Börsencrash

Seit gestern fallen an den Börsen die Kurse. Weltweit. Schon jetzt ist klar, dass das keine einfache Korrektur ist, sondern eine (Ketten-) Reaktion auf die amerikanische Immobilienkrise. Was aber haben Immobilien mit Aktien zu tun? Über relativ lange Zeit haben amerikanische Banken privaten Käufern von Wohnungen oder Häusern sehr großzügig Kredit gegeben, ohne allzu genau auf die Bonität ihrer Kunden zu achten. Die Folge war eine enorme Nachfrage nach Immobilien, so dass die Preise teilweise exorbitant stiegen. Die Banken haben das finanziert, obwohl sie hätten sehen können, das hier eine Blase entstanden war.

Seit letztem Jahr nun kühlt sich der überhitzte Immobilienmarkt ab und lässt nicht wenige Hausbesitzer mit einem Schuldenberg zurück, der auf einmal nicht mehr durch einen entsprechenden Wert der Immobilie gedeckt ist. Kommt es jetzt zu persönlichen Zahlungsschwierigkeiten, etwa durch steigende Kreditzinsen, platzen die Geschäfte. Die Schuldner verlieren ihre Häuser und die Banken sitzen auf uneinbringlichen Restforderungen.

Dass das alles nicht harmlos ist, zeigt die Bankenkrise in Deutschland, wo letztes Jahr schnell mal die IKB, die SachsenLB und auch die WestLB ins Schwitzen in Existenznot gerieten. Diese Banken hatten sich nämlich am amerikanischen Kreditmarkt engagiert, um dort am Immobilienboom mitzuverdienen. Damit standen sie aber nicht allein, wie jetzt die Reaktionen an den asiatischen Börsen zeigen.

In den USA droht die Immobilienkrise gerade vom Markt für private Immobilien auf den gewerblichen Sektor überzugreifen. Gut möglich, dass wir am Beginn einer Krise von historischem Ausmass stehen.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Schwenk,

    ich stimme mit Ihnen vollkommen überein. Es besteht meiner Meinung nach auch eine erhebliche Rezessionsgefahr in den USA . Mein „Hauptindikator“ sind die Aussagen von Professor Snover. Dieser hat in einer Vorlesung vor 1.5 Jahren übrigens die Immobilienkrise in den USA recht deutlich vorhergesagt…

    Ein aktueller und interessanter Kommentar ist hier zu finden:

    http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/index.php?op=ViewArticle&articleId=1004&blogId=16

    Florian Langowsky

  2. Lieber Herr Schwenk,
    interessanter Artikel, aber so 100%ig kann ich mich dem apokalyptischen Schlusssatz nicht anschließen. Einerseits muss man sehen, dass Deutschland nicht zu den klassischen Bankenländern wie zum Beispiel (USA, UK, Schweiz) zählt. Im Vergleich mit den Problemen dort vor Ort sind die Herausforderungen deutscher Banken wahre Peanuts. Zudem übersehen viele die sich mit dem Thema beschäftigen die verschiedenen weiteren Einflüsse die eine solche Entwicklung auf Deutschland hätte und welche zur Abschwächung solcher Krisen beitragen (Währungsanpassungen, Exportverlagerungen, etc). Jede Krise hat Gewinner und im Gegensatz zu z.B. Mexiko und Kanada sind wir mit keinem der Beteiligten in ungesundem Maße verbunden.
    Dem ließe sich noch eine ganze Menge mehr hinzufügen, wie zum Beispiel die geringe Komplexität der Krise, der im Vergleich mit der Entwicklung der letzten Jahre eigentlich geringen Kurskorrektur und die Stammtischweisheit „An der Börse ist alles Psychologie“. So zeigt ja bereits die heutige Entwicklung dass die Entwicklung genausogut schnell wieder umgekehrt werden kann.
    Beste Grüße, Nils König

  3. @Florian: Danke für den interessanten Link. Herrn Prof. Snower ist nichts hinzuzufügen.

    @Nils: Ihren Optimismus respektiere ich. Aber auch wenn wir kein klassisches Bankenland sind, fand ich es letztes Jahr nicht lustig, dass gleich drei Häuser in die Krise rutschten und nur durch Auffanglösungen stabilisiert werden konnten.

    Und in Europa könnte es noch Spanien (überhitzter Immobilienmarkt), Großbritannien (Immobilien und Banken) und die Schweiz (Banken) treffen.

    Da wäre es schon beruhigend, wir hätten hier eine gesunde Binnennachfrage und eine stabile Inlandskonjunktur. Aber wenn ich da aktuell auf den Absatz der Automobilhersteller schaue… 😉

  4. @Matthias: dann könnte ich natürlich auch ruhiger schlafen 😉 Andererseits sind es eben solche Probleme welche die politischen und wirtschaftlichen Fehler zum Vorschein bringen – es fehlt bis dato nur der Mut entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Krisen sorgen eben dann dafür dass man handeln muss und an einem solchen Punkt sind wir fraglos angelangt.

  5. Zunächst mal: die Schweiz hat weniger Anteil am BSP durch Banken und mehr durch Industrie als die BRD.
    Einerseits fürchtet man um den Hauskredit. Kredite werden zukünftig aberwitzige Bonitätsforderungen mit sich bringen – dabei war das System hier ja in Ordnung.
    Andererseits könnte man es als Chance zur Abkopplung von der US-Börse für die Märkte und ein wenig Deglobalisierung sehen. (ja – ist eine Utopie – haut mich)

  6. @Falk: Auch für Utopien ist hier Platz! Der Trend geht nur in die ganz andere Richtung…

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  9. Ich denke, dass so was nur in USA möglich ist. Die Banken haben meiner Meinung nach gesehen müssen, dass auf dem Markt Blase entstanden hat, vielleicht war es aber zu spät. Es ist doch nicht normal, wenn eine Familie, in der die Eltern zusammen weniger als 4.000 Dollar pro Monat verdient, sich für einen 800.000 Dollar Kredit qualifiziert. Es ist doch jedem klar, dass diese Leute für so einen Haus nicht genügend Bonität haben. Es tut mir Leid der Leuten, deren Häuser zwangsversteigert wurden, aber jeder muss für die eigene Entscheidungen Verantwortung nehmen.