Die zwei Phasen des Web 2.0

Mir wird immer deutlicher, dass das Web 2.0 zeitlich gesehen in zwei Phasen unterteilt werden kann und wir derzeit den Beginn der zweiten Phase erleben. Am Anfang stand die Idee des User Generated Content, der in Blogs und Wikis seinen Ausdruck fand und zu dem sich bald eine mittlerweile nicht mehr überschaubare Menge von Social Networks gesellte. Die schiere Menge dieser Dienste lässt manche glauben, wir stünden mitten in einer neuen Internet-Blase, die bald platzen müsse.

Die Social Networks entstanden alle mehr oder weniger um die Idee einer einzelnen Funktion: Bei Flickr sind es Fotos, bei YouTube Videos und bei Mister Wong eben Bookmarks. Schaut man auf die Geschäftsmodelle, so ist es ein offenes Geheimnis, dass sich diese in sehr vielen Fällen (noch?) nicht tragen.

Der eigentliche Punkt aber ist, dass die User mit viel zu vielen dieser nützlichen Helfer konfrontiert sind und selbst sehr kommunikationsfreudige Internetuser kapitulieren müssen angesichts der Tatsache, dass uns fast täglich neue und durchaus interessante Dienste angeboten werden. Alle erfordern das Anlegen eines Profils und laden ein zum Aufbau eines „Freundeskreises“.

Die Wende kam 2007 mit Facebook, als Mark Zuckerberg eine offene Schnittstelle anbot. Dabei war natürlich klar, dass er sein Netzwerk im Zentrum sah, an das nun alle anderen anzudocken hätten. Auch wenn sich diese Erwartung nicht auf die Schnelle erfüllte, war der Damm doch gebrochen und ein Umdenkprozess setzte ein, mit dem die zweite Phase des Web 2.0 praktisch begann.

Dieser Prozess des Umdenkens findet aber noch überwiegend auf der theoretischen Ebene, als Diskussion in Blogs, statt. Etwa bei Robert Basic, der jüngst hierfür knapp 70 Kommentare erhielt. Oder auch bei Christian Scholz.

Diesen Überlegungen werden aber schon bald praktische Beispiele folgen. Denn der ökonomische Zwang dürfte die Fantasie vieler Plattformbetreiber anregen und zu praktischen Schritten leiten, auch wenn sie sich erkennbar ungern von ihrem seligen „Inseldenken“ verabschieden. Und so ganz nebenbei wird das gerade im Enstehen begriffene „mobile Web“ zur zusätzlichen Herausforderung: Die zweite Phase des Web 2.0 bringt nicht nur die (offene) Vernetzung von jedem mit jedem, sondern vielfach auch den fliegenden Wechsel von stationären zu mobilen Geräten (und zurück) mit sich.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Verteilte soziale Netzwerke mit Wordpress: DiSo — mrtopf.de

  2. vor allem bin ich gespannt, wie -und ob überhaupt- das Problem der Darstellung auf den viel zu kleinen mobilen Interfaces verbessert wird. Auch das Tippen macht mir als jung dynamischer Poweruser schon Schwierigkeiten.

    Die Bordcomputer in den Fahrzeugen wird man wohl über Sprache steuern und die Ergebnisse über Headup-Display visualisiert bekommen. Vielversprechend sind auch Brillemonitore analog zum Musik-Hörstöpsel.

  3. @Christian: Danke für den sehr guten Link! Das ist sehr interessanter und lesenswerter Artikel.

  4. Kann dem Beitrag weitestgehend zustimmmen, hab gerade vor einem Monat meine Diplomarbeit zum Thema Web 2.0 im Onlinehandel abgegeben, am Lehrstuhl von Prof.Dr. Chr. Scholz, UdS.
    Das Web 2.0 wird noch mobiler, wobei ich glaube, dass dieser Schritt vor allem im Hinblick auf das Web 3.0 eine Rolle spielen wird.