CoreMedia AG: Auch Vorreiter haben es nicht immer leicht

Wenn ich in dieser Themenwoche nach deutschen Vorbildern suche, fällt mir nur die CoreMedia AG in Hamburg ein. Das Softwarehaus hat wie kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland die Tragweite der Ideen und Prinzipien von Enterprise 2.0 früh erkannt und setzt sie intern mit erstaunlicher Konsequenz um. Wo sonst gibt es schon Workshops, zu denen firmenfremde Personen einfach dazu kommen können?

Gerade die Idee der offenen Workshops oder der Strategiesitzungen des Managements, an denen Mitarbeiter ungefragt teilnehmen dürfen, sind Ansätze von Wisdom of Crowds ganz im Sinne von Surowiecki.

Einzig bei den Blogs hängt es noch. Zwar gibt es auch hier einen beeindruckend offenen Ansatz, der aber in dieser Form seiner Zeit eine Spur zu weit voraus sein mag. Was von innen besehen sicherlich ein geschicktes Instrument ist, mit dem ein Teil der (internen) Kommunikation elegant geführt werden kann, erscheint von außen (also aus der Perspektive der Blogosphäre) als vielleicht noch etwas zu vielstimmig und nicht fokussiert genug.

Das mag aber auch daran liegen, dass hier ein Multiautorenblog geführt wird. Mehrere Stimmen bringen zwangsläufig auch mehr „Breite“ ins Spiel, was natürlich meiner Forderung, ein Blog müsse in seiner Nachrichtenfunktion „zentral“ erscheinen, entgegenläuft. Anders sieht es natürlich aus, wenn man nicht allem folgt, sondern sich auf einzelne Blogger des Hauses fokussiert (was per RSS-Feed möglich ist).

Perfekt wird dieser Ansatz mit vielen Autoren wohl erst dann, wenn uns semantische Feed-Reader zur Verfügung stehen. Die werden ihrem Leser (hoffentlich) keine starren Blogabos mehr zuspielen, sondern aus einem sehr breiten Spektrum an Blogs gezielt Beiträge zu den Themen, für die man sich interessiert.

Bis dahin aber so weiter machen wie heute? Das wäre schade. Denn wenn die CoreMedia AG schon so offen für Ideen und Anregungen von außen ist, sollte man dies auch auf der Ebene des Blogs stärker nutzen. Andere Unternehmen bloggen nicht, weil sie die Kritik scheuen! CoreMedia dagegen hat keine Berührungsängste, leider aber zu wenig Reichweite mit seinem (komplexen) Blogsystem.

Hier sollte ein Konzept entwickelt werden, dass den Dialog mit den Lesern ganz klar unter einer betriebswirtschaftlichen Nutzenperspektive sieht. Dabei könnte sich die CoreMedia AG an ein breites Publikum wenden oder auch gezielt an Freelancer bzw. Entwickler. Und damit wäre ich wieder beim Crowdsourcing und meiner Themenwoche…

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Michael: Intern ist die IBM schon sehr weit. Gut wäre es, wenn sie das auch ihren Kunden vermitteln könnte – und nicht nur die Software verkaufen. Ich weiß, dass das leichter gesagt als getan ist, aber trotzdem….

  2. Pingback: Bonsai