Themenwoche: Crowdsourcing und Wisdom of Crowds

Seit langem mal wieder eine Themenwoche auf bwl zwei null. Crowdsourcing ist ein Begriff, mit dem ich mich noch nicht in diesem Blog auseinandergesetzt habe. Die Wortschöpfung geht auf Jeff Howe zurück, der den Begriff 2006 in einem Artikel für Wired verwendete. Danach machte Crowdsourcing schnell die Runde im Web 2.0 und avancierte zum Erklärungsmodell für verschiedene Arten der Social Collaboration. Wisdom of Crowds ist der Titel eines Buches von James Surowiecki, das 2004 erschien. Die Fragestellung der Weisheit oder Dummheit der Massen ist aber viel älter und reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Mir fehlt dabei allerdings noch der Bezug zum Themenfeld „Enterprise 2.0“. Kann es nicht auch innerhalb (größerer) Organisationen zu Formen des Crowdsourcing oder der Wisdom of Crowds kommen? Und falls ja, wie kann man diese gezielt nutzen?

Ganz passend dazu gibt es argumentativen Gegenwind bei James Dellow (ChiefTech), der feststellt, dass Instant Messaging in Unternehmen seit 10 Jahren möglich wäre, sich aber nicht so recht durchsetzt. Seine bange Frage ist, ob dies auch für den Bereich Enterprise 2.0 so kommen wird. Dazu verweist er auf Toby Ward (IntranetBlog), der die Auffassung vertritt, dass sich der Nutzen von Plattformen wie Facebook für Unternehmen weder feststellen noch messen lässt.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein spannendes Thema für eine Themenwoche. Ich bin gespannt, was da noch alles kommt.

    Zur Frage Crowdsourcing und Enterprise2.0: Ich würde das IBM-Programm „Innovation Jam“ bereits als einen solchen Ansatz verstehen.

  2. Da mich das Thema Wirtschaftlichkeit grundsätzlich interessiert bin ich auch gleich dem Link auf den IntranetBlog Toby Ward nachgegangen. Ich konnte dort aber nicht herauslesen, „dass sich der Nutzen von Plattformen wie Facebook für Unternehmen weder feststellen noch messen lässt.“ Im Gegenteil, in einem anderen Beitrag argumentiert Toby Ward so:

    Additionally, Facebook alone has generated two client opportunities for Prescient in the past two weeks. There are plenty of case studies out there supporting Web 2.0 success stories including blogs, wikis, social networking, etc.

    Er positioniert sich damit eher gegen die Aussage von Accenture, die wurde aber im Hinblick auf den Medienbereich gemacht.

    Spannend, da gibt es noch einiges zu tun!

  3. @Christian Henner-Fehr: Danke für den Hinweis auf die IBM. Das ist ein idealtypisches Musterbeispiel, leider hört man davon aktuell nichts mehr. Ob es wieder in der Schublade verschwunden ist?

    @Joachim Niemeier: Ich gebe Ihnen Recht. Beim nochmaligen Lesen (ohne den Bezug auf James Dellow) kann keine Rede davon sein, dass Toby Ward grundsätzlich einen Nutzen von Plattformen wie Facebook abstreitet. Immerhin gibt er zu, dass Beispiele wie das seiner Firma noch eher die Ausnahme denn die Regel sind. Meiner Themenwoche ist deshalb noch nicht der Boden unter den Füßen abhanden gekommen… 😉

  4. Das mit dem „Instant Messaging in Unternehmen“ hat mich zum Schmunzeln gebracht, weil es genau meine Beobachtung hier (in meinem Day Job bei einem Industrieunternehmen) ist. Wir nutzen Lotus Notes, das Instant Messaging als integrierte Funktion mitbringt, aber nur die allerwenigsten sind überhaupt täglich angemeldet. Hier nutzen nur die jüngeren und/oder technologie-affinen Mitarbeiter IM, vor allem wahrscheinlich diejenigen, die es privat auch verwenden.

    Es ist auch relativ einfach zu erkennen, warum es sich nicht durchsetzt: „Change must come from the top“, wie es in jedem Management-Lehrbuch heißt. Gerade aber bei den Unternehmen (nämlich größere, womöglich mit verteilten Standorten), wo solche Technologien (auch Wikis oder Projektblogs, etc.) die Kommunikation innerhalb und zwischen Teams wesentlich effizienter und kostengünstiger gestalten könnte, hat die Chefetage oftmals nicht einmal von den Begriffen gehört. Und IT ist oft eben keine Sache der strategischen Geschäftsführung, sondern eine Stabsfunktion.