Die Sache mit den Social Networks…

Ist Twitter ein Social Network? Wer weiß das schon so genau in unseren sich beschleunigenden Zeiten. Auffällig ist, dass gerade wieder viel dazu gebloggt wird, so etwa von Dave Winer, der jetzt ein Geschäftsmodell für Twitter sieht.

Grundsätzlich gibt man sich nicht nur für Twitter optimistisch, so etwa Marcel Weiß oder Andreas Göldi. Ich finde das gut. Denn die Zeit ist reif dafür, dass auf Social Networks neue Formen der Kommunikation bzw. Werbung erprobt werden. Sollen doch etwa Buchverlage Debatten und Diskussionen über neue Buchtitel nicht auf ihrer eigenen Website führen, sondern auf MySpace oder Facebook. Auf diese Weise kann die Debatte zur Zielgruppe kommen und nicht umgekehrt ganz unterschiedliche Zielgruppen zum Verlag.

Oder nehmen wir den Bereich der Gesundheit: Da berichtet Qype vor ein paar Wochen stolz, dass man schon über 1.000 Bewertungen von Ärzten auf der Plattform hat. Die eigens dafür angetretenen Medizinportale (DocInsider, imedo, jameda, netdoktor und Topmedic) wird das nicht freuen. Dass man aber auf Qype alles und jeden bewerten kann, macht offenbar den Reiz der Plattform aus und kommt den Usern entgegen.

Wer 2008 sich und sein Produkt ins Gespräch bringen will, sollte erst einmal prüfen, ob seine Zielgruppe nicht schon irgendwo relativ passgenau im Social Web unterwegs ist, bevor er für teures Geld eine eigene Plattform aufbaut. Es mag mehr Sinn machen, mit dem eigenen Angebot zum (schon vorhandenen) Traffic zu gehen, als diesen mühsam auf eine neue Seite zu lenken.

Die Anbieter diverser (etablierter) Social Networks dürfte dies freuen: Denn auf der Suche nach Einnahmen und tragfähigen Geschäftsmodellen sind sie allesamt. Und sie selbst sollten sich nicht länger nur als schöne Inseln in „splendid isolation“ begreifen sondern untereinander nach interessanten Kooperationsmöglichkeiten suchen. So könnte sich das schon recht große Qype ja mit einem Network wie wevent verbünden: Der eine hat die Bewertungen (und schon sehr viel Traffic), der andere die coolen Veranstaltungstipps.

Vor diesem Hintergrund bin ich schon gespannt auf MyAlikes. Das wird zwar (wieder) eine neue Plattform, aber eben genau mit dem Fokus auf Interessen, so dass Drittanbieter hier gut mitmachen könnten. Und weil es gerade passt: Manuel Gruber (von MyAlikes) spekuliert aktuell über StudiVZ. Er hat nämlich festgestellt, dass sich auf deren Plattform entwicklungstechnisch nicht mehr viel tut. Vielleicht, so seine Überlegung, hat man ja heimlich schon an Facebook verkauft?

Also dürfte 2008 wirklich spannend werden. Und Twitter ist ganz sicher ein Social Network, auch wenn ich selbst immer noch nicht recht mitmachen will…