Wie bringt man Fischen das Fliegen bei?

Die Zeiten ändern sich und so manche Unternehmen scheinen das nicht zu merken. Aber keine Sorge: Ich werde jetzt nicht anfangen zu lamentieren. Über diese Phase bin ich hinaus. Und andere erst recht. So kommt Umair Haque in seinem Blog beispielsweise zu der Erkenntnis, dass Unternehmen wie TimeWarner über lange Jahre hinweg nur strategisch haarsträubende Fehlentscheidungen getroffen haben und nicht anders können, weil es „in ihrer DNA“ liegt, wie er schreibt. In den Kommentaren zu seinem Posting entspannt sich ein netter Disput, ob man denn seine DNA ändern kann oder nicht!

Mir fiel dazu das Bild vom Fisch ein, der aufgefordert wird, das Fliegen zu lernen. Geht das? Nun, Unternehmensberater sind von vielen Dingen überzeugt, besonders wenn hohe Honorare in Aussicht stehen. Aber stellen wir uns doch einmal vor, Unternehmen wäre Fische. Sie schwimmen im Wasser und es geht ihnen gut. Wir aber stellen fest, dass, bedingt durch einen gravierenden Wandel der Umweltbedingungen, alle Gewässer anfangen auszutrocknen. Was empfehlen wir den Fischen? Fliegen können wäre keine schlechte Option.

Denn genau so verhält es sich in unserer Zeit: Das Internet ist die Umweltbedingung, die dafür sorgt, dass viele Gewässer austrocknen. Die Musikindustrie ist eine der ersten Branchen, die das ganz massiv zu spüren bekommt. Da brechen die traditionellen Geschäftsmodelle in einem Tempo weg, dass man schon ins Staunen kommen kann. Und gleichzeitig scheint es, als ob die namhaften Traditionsadressen dieser Branche wirklich wie die Fische in ihren schrumpfenden Seen und Tümpeln aufgeregt hin und her schwimmen, aber keiner fängt an zu fliegen.

Fliegen tun dagegen andere. Ein richtiger „Überflieger“ scheint Apple zu sein, dem das Austrocknen der Gewässer gerade recht kommt. Nur, um im Bild zu bleiben, Apple war nie ein Fisch! Und so sind wir wieder bei der Frage, ob man den Fischen das Fliegen lehren kann, wenigstens einigen von ihnen.

Ein Schlaglicht auf die Praxis des Wandels werfen die Ausführungen von Fabian Mohr. Keine leichte Sache. Aber es sollte möglich sein. Nach meiner Beobachtung kommt immer da Bewegung in die Sache, wo sich das Management eines Unternehmens persönlich damit befasst. Wo dagegen nur delegiert wird, bleiben die Projekte in der Glaubwürdigkeitsfalle stecken.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich denke, im Sinne der Evolution, also über einen längeren Zeitraum gesehen, verändert sich die DNA sehr wohl. Das heißt, langfristig könnten auch Fische das Fliegen lernen, wenn das für Ihr Überleben notwendig wäre. Das heißt, die DNA eines Unternehmens der Musikindustrie hat vor 30 Jahren anders ausgesehen als heute und wird auch in 30 Jahren wieder anders aussehen.

    Kurzfristig geht es wohl eher darum, Verhaltensmuster zu ändern und so auf der operativen Ebene auf die Umwelt zu reagieren. Das heißt, die Musikbranche funktioniert noch nach den „alten Prinzipien“, erste Unternehmen entwickeln aber neue Prinzipien, die ihnen erfolgreicher scheinen bzw. es dann auch sind.

    Je erfolgreicher ein Ansatz ist, desto größer wird die Zahl der Nachahmer sein und so wird sich im Laufe der Zeit das „Wesen“ der Musikindustrie und damit auch ihre DNA verändern.

  2. @Christian: Danke für die sehr gute Ergänzung. Er impliziert allerdings, dass die Marktentwicklung in einem gemäßigten Tempo abläuft, so dass viele Unternehmen dieser Branche den Anschluss behalten können.

    Die Veränderungen in den Medienindustrie (Musik, Zeitungen) sehen da etwas anders aus. In diesem Zusammenhang wird oft auch der Begriff „Disruption“ verwendet, um auf die Schnelligkeit und Intensität des Wandels hinzuweisen. Da ist wirklich die spannende Frage, ob den Fischen schnell genug Flügel wachsen…

  3. Um in der Biologie zu bleiben: Für die Dinosaurier kam die Veränderung damals zu schnell. Sie hatten keine Chance, ihre DNA schnell genug zu verändern und sind deshalb ausgestorben.

    Insofern ist es wirklich eine spannende Frage, ob den Fischen schnell genug Flügel wachsen.