Sind es wirklich die Gene?

Umair Haque (Bubblegeneration) greift seit einiger Zeit immer wieder auf den Begriff der Gene (DNA) zurück, wenn er nach Erklärungen dafür sucht, warum Unternehmen mit ihren Strategien scheitern. An Beispielen mangelt es ihm dabei nicht: Microsoft und Yahoo! sind dabei nur die aktuellsten Fälle.

Was seine Analysen zu den Unternehmen betrifft, stimme ich ihm voll zu. Bei Microsoft ist es geradezu auffällig, wie erfolgreich man einerseits bei Betriebssystemen und der Office-Software ist, während man im Web den Entwicklungen immer nur hinterher läuft. An Yahoo! erstaunt, dass diese Ikone des Web 1.0 es ganz offenkundig nicht geschafft hat, sich im Rahmen des Web 2.0 adäquat neu zu positionieren. Auch die Zukäufe von Flickr oder upcoming vermochten offenbar nicht genügend „spirit“ zu vermitteln, so dass Yahoo! heute ein Übernahmekandidat ist.

Aber passt hier wirklich das Bild der Gene?

Mit Amazon und ebay haben wir zwei Unternehmen aus dem Web 1.0, die durchaus Wandlungsfähigkeit gezeigt haben (Amazon wohl etwas mehr als ebay, aber immerhin). Auch Apple scheint mir sehr wandlungsfähig zu sein, ganz zu schweigen von der guten alten IBM. Kann es eigentlich sein, dass die IBM mehr Blogs führt als Microsoft?

Und natürlich darf hier Google nicht vergessen werden. Allen Unkenrufen zum Trotz scheint dieses Unternehmen so etwas wie die Verkörperung der Evolution selbst zu sein. Ich erkenne hier jedenfalls keinen Bruch zwischen Google im Web 1.0 und im Web 2.0 und wie immer auch die nächste Stufe des Web aussehen mag, Google wird irgendwie von Beginn an mit dabei sein.

Wandlungs- und (rasche) Anpassungsfähigkeit sind ohne Zweifel so etwas wie eine Kernkompetenz von Unternehmen in unserer beschleunigten Zeit. Einen Mangel derselben aber den „Genen“ zuzuschreiben, halte ich für ein unglücklich gewähltes Bild: Es bleibt diffus und erklärt alles oder nichts. Umair Haque tut diese Kritik sicher keinen Abbruch, schließlich bloggt er seit neuestem auch hier.