Super Tuesday: Clinton oder Obama

Heute also ist in den USA der Super Tuesday mit seinen 22 Vorwahlen, in denen sich vielleicht hoffentlich entscheidet, wer von demokratischer Seite aus in den Wahlkampf um die Präsidentschaft ziehen wird. Wem dabei meine Symphathie gilt, dürfte nicht schwer auszumachen sein.

Die Bedeutung der diesjährigen Präsidentschaftswahl in den USA kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und vielleicht ist die Vorwahl im demokratischen Lager sogar noch wichtiger, als die eigentliche Präsidentenwahl.

Denn es geht in diesem Jahr nicht um rechts oder links und auch nicht um Geschlecht oder Rasse. Es schlicht um die Frage des Alters: Wie alt muss bzw. wie jung darf ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein?

An dieser Frage hängt sehr viel, in einer Welt des Wandels und der Beschleunigung. Mein Gefühl sagt mir, dass in einer Zeit, in der Offenheit für Neues mehr denn je gefordert ist, ein jüngerer Präsident die bessere Wahl ist. Man schaue da nur auf die stockkonservative Innenpolitik eines Wolfgang Schäuble in Deutschland um sich ein Bild davon zu machen, was der 71jährige John McCain von den Republikanern als Präsident für Akzente setzen würde.

Die um ziemlich genau 10 Jahre jüngere Hillary Clinton schätze ich da kaum anders ein, zumal mit ihr reihenweise Weggefährten „aus alten Tagen“ mit nach Washington ziehen dürften. Diese Mischpoke hat noch die Ideen und Konzepte der 90er Jahre im Gepäck, die damals nicht (mehr) umgesetzt werden konnten. Ein Neuanfang ist das nicht. Aber ob es für Obama reichen wird?

Vielleicht macht am Ende den Demokraten noch die Wirtschaftslage zu schaffen: Zum ersten Mal seit vielen Jahren werden in den USA dieses Jahr Arbeitsplätze abgebaut und die Gefahr einer Rezession steht real im Raum. Gut möglich, dass sich da eine kleine, aber vielleicht entscheidende Wählergruppe denkt, ein Mike Huckabee oder ein John McCain könne die Nation schnell(er) wieder gesundbeten.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr interessanter Gedanke, denn der Altersunterschied von Clinton und Obama wurde bisher kaum diskutiert, geschweige denn der ihrer politischen Konzepte. Richtig übel könnte einem werden, wenn ich nach Italien blicke, wo ein Berlusconi droht, der mit seinen 71 Jahren und noch älteren Konzepten wieder an die Macht kommen könnte. Ich denke, es ist schon ein Zeichen für eine gesunde Demokratie, dass in Deutschland abgehalfterte Politik-Rosse ihr Gnadenbrot bekommen, aber nicht mehr vor den Karren gespannt werden.

  2. Da meiner Meinung nach Alter nicht viel mit Weisheit zu tun hat, sollten Hillary & Co. nicht dieses armselige Argument „Obama sei zu jung“ bringen.

    Wie Obama schon sagte:
    „Ich glaube nicht, dass ÜBERHAUPT jemand bereit ist, das Amt des Präsidenten auszuüben, bevor er Präsident wird“

    Ich wünsche Obama viel Glück für heute und hoffe, dass er endlich das Bild der USA in der Welt zum Positiven ändern kann.

  3. @King Nils: Aristokraten wie Du sollten sich da zurückhalten. Am Ende bist Du noch ein (heimlicher) Royalist? 😉

    @Stephan: Berlusconi ist tatsächlich eine Gefahr. Warum kann dieser Mann nicht aufhören und einfach nur seinen Reichtum genießen? Aber vielleicht fühlt er sich angestachelt von der Tatsache, dass mit Benedikt XVI ein 78jähriger zum Papst gewählt wurde…

    @Sapere aude: Genau! John F. Kennedy war damals auch nicht zu jung.

  4. @Matthias: Irgendwann findet auch die Aristokratie zurück an die Spitze der Gesellschaft 😉 und seien wir mal ehrlich, gerade wenn Obama als neuer Kennedy gefeiert wird ist das der erste Schritt in diese Richtung. Der Kennedy-Clan wird nicht umsonst als amerikanisches Königshaus bezeichnet.

    An sich scheint das Rennen ja nach wie vor spannend zu laufen. Die Entscheidung scheint aber vertagt… 464 Delegiertenstimmen für Clinton : 435 für Obama…

  5. Obama ist zwar sympathisch und jung. Aber unerfahren. Nach Mister Clinton wollten die Amerikaner auch jemand unverbrauchten, charismatischen, der „face“ aber wenig „substance“ hat – und hat George W. gewählt. Der hat dann vieles in seiner Politik von Dritten umsetzen lassen.

    Um den Karren jetzt aus den Dreck zu ziehen ist m.E. jemand mit Erfahrung gefragt. Auch wenn sie zum Establishment zählt und mir auch nicht besonders sympatisch ist, glaube ich trotz allem, dass Hillary die bessere Wahl ist.

  6. @Nils: Wenn wir uns auf den Begriff „Geldadel“ einigen könnten, kämen wir der Wahrheit wohl recht nahe. Wer im amerikanischen Politzirkus mitspielen will. scheint umso bessere Karten zu haben, je größer das Vermögen.

    Das Rennen ist weiter offen, auch wenn es jetzt zugunsten von Hillary Clinton kippen könnte. Obama müsste von jetzt an mehr bringen als nur das Wort „Change“.

    @Jan: Du triffst den Punkt genau! Obama würde sicher Einiges von Dritten machen lassen, während unter Hillary die Männer buchstäblich nichts zu sagen hätten: Diese Frau kennt das Geschäft durch und durch und würde sich das Zepter nicht aus der Hand nehmen lassen.

    Aber was sagt das letztlich über die Inhalte der Politik aus?

  7. Pingback: bwl zwei null » Clinton oder Obama: The Show goes on!