektive von Olaf Kolbrück lehrreich sein: Denn so wie bei der Einführung von Markenartikeln (oder Handelsmarken) einkalkuliert wird, dass es eine hohe Floprate gibt, sollten dies auch Startups tun und sich eher als eine Art Ideenmaschine sehen, die in schneller Folge neue Webservices launcht. Das was gut ankommt, wird agil (!) weiterentwickelt, während die Flops rasch wieder zurück „ins Regal“ wandern.

Alles klar? Oder nicht? Dann sollten wir uns vielleicht auf der next08 treffen, einige der Vorträge anhören und dann darüber diskutieren, was „realtime“ für uns konkret bedeuten kann.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Flops sind die Voraussetzung für die Erfolge. Sie gehören dazu, wir können daraus lernen. Bei uns sieht man das allerdings etwas anders. Wer einen Flop landet, wer scheitert, der hat verloren. Eine zweite Chance bekommt man nicht.

    Im angelsächsischen Raum ist das nicht so. Dort bekommt man sehr viel eher eine zweite Chance, da dort der Flop als wichtige Erfahrung gesehen wird, um dann erfolgreich sein zu können. Da passt der von Dir angesprochene agile Ansatz sehr gut dazu.

  2. @Christian: Gute Ergänzung. Demnach hängt bei uns alles an dieser einen Idee, weil man damit ja nicht scheitern darf…