Steve Rubel konstatiert den Verfall des Bloggens

Unter der netten Überschrift „The Lazysphere and the Decline of Deep Blogging“ kritisiert Steve Rubel, dass die amerikanischen Techblogger nachlässig („lazy“) geworden seien und anstelle origineller, eigener Gedanken nur noch Artikel veröffentlichten, in denen die aktuellen Schlagzeilen oberflächlich nachgebetet würden. Seiner Meinung nach schielen sie mit damit vorrangig darauf, auf den Seiten der Aggregatoren wie Techmeme oder Digg zu landen.

Da ist es doch ein schöner Zufall, dass es bei uns fast zeitgleich Malte Landwehr bei Rivva in die Schlagzeilen schafft. Sein Thema: Wie hole ich mir mit Social Media Optimization und Linkbaiting viel Traffic auf mein Blog. Über 40 Kommentare hat er dafür im Blog bekommen, auf Rivva sind immerhin 7 Links angegeben (worauf man leider nicht mehr direkt verlinken kann).

Malte will ich an dieser Stelle nicht kritisieren. Im Gegenteil: Er wollte ja nur die Probe aufs Exempel machen und demonstrieren, wie so etwas geht (bzw. wie effektiv es sein kann). Das ist ihm gelungen. Und die Reaktionen auf sein Posting zeigen, dass die Denke, die Steve Rubel in Amerika kritisiert, auch bei uns anzutreffen ist.

Einen Ausweg sieht Bob Warfield (SmoothSpan Blog). Er empfiehlt den Bloglesern, die Top 100 Blogs konsequent zu meiden und stattdessen die aus der zweiten Reihe (also die Plätze 101 bis 200) zu wählen. Diese aufstiegsorientierten Blogs bemühten sich noch mehr um Qualität und originelle Beiträge als die Blogs an der Spitze.

Schade nur, dass sowohl Technorati in den USA als auch die Deutschen Blogcharts nur die ersten 100 Plätze auflisten. Die guten Blogs aus der zweiten Reihe darf man sich also selbst irgendwie zusammen suchen…

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die „guten Blogs aus der zweiten Reihe“ müssen sich fragen, warum sie in der zweiten Reihe stehen und mit welchem Engagement sie es in die erste Reihe schaffen könnten.

    Solange nun mal in der ersten Bundesliga nur 18 Mannschaften spielen dürfen, wird es auch der SV Saulgau nie in die erste Fußballbundesliga schaffen, auch nicht wenn ein New-Economy Milliardär Geld in die Mannschaft pustet und auch nicht wenn Saulgau den attraktivsten Fußball zaubert.

  2. @Oliver: Auch die zweite Bundesliga kann reizvoll sein. Nicht jedes Blog kann und muss ganz vorne dabei sein…

  3. Nachdem ich die diversen Rankings nicht so wirklich verfolge, kann ich gar nicht sagen, ob die Blogs, die ich lese, nun in der ersten, zweiten oder dritten Reihe stehen. Für mich als Leser spielt das auch keine Rolle.
    Und für einen Blogbetreiber ist es zwar sicher toll, wenn die Zugriffszahlen hoch sind, aber das heißt noch nicht, dass sich das Blog auch „rechnet“. Wer wie ich in einer Nische bloggt, wird nie besonders tolle Zugriffszahlen aufweisen können. Aber ist ein toller Auftrag nicht ähnlich viel wert wie Platz 1 in einem Ranking?

  4. @Frank Westphal: Diesen Link hätte ich eigentlich so schon gerne im Artikel gehabt (aber selber nicht gefunden) – vielen Dank!

    @Christian Henner-Fehr: Die Qualität eines Blogs bemisst sich nicht daran, wie hoch er in Rankings steht. Da sind wir uns einig. Ebenso hängt seine Monetarisierung (Auftragsgewinnung über das Blog) nicht von Rankings ab.

  5. Prinzipiell wird jetzt schon immer feiner zwischen den Blogtypen (Business Blog, Corporate Blog etc.) unterschieden. Das spiegelt sich in den Rankingkategorien vieler Rankingdienste wieder. D.h. jeder wird Spitzenreiter, wenn er nur seine Nische klein und exakt genug zurechtschneidert.
    Früher hatte eine Firma einen Blog, dann hatte jedes Thema einen Blog und jetzt hat fast schon jedes Produkt und jeder Event einen eigenen Blog. Die Welt ist voller Marktführer. Schlage die Kampagne: „Duuuu bist Blogger Deutschlands…“

  6. @Oliver: Solange es noch keine intelligenteren (semantischen) Konzepte für die Evaluation von Blogs gibt, werden Rankings das Maß der Dinge bleiben. Und den Spitzenreiter in der Nische kann man auch positiv sehen – er steht im Kontext relevanter Mitbewerber und kann den Leser auf interessante Alternativen (aus diesem Ranking) aufmerksam machen.