Buchhändlerwahnsinn und Kundenalltag: Thunfisch im Buchhandel?

„Steht die Entwertung des Berufs des Buchhändlers bevor?“ So fragt das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels unter der plakativen Überschrift „Thunfisch im Buchhandel“ aktuell. Mit der Antwort können wir es kurz machen: Nicht die Entwertung dieses ehrenwerten Berufsstandes steht uns bevor, sondern dessen Abschaffung.

Wer den Artikel liest, wird allerdings überrascht. Denn hier geht es nicht um Disruptionen oder neue Medien, sondern „nur“ um den Konzentrationsprozess dieser Branche, um Buchregale in Supermärkten und Spitzentitelmarketing. Seinen Hintergrund bildete ein Diskussionsabend in der Münchner Seidlvilla, zur der die Initiative „Pro Buch München“ eingeladen hatte.

Offenbar wurde da einen ganzen Abend lang trefflich über das gedruckte Buch und die Situation im stationären Handel diskutiert, ohne die Digitalisierung und das Internet ins Thema einzubeziehen. Die ohne Zweifel vorhandene Dramatik im „physischen“ Wandel des Buchhandels lässt das leise heraufziehende digitale Zeitalter übersehen.

Und so könnte es ablaufen:

  1. Bücher für den Massenmarkt (ohne hohen Anspruch) wird es noch lange geben. Sie werden aber nicht mehr im Buchhandel, sondern in Supermärkten, den Bahnhofskiosken und als Sortimentsbeimischung in den verschiedensten Betriebsformen des Einzelhandels (Kochbücher beim Metzger!) verkauft.
  2. Das anspruchsvolle Marktsegment findet langsam aber sicher in die digitalen Daseinsformen. Vorreiter werden Fachbücher auf hohem Niveau sein, die in digitaler Form besser präsentiert, vernetzt und laufend aktualisiert werden können.
  3. Der stationäre Buchhandel wird damit von zwei Seiten in eine Zange genommen, aus der er nicht mehr heraus kommt. Beginnt dann das große Händlersterben, wandert auch die letzte Kulturdomäne, die anspruchsvolle Literatur, in das digitale Zeitalter schlicht weil die Leser kaum mehr Buchhandlungen finden werden.

2025 könnte der Buchhandel, wie wir ihn heute sehen, nur noch ein (nostalgisches) Nischenphänomen sein. Wer das nicht glauben mag, schaue auf die Musikindustrie und lese, was Seth Godin dazu geschrieben hat.

Ob das Ende des Buchhandels eine „Entwertung“ sein wird, kommt auf die Sichtweise an. In jedem Ende liegt bekanntlich ein neuer Anfang. Man muss es nur (rechtzeitig) sehen und etwas daraus machen.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Buchhändler und ihre Zukunft « Buchnotizblog

  2. Pingback: Amazon Kindle

  3. Pingback: Amazon Kindle

  4. Pingback: Amazon Kindle

  5. Pingback: Amazon Kindle

  6. Pingback: Amazon Kindle

  7. Pingback: Amazon Kindle

  8. Pingback: Amazon Kindle

  9. Pingback: Amazon Kindle

  10. Pingback: Amazon Kindle

  11. Pingback: Amazon Kindle

  12. Pingback: ipony » Blog Archiv » Ist die Zukunft des Buchhandels die Druckerei?