Literatur im Netz 2008

Wer die Zukunft des gedruckten Buches (voraus-) sehen möchte, muss sich nur aktuell die Musikindustrie anschauen: Da sinkt der Umsatz mit den Tonträgern von Jahr zu Jahr und gleichzeitig wird mit harten Bandagen gegen tatsächliche und vermeintliche Raubkopien und Verletzungen des Urheberrechts vorgegangen. Unbeeindruckt von diesen Kämpfen nehmen junge Musiker und Bands ihr Geschäft zunehmend selbst in die Hand und probieren im Internet neue Zugangswege zu ihren Fans und Möglichkeiten der Vermarktung aus.

Was den Lesestoff betrifft, weist aktuell Andreas Göldi den Weg in die „schleichende Papierlosigkeit“. Dabei mag der Kindle von Amazon aber noch nicht das letzte Wort sein. Denn ausgerechnet im Ruhrgebiet, das so lange als rückständig und unfähig zum Strukturwandel galt, macht man sich auf, mit der readbox den Literaturbetrieb (endlich) auf den Stand zu bringen, den uns der User Generated Content auf vielen anderen Feldern längst ermöglicht.

Ist es nicht komisch, dass uns bei all dem Hochladen, Kommentieren und Bewerten von Fotos und Videos auf diverse Plattformen nicht aufgefallen ist, dass genau das bei der Literatur (noch) nicht geht?

Rund um die Literatur ist ja schon Einiges entstanden, etwa das Tagging literarischer Orte, wie uns gerade Mario Sixtus sehr schön ins Gedächtnis ruft. Daneben stehen Diskussionsplattformen, auch wenn diese sich, genau wie Handlungsreisen.de, noch auf das gedruckte Buch beziehen.

Die readbox ist somit ein ziemlich radikaler Schritt. Und bemerkenswert ist, dass die Gründer nicht aus der Verlagswelt stammen. Zudem ist ihr Konzept meines Wissens nach noch ohne Vorbild und somit keine Kopie einer amerikanischen Idee! Und das sollte uns im Land der Dichter und Denker doch optimistisch stimmen, oder?